Jobsuche Unternehmen testen anonyme Bewerbungen

Im Herbst startet ein Pilotprojekt, bei dem sich Menschen anonym um ausgeschriebene Stellen bewerben können. So soll Diskriminierung verhindert werden.

Ein Mann füllt einen Bewerbungsbogen aus. Ab Herbst testen fünf deutsche Unternehmen anonyme Bewerbungen

Ein Mann füllt einen Bewerbungsbogen aus. Ab Herbst testen fünf deutsche Unternehmen anonyme Bewerbungen

In einem Pilotprojekt testen fünf Unternehmen und das Familienministerium ab Herbst anonymisierte Bewerbungsverfahren. Nur die Qualifikation soll darüber entscheiden, wer zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wird. Die anonyme Bewerbung soll kein Foto und keinen Namen enthalten, außerdem entfallen Angaben über Alter, Geschlecht und Herkunft. Damit sollen Vorurteile oder Vorlieben der Personalchefs keine Rolle mehr spielen und die Chancengleichheit erhöht werden.

Eine Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) hat ergeben, dass Bewerber mit einem nicht-deutschen Namen seltener zu Bewerbungsgesprächen eingeladen werden als solche mit deutschen Namen . "Anonyme Bewerbungen können helfen, Diskriminierung zu reduzieren ", sagt IZA-Leiter Klaus Zimmermann. Nach Angaben der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADB) klagten beispielsweise Frauen häufig darüber, dass sie mehr Chancen auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch hätten, wenn sie Kinder in der Bewerbung nicht erwähnten. Ältere Menschen beschwerten sich immer wieder, dass sie keine Einladung erhielten, obwohl sie die verlangten Qualifikationen vorweisen könnten.

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Der Test mit den anonymen Bewerbungen wird ein Jahr dauern und wissenschaftlich ausgewertet, teilte die ADB mit. An dem Modellversuch nehmen große Unternehmen teil: Neben der Deutschen Post und der Deutschen Telekom werden auch Procter & Gamble, L’Oréal und Mydays teilnehmen. Alle Unternehmen haben im Ausland bereits Erfahrungen mit anonymen Bewerbungsverfahren gemacht. In den USA werden seit den sechziger Jahren anonyme Bewerbungen eingesetzt. Seit dem vergangenen Jahr läuft ein ähnliches Pilotprojekt in Frankreich .

Wirtschaftsverbände kritisieren die anonymen Bewerbungsverfahren. Nach Angaben von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt seien die Pläne schwer umsetzbar, weil sie Bürokratie erhöhten. Zweifel an der Umsetzbarkeit kommen auch beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) auf. "Kleine und mittlere Unternehmen werden Probleme mit der Umsetzung haben", sagte Hildegard Reppelmund vom DIHK.

Wie die anonymen Bewerbungen in der Praxis aussehen werden, ist bislang nicht geklärt. Bis Herbst müssen noch einige Probleme ausgeräumt werden, sagte ein ADB-Sprecher. Unklar sei zum Beispiel, ob weibliche Berufsbezeichnungen angepasst oder Schulzeugnisse aus der Türkei geschwärzt werden müssen.

Unklar ist auch, wie sich das anonymisierte Bewerbungsverfahren auf die Einstellung von körperlich behinderten Menschen auswirkt. Wenn diese bei der anonymen Bewerbung keine Angaben über ihre Behinderung machen, können sie auch nicht bevorzugt behandelt werden. Unternehmen mit mehr als 20 Arbeitnehmern sind verpflichtet, mindestens fünf Prozent der Arbeitsplätze mit Schwerbehinderten zu besetzen. Häufig erfüllen Firmen diese Quote jedoch nicht und nehmen in Kauf, eine sogenannte Ausgleichsabgabe zu zahlen.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Ist es fair, wenn sich ein 19 jähriger und ein 40 jähriger anonym bewerben? Ist es nicht von vornherein klar, dass der 40 jährige mehr kann und somit bessere Chancen hat?

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    ich gehe davon aus, dass eine anonyme Bewerbung auch einen Lebenslauf enthält. Da hat jeder die Gelegenheit seine Qualifikationen aufzulisten. Auch wo, wie lange und an was gearbeitet wurde. Das ist natürlich relevant.

    Anonym heißt nur, dass irrelevante Angaben wegfallen müssen. Das Alter an sich ist irrelevant, solange die Qualifikationen stimmen.

    Natürlich lassen sich aus dem Lebenslauf Rückschlüsse auf das Alter des Bewerbers ziehen. Jemand der 30 Jahre gearbeitet hat, kann nicht 20 Jahre alt sein.

    Trotzdem denke ich, dass es eine gute Sache ist. Der Arbeitgeber wird mit dem Thema konfrontiert.

    ich gehe davon aus, dass eine anonyme Bewerbung auch einen Lebenslauf enthält. Da hat jeder die Gelegenheit seine Qualifikationen aufzulisten. Auch wo, wie lange und an was gearbeitet wurde. Das ist natürlich relevant.

    Anonym heißt nur, dass irrelevante Angaben wegfallen müssen. Das Alter an sich ist irrelevant, solange die Qualifikationen stimmen.

    Natürlich lassen sich aus dem Lebenslauf Rückschlüsse auf das Alter des Bewerbers ziehen. Jemand der 30 Jahre gearbeitet hat, kann nicht 20 Jahre alt sein.

    Trotzdem denke ich, dass es eine gute Sache ist. Der Arbeitgeber wird mit dem Thema konfrontiert.

  2. 2. Super

    Sehr geehrter, sehr geehrte ???,

    mit grossem Interesse haben wir Ihre Bewerbung entgegen genommen. Gerne hätten wir Sie zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen.
    Leider wissen wir nicht, wie wir Sie erreichen können, da Sie sich anonym beworben haben.
    Wir werden deshalb den Bewerber vom Arbeitsamt einstellen müssen, da er der Einzige war, der durch das beigefügte Schreiben der Agentur zu identifizieren war.
    Wir wünschen Ihnen für Ihren weiteren Lebensweg alles Gute.

    Mit freundlichen Grüssen
    Ihre Personalabteilung

    Eine Leser-Empfehlung
  3. "Unternehmen mit mehr als 20 Arbeitnehmern sind verpflichtet, mindestens fünf Arbeitsplätze mit Schwerbehinderten zu besetzen."

    "Fuenf Prozent" soll das wohl heissen, nach dem anderen Artikel zu schliessen.

    Ansonsten ein interessanter Artikel. Ich waere sofort dafuer und nach den Studien und den Erfahrungen aus anderen Laendern (USA) vermute ich, dass das tatsaechlich ein guter Schritt weg von der Diskriminierung ist. Allein dass man in Deutschland noch ein Foto beilegen muss, ist meiner Ansicht nach ein Unding!

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    Wer trotz dieser Regelung keinen Schwerbehinderte einstellt, muss einen relativ geringen Ausgleichsbetrag zahlen. Dieser soll, wird aber nicht wirklich, für die Förderung von Schwerbehinderten eingesetzt werden! (Ich hatte vor Jahren einen schwerbehinderten Mitarbeiter, der sich mit dieser Thematik sehr gut auskannte!)

    Nicht jede Ablehnung eines Bewerbers mit z.B. Migrationshintergrund hat etwas mit Diskriminierung zu tun. Haben Sie schon einmal erlebt, welche Kommentare ein(e) aus sachlichen, berechtigten Gründen abgelehnte(r) Bewerber(in) - z.B. - weil schwanger, älter oder mit Migrationshintergrund - von sich gibt? - Für die meisten abgelehnten Bewerber spielt es keine Rolle, warum sie - absolut korrekt - nicht eingestellt wurden. Sie halten sich immer für hervorragend qualifiziert. Immer ist irgendetwas oder irgendjemand anders schuld, dass sie diesen oder jnen Job nicht bekommen haben. Und da kommen dann die üblichen Klischees für Ablehnung bestens gelegen!

    So einfach kann und darf man es sich nicht machen. So werden die tatsächlichen Probleme von Irrungen auf dem Arbeitsmarkt nicht gelöst!

    Wann fangen die Verantwortlichen endlich einmal an, ihre Hausaufgaben und ihren Job richtig zu machen, statt irgendwelchen Scheinlösungen hinterher zu laufen?

    Redaktion

    Hallo adorenarin,

    vielen Dank für Ihren Hinweis. Es muss tatsächlich "fünf Prozent der Arbeitsplätze" heißen. Wir haben die entsprechende Stelle im Text korrigiert.

    Die Redaktion

    Wer trotz dieser Regelung keinen Schwerbehinderte einstellt, muss einen relativ geringen Ausgleichsbetrag zahlen. Dieser soll, wird aber nicht wirklich, für die Förderung von Schwerbehinderten eingesetzt werden! (Ich hatte vor Jahren einen schwerbehinderten Mitarbeiter, der sich mit dieser Thematik sehr gut auskannte!)

    Nicht jede Ablehnung eines Bewerbers mit z.B. Migrationshintergrund hat etwas mit Diskriminierung zu tun. Haben Sie schon einmal erlebt, welche Kommentare ein(e) aus sachlichen, berechtigten Gründen abgelehnte(r) Bewerber(in) - z.B. - weil schwanger, älter oder mit Migrationshintergrund - von sich gibt? - Für die meisten abgelehnten Bewerber spielt es keine Rolle, warum sie - absolut korrekt - nicht eingestellt wurden. Sie halten sich immer für hervorragend qualifiziert. Immer ist irgendetwas oder irgendjemand anders schuld, dass sie diesen oder jnen Job nicht bekommen haben. Und da kommen dann die üblichen Klischees für Ablehnung bestens gelegen!

    So einfach kann und darf man es sich nicht machen. So werden die tatsächlichen Probleme von Irrungen auf dem Arbeitsmarkt nicht gelöst!

    Wann fangen die Verantwortlichen endlich einmal an, ihre Hausaufgaben und ihren Job richtig zu machen, statt irgendwelchen Scheinlösungen hinterher zu laufen?

    Redaktion

    Hallo adorenarin,

    vielen Dank für Ihren Hinweis. Es muss tatsächlich "fünf Prozent der Arbeitsplätze" heißen. Wir haben die entsprechende Stelle im Text korrigiert.

    Die Redaktion

  4. Wieder ein Modell, das natürlich wieder viel Geld kosten wird. Toll! Ein Arbeitgeber muss jetzt, damit er sich ein Bild von dem jeweiligen Bewerber machen kann, im Prinzip jeden Bewerber zum Gespräch einladen. Denn anhand der Bewerbungsunterlagen kann er ja dann nur noch feststellen, ob der/die Bewerber/in die - theoretischen - Grundanforderungen für die ausgeschriebene Stelle erfüllt. Eine Menge mehr Arbeit für die Unternehmen (und Kosten, die garantiert wieder beim Personal eingespart werden müssen). Und horrende Mehrkosten für die Agentur für Arbeit, z.B. für noch mehr Bewerbungs- und Fahrt-/Reisekosten von (arbeitslosen) Arbeitsuchenden. Von den Kosten für die sonstigen Bewerber ganz zu schweigen...

    Wer hat sich eigentlich diesen absoluten Schwac..., äh, Unsinn ausgedacht? Kein Unternehmen stellt einen Bewerber allein aufgrund seiner schriftlichen Bewerbung ein! Als erstes sollte die Person fristlos gefeuert werden, die sich diesen - teuren - Blödsinn ausgedacht hat, damit diese Person durch eigene Bewerbung - zumindest etwas - Ahnung von der Praxis bekommt!

    Tja, vielleicht müssen jetzt einige von der Belegschaft in die Leiharbeit wechseln (oder in anderen Bereichen entlassen werden), damit mehr Personal für die Personalabteilung (für die Durchführung von Bewerbungsgesprächen)eingestellt werden kann...?

    Dadurch wird es keinen einzigen Arbeitsplatz mehr geben! Und das ist doch das Problem, und nicht "wer" die Stelle bekommt!

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    anonymisierter Arbeitszeugnisse und Aufgabengebieten bzw. Lebensläufen kein Bild machen kann ist die Kündigung die ihn betrifft durchaus wert.

    anonymisierter Arbeitszeugnisse und Aufgabengebieten bzw. Lebensläufen kein Bild machen kann ist die Kündigung die ihn betrifft durchaus wert.

  5. Investiert Geld und Aufwand für diese unsinnige Studie lieber in die gezielte Qualifizierung von Personen, die dann die freien Stellen besetzen können, für die man doch so dringend und händeringend Fachkräfte benötigt!

    Lieber hier qualifizieren als im Ausland anheuern. Oder will irgendjemand behaupten, es gäbe nicht genügend geeignete Personen, die für diese freien Stellen qualifiziert werden könnten?

    Das sieht alles nach blindem Aktionismus, Arbeitsmarkt-Heuchelei und dem Versuch aus, die ansonsten zu zahlenden Gehälter für inländische Fachkräfte durch schlechter bezahlte ausländische Arbeitnehmer zu ersetzen.

  6. ich gehe davon aus, dass eine anonyme Bewerbung auch einen Lebenslauf enthält. Da hat jeder die Gelegenheit seine Qualifikationen aufzulisten. Auch wo, wie lange und an was gearbeitet wurde. Das ist natürlich relevant.

    Anonym heißt nur, dass irrelevante Angaben wegfallen müssen. Das Alter an sich ist irrelevant, solange die Qualifikationen stimmen.

    Natürlich lassen sich aus dem Lebenslauf Rückschlüsse auf das Alter des Bewerbers ziehen. Jemand der 30 Jahre gearbeitet hat, kann nicht 20 Jahre alt sein.

    Trotzdem denke ich, dass es eine gute Sache ist. Der Arbeitgeber wird mit dem Thema konfrontiert.

    Antwort auf "Ganz große Klasse"
  7. anonymisierter Arbeitszeugnisse und Aufgabengebieten bzw. Lebensläufen kein Bild machen kann ist die Kündigung die ihn betrifft durchaus wert.

    Antwort auf "Armes Deutschland..."
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    Leider muss ich Ihnen sagen, dass Sie von der Praxis nicht die geringste Ahnung haben! - Leider!

    Ich würde jeden Personalverantwortlichen entlassen, der nur aufgrund einer schriftlichen Bewerbung jemand einstellt! Denn die Praxis - und vor allem eigene Erfahrung - zeigt gravierende Unterschiede zwischen theretischer Eignung aufgrund schriftlicher Bewerbung und tatsächlicher Eignung, aufgrund eines persönlichen Gespräches. Und selbst Unterlagen und (!) Gespräch sind keine Garanten für die tatsächliche Eignung in der Praxis. Aber beides zusammen ist immer noch besser und sicherer... - Alles andere ist Schw...

    Leider muss ich Ihnen sagen, dass Sie von der Praxis nicht die geringste Ahnung haben! - Leider!

    Ich würde jeden Personalverantwortlichen entlassen, der nur aufgrund einer schriftlichen Bewerbung jemand einstellt! Denn die Praxis - und vor allem eigene Erfahrung - zeigt gravierende Unterschiede zwischen theretischer Eignung aufgrund schriftlicher Bewerbung und tatsächlicher Eignung, aufgrund eines persönlichen Gespräches. Und selbst Unterlagen und (!) Gespräch sind keine Garanten für die tatsächliche Eignung in der Praxis. Aber beides zusammen ist immer noch besser und sicherer... - Alles andere ist Schw...

  8. Wer trotz dieser Regelung keinen Schwerbehinderte einstellt, muss einen relativ geringen Ausgleichsbetrag zahlen. Dieser soll, wird aber nicht wirklich, für die Förderung von Schwerbehinderten eingesetzt werden! (Ich hatte vor Jahren einen schwerbehinderten Mitarbeiter, der sich mit dieser Thematik sehr gut auskannte!)

    Nicht jede Ablehnung eines Bewerbers mit z.B. Migrationshintergrund hat etwas mit Diskriminierung zu tun. Haben Sie schon einmal erlebt, welche Kommentare ein(e) aus sachlichen, berechtigten Gründen abgelehnte(r) Bewerber(in) - z.B. - weil schwanger, älter oder mit Migrationshintergrund - von sich gibt? - Für die meisten abgelehnten Bewerber spielt es keine Rolle, warum sie - absolut korrekt - nicht eingestellt wurden. Sie halten sich immer für hervorragend qualifiziert. Immer ist irgendetwas oder irgendjemand anders schuld, dass sie diesen oder jnen Job nicht bekommen haben. Und da kommen dann die üblichen Klischees für Ablehnung bestens gelegen!

    So einfach kann und darf man es sich nicht machen. So werden die tatsächlichen Probleme von Irrungen auf dem Arbeitsmarkt nicht gelöst!

    Wann fangen die Verantwortlichen endlich einmal an, ihre Hausaufgaben und ihren Job richtig zu machen, statt irgendwelchen Scheinlösungen hinterher zu laufen?

    Antwort auf "Anmerkung"

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