Geschönter Lebenslauf : Mogelei in der Bewerbungsmappe

Eine bessere Note hier, eine erfundene Arbeitsstelle dort: Immer mehr Unternehmen beauftragen Detekteien, um Betrügern auf die Schliche zu kommen. Von Markus Schleufe
Bewerber warten auf ein Jobinterview: Den Lebenslauf zu schönen, kann Konsequenzen haben © Justin Sullivan/Getty Images

In der Bewerbung sollte sich der Jobsuchende von seiner besten Seite zeigen. Gute Zeugnisnoten, einwandfreie Beurteilungen der vorherigen Arbeitgeber und am besten nachgewiesene Auslandserfahrungen gehören oftmals zur Mindestvoraussetzung. Manch ein Bewerber mag da in Versuchung kommen, seinem Glück ein wenig auf die Sprünge zu helfen und seine nicht ganz so blütenreine Vita ein wenig aufzupolieren. Empfehlen nicht viele Bewerbungsratgeber, Lücken im Lebenslauf zu glätten? Aber ist es zulässig, im Vorstellungsgespräch von der Vier in Mathe eine Eins mit Sternchen zu machen? Die Schulzeugnisse spielen, wenn überhaupt, nur bei Berufseinsteigern eine Rolle. Wird schon keiner so genau hinschauen, so die stille Hoffnung der Bewerber mit dem gefälschten beruflichen Werdegang.

Weit gefehlt, sagt Manfred Lotze, Geschäftsführer der Detektei Kocks. Seine Kollegen und er schauen ganz genau hin. "Im Lebenslauf darf nichts kaschiert oder anders dargestellt werden, als es ist. Eine Untersuchung unserer Detektei hat ergeben, dass von 5000 begutachteten Bewerbungen ungefähr 1500 Unregelmäßigkeiten aufwiesen", sagt Lotze. Das entspricht einer Quote von etwa 30 Prozent.

Grund genug, dass immer mehr Unternehmen bei der Bewerberauswahl auf die Dienste einer Detektei zurückgreifen. Denn gefälscht wird alles, was dem Personalchef ein Dorn im Auge sein könnte. " Nicht nur der Lebenslauf selbst, auch Zeugnisse und Arbeitsnachweise werden gefälscht. Es werden Beschäftigungsverhältnisse angegeben, die gar nicht existiert haben oder nicht lange gedauert haben. Bewerber betrügen bei der Schulbildung, fälschen Beurteilungen früherer Arbeitgeber oder geben Titel an, die so nicht geführt werden dürften", sagt Lotze.

Kunden der Detekteien sind Unternehmen, die bereits schlechte Erfahrungen mit Lebenslauffälschern gemacht haben. Mittlerweile gehen einige Unternehmen dazu über, die Daten ihrer Bewerber grundsätzlich überprüfen zu lassen . Aber dürfen die Firmen das überhaupt? Immerhin geht es hier um sensible, personenbezogene Daten. Ja, sie dürfen – wenn sie sich vorher eine Einverständniserklärung für die Überprüfung der Bewerberdaten haben unterschreiben lassen. Ein Präventivinstrument mit Schlagkraft. "Ungefähr 15 Prozent der Bewerber ziehen anschließend ihre Bewerbung zurück", sagt Lotze und schränkt ein, "das bedeutet allerdings nicht, dass diese 15 Prozent der Bewerber alle ihren Lebenslauf gefälscht haben. Darunter sind auch Personen, die nicht bei einem Unternehmen arbeiten wollen, das seine Mitarbeiter derart überprüft."

Und wie arbeiten die Detekteien? Zunächst werden die Bewerbungsunterlagen auf Plausibilität und Glaubhaftigkeit durchgesehen. Häufig finden sich bereits hier Diskrepanzen. Außerdem stellen die Detektive Recherchen zu den Angaben an, beispielsweise wo der Bewerber früher gearbeitet hat. Diese Maßnahmen ersparen dem Unternehmen unter Umständen viel Ärger. Laut einer Studie haben 70 Prozent der Mitarbeiter, die gegenüber ihrem Arbeitgeber kriminell geworden sind, bereits bei der Bewerbung gelogen.

Verlagsangebot

Der ZEIT Stellenmarkt

Jetzt Jobsuche starten und Stellenangebote mit Perspektive entdecken.

Job finden

Kommentare

13 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Da kann man nur

froh sein sich nicht mehr in D-land bewerben zu müssen.
"Gute Zeugnisnoten, einwandfreie Beurteilungen der vorherigen Arbeitgeber und am besten nachgewiesene Auslandserfahrungen gehören oftmals zur Mindestvoraussetzung." Das haben doch die meisten nicht und dann auch noch Detekive, die Firmen müssen ja Zeit (also keinen Fachkräftemangel) und Geld bis zu abwinken haben.
Verwunderlich ist nur, dass es ausserhalb D-lands meist reicht, selbst für eine Akademiker Stelle nur ein Anschreiben und ein Lebenslauf zu schicken und dann auch noch innerhalb von 2 Tagen einen Rücklauf zu bekommen und 5 Tage später das Interview für die Position zu führen um angestellt zu werden, ohne das irgendein Zeugnis vorgelegt werden müsste. Man könnte sagen jedes Land generiert sich seinen Fachkräftemangel selber.
Aber wie der Detekiv indirekt schon sagt "Darunter sich auch Personen, die nicht bei einem Unternehmen arbeiten wollen, das seine Mitarbeiter derart überprüft.", oder besser wer für solche AG arbeitet ist selber Schuld.

Was für ein Unsinn!

"Grund genug, dass immer mehr Unternehmen bei der Bewerberauswahl auf die Dienste einer Detektei zurückgreifen."

Ist zu teuer, verlangsamt den Prozess zu sehr - ist und bleibt eine selten Ausnahme.

Alles andere ist Unsinn - habe ich als Personaler in 10 Jahren auch noch bei keiner Firma erlebt.

Ständige, einseitige Berichterstattung.

In den Medien ist immer wieder die Rede von Manipulationen in Bewerbungsschreiben oder Vorstellungsgesprächen. Mit Überschriften wie "Was darf verschwiegen werden. Wo darf man die Unwahrheit sagen..."

Wie wäre es mal, mit Beiträgen endlich die Manipulationen und Lügerei der möglichen Arbeitgeber hier in den Medien zu kommunizieren.

Lug und Betrug von potenziellen Arbeitgebern beschränkt sich nicht nur auf die Nichteinhaltung von Zusagen. Sondern es werden nicht selten bewußt Fakten und Tatsachen zum Unternehmen verdreht und schlichtweg (dreist) gelogen.

Denn Informationen zur AKTUELLEN SITUATION zum Unternehmen sind trotz Google und ähnlichen Informationsquellen (Bilanzen etc.) begrenzt.