BewerbungGute Kontakte sind besser als jede Jobbörse

Trotz einer wachsenden Zahl offener Stellen sind ausgeschriebene Jobs rar. Stellen werden eher über Kontakte vermittelt. Wer gut vernetzt ist, hat darum bessere Chancen. von Claudia Obmann

Ein Bewerber im Vorstellungsgespräch: Die meisten Stellen werden nicht mehr ausgeschrieben, sondern über Kontakte vermittelt

Ein Bewerber im Vorstellungsgespräch: Die meisten Stellen werden nicht mehr ausgeschrieben, sondern über Kontakte vermittelt  |  © Chris Hondros/Getty Images

Wenn Arbeitssuchende oder Wechselwillige Stellenmärkte im Netz nach Jobs durchforsten, sind sie oft frustriert. Trotz einer wachsenden Zahl offener Stellen bleibt die Auswahl auch im Konjunkturaufschwung dürftig. Das liegt vor allem an der Art der offerierten Stellen: Am meisten gesucht werden Berater mit oft 100-prozentiger Reisebereitschaft, 2500 solcher Stellen finden sich allein beim Marktführer Monster.de. Viele Stellen sind zudem befristet. Andere nennen Anforderungen, die kaum ein Bewerber erfüllen kann.

Traumjobs sind das allesamt selten. Und das hat seinen Grund, sagt die Hamburger Karriereberaterin Svenja Hofert: "Die Stellen in den Jobbörsen sind meist Positionen, für die sich auf anderem Weg kein Kandidat gefunden hat. Anders ausgedrückt: Es sind Jobs mit kleinen oder größeren Makeln." Uneingeschränkte Reisebereitschaft gehört dazu. Ein Problem für Arbeitssuchende, die Job und Familie unter einen Hut bekommen müssen. Und auch schlechte Bezahlung, Befristung oder ein schlechtes Arbeitsklima können solche Mängel sein.

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Tipps für die erfolgreiche Jobsuche
  • Wer nach einer neuen Stelle sucht, sollte immer erst die Augen im eigenen Umfeld offen halten. Über Geschäftspartner, Kunden, Kollegen kommt man häufig schneller an Jobs als über Stellenbörsen.
  • Häufig können Freunde und Bekannte in ihrer eigenen Firma etwas tun und nach Möglichkeiten der Mitarbeit zu fragen!
  • Es ist sinnvoll, gute Kontakte aus Studienzeiten, Ausbildung, Praktika oder alten Jobs zu pflegen. Auch der Besuch auf Fachtagungen und Konferenzen ist sinnvoll, da man hier oft die Chance hat, mit gut vernetzten Playern aus der Branche in Kontakt zu kommen, von freien Stellen oder Projekten erfährt und auch Kontakte zu anderen Jobsuchenden aus der gleichen Branche zu knüpfen.
  • Man sollte keine Scheu davor haben, die Mitglieder seines Netzwerkes darüber zu informieren, wenn man auf Jobsuche ist.
  • Die Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs ist immer gut für Initiativbewerbungen! Diese sollten so gestaltet sein, dass die Empfänger sofort ein Bild davon haben, was der Bewerber kann und wo er einsetzbar wäre. Noch besser ist, sich "auf Empfehlung von" zu bewerben. Dafür sollte man aber nur sehr enge, gute und direkte Kontakte zu nutzen.
  • Niemals vergessen: Sobald die Suche nach einem neuen Job erfolgreich war, sollte man sich bei seinen Kontakten bedanken und sich revanchieren.

Dass zwei Drittel aller vakanten Stellen gar nicht offiziell ausgeschrieben werden, hat eine Erhebung des Instituts für Arbeitsmarktforschung erbracht, doch darüber hinaus zeigen sich nun zwei weitere Tendenzen: Neben den unbeliebten sind es mehr und mehr auch stark spezialisierte Jobs, die in Online-Stellenmärkten landen. "Generalistisch geprägte Stellen, die eindeutig die Mehrzahl des gesamten Stellenangebots darstellen, finden sich immer seltener in Form eines Inserats", sagt Hofert. Auch kleinere Unternehmen würden nur noch sehr selten mit einer Anzeige suchen.

Stattdessen aktivieren Firmeninhaber lieber das eigene Kontakt-Netzwerk. Ein Beispiel dafür liefert Michael Silberberger, Geschäftsführer des Seminaranbieters Semigator in Berlin. Anstatt in Stellenbörsen zu schalten, schickte er kürzlich eine Mail an seine Xing-Kontakte. In dieser warb er für offene Positionen im Vertrieb, unter anderem mit einer Beschreibung des guten Arbeitsumfelds. "Die Chance auf diesem Weg passende Kandidaten zu bekommen, ist deutlich höher als über eine normale Anzeige", sagt Silberberger aus Erfahrung.

Die Logik dahinter: Wer jemanden aus seinem Netzwerk empfiehlt, kennt diese Person meist und kann nicht nur Fachkenntnisse, sondern auch die Persönlichkeit einschätzen – und diese ist außerhalb der Spezialistenwelt nun mal oft das wichtigste Fundament. "Zudem haben Angestellte, die sich als gute Mitarbeiter erwiesen haben, meist ebensolche Freunde und Bekannte", sagt Svenja Hofert. Nicht zuletzt würden Freunde oft viel besser zusammenarbeiten als Fremde, wenn die Vermittlung erfolgreich verläuft.

Was das für Jobsuchende bedeutet? "Wer sozial abgeschottet ist und zudem das Internet meidet, bekommt mehr und mehr ein Problem bei der Jobsuche", so Hofert. Denn der aufgezeigte Trend werde sich weiter verstärken.

(Zuerst erschienen auf Karriere.de)

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Leserkommentare
  1. alles schön und gut, aber

    1. wie erfolgt der Nachweis für die Arbeitsagentur,
    und
    2. wie ist denn "Glaubwürdigkeit" und "Ernsthaftigkeit" zu verrifizieren?

    • VMK
    • 23. August 2010 18:29 Uhr

    Zum Glück kenne ich nur Leute in gehobener Position die in DAX-Unternehmen arbeiten und auf Nachfrage darauf warten, mir einen Job zu vermitteln. Mir persönlich ist das bis jetzt jedenfalls nur zweimal passiert, und das auch nur für Aushilfsjobs.

    Übrigens heißt es nicht "sich revangieren" sondern "sich revanchieren". Die Fehlerhafte Version dieses Verbs kreidet mir sogar die Textkontrolle meines Browsers in diesem Textfeld an.

    gez. VMK
    Sympathisantin des Zentralrats der Duden

  2. Problem: Die Aussagen der obigen Leute, sind schlichtweg empirisch falsch.Diese Leute sind wirklich von der Richtigkeit überzeugt. Aber: Induktion schafft keine exakte wissenschaftlich gültige/geprüfte empirische Hypothese:Denn nur weil es ihnen (glücklicherweise) so erging,ist dies unter keinen Umständen verallgemeinfähig, dh unzulässig.
    Und wenn ich schon bei der Unzulässigkeit bin. ich kenne viele erfolgreiche udn qualifizierte,die über XING nur Schrott angeboten bekamen.
    Netzwerk/Nepotismus läuft weder über XING noch über Twitter, sondern über selektiv und schwer zugängliche Zirkel.
    Wer all den Unsinn über die Preisgabe seiner Identität für eine Stellengesuch mitmacht, ist ein Narr!
    Doch ich gestehe udn konstatiere zugleich:Attraktive Jobs zu finden wird immer schwerer, nur kausal die Lösung in XING zB zu finden, ist unrichtig- Ich stimme zu, dass die unattraktiven Jobs annonciert und die akttraktiven nicht.
    Ein kurzer simpler Beweis:Da "alle" diesem Trend folgen, verallgemeinert es sich und wird daher wieder belanglos.

    Ach ja, über die die Qualität und Qualifikation als Personalberaterin von Svenja Hoffert kann sich jeder anhand ihre Aussage machen:" Zudem haben Angestellte, die sich als gute Mitarbeiter erwiesen haben, meist ebensolche Freunde und Bekannte", sagt Svenja Hofert.
    No comment.

    Eine Leserempfehlung
  3. @4 Die Überschrift fasst ihren Beitrag treffend zusammen!

    Entgegen dem derzeitigen Trend soziale Netzwerke negativ zu beleuchten wird hier eine Perspektive aufgezeigt sie sich zunutze zu machen.

  4. werden soziale Netzwerke mit sozialen digitalen netzwerken verwechselt. Xing ist bestenfalls eine Möglichkeit, sich zu vernetzen, darüber vergessen viele, dass es auch im echten leben soziale Netzwerke gibt. Und 80 Prozent aller Jobs kommen nicht über klassische Bewerbungen, sondern über Kontakte zusande, ob sie real oder virtuell sind, ist eine andere Frage.

  5. Ich denke, dass ein gutes Netzwerk insbesondere im Ausland äußerst wichtig ist. In Osteuropa ist es etwa so, dass deutsche Mitarbeiter verschiedener Firmen sich bei diversen Veranstaltungen und Stammtischen kennen. Und so kommen dann auch neue Jobangebote zustande. Bei solchen Expats ist das Vertrauensverhältnis zudem schnell vorhanden. http://www.balkaninvest.e...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Karriere.de
  • Schlagworte Anzeige | Arbeitsklima | Geschäftsführer | Hut | Logik | Stellenmarkt
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