Arbeitszeugnis: Unsere besten Wünsche begleiten ihn
Arbeitnehmern werden immer bessere Zeugnisse ausgestellt, die Durchschnittsnote liegt bei 1,9. Doch welchen Wert haben solche Zeugnisse überhaupt noch?
Bewertungen in Arbeitszeugnissen klingen fast immer positiv: "Er erledigte alle Aufgaben pflichtbewusst und ordnungsgemäß", "Sie hat alle Aufgaben in ihrem und im Firmeninteresse gelöst" oder "Ihre umfangreiche Bildung machte sie zu einer gesuchten Gesprächspartnerin". Aber wer sich mit solchen Sätzen in seinem Zeugnis auf einen neuen Job bewerben will, könnte Schwierigkeiten bekommen.
So bedeutet pflichtbewusstes und ordnungsgemäßes Arbeiten im Personaler-Latein, dass der Mitarbeiter ein Bürokrat ohne Eigeninitiative ist. Eine Mitarbeiterin, die Aufgaben in ihrem Interesse und dem der Firma löst, hat wahrscheinlich Büromaterial geklaut und wer als ein gesuchter Gesprächspartner bezeichnet wird, dem bescheinigt der Ex-Arbeitgeber, zu viele Privatgespräche während der Arbeitszeit zu führen.
Solche geheime Codes in Arbeitszeugnissen sind nach §109 Absatz 2 der Gewerbeordnung unzulässig. Mitarbeiter haben einen Anspruch auf ein klar und verständlich formuliertes Arbeitszeugnis, das keine versteckten negativen Formulierungen enthält, urteilte der Bundesgerichtshof bereits 1963. Die Bewertungen müssen zudem wohlwollend formuliert sein. Dem Mitarbeiter soll damit die Suche nach einer neuen Arbeitsstelle nicht zusätzlich erschwert werden, begründeten die Richter ihre Entscheidung.
- Das Arbeitszeugnis
-
Ein Arbeitszeugnis besteht in der Regel aus 17 Abschnitten.
- Einleitung (Name, Eintrittsdatum)
- Werdegang (Karriere im Unternehmen)
- Aufgabenbeschreibung
- Arbeitsbereitschaft
- Arbeitsbefähigung
- Fachwissen
- Arbeitsweise
- Arbeitserfolg
- Erfolgsbeispiele
- Führungsleistung
- Leistungszusammenfassung (=Gesamtnote)
- Verhalten zu Internen
- Verhalten zu Externen
- Sonstiges Verhalten
- Beendigungsgrund
- Dankes- und Bedauernsformel
- Zukunftswünsche
Dieser Grundsatz gilt bis heute. Trotzdem verwenden Arbeitgeber immer wieder Codes, um negative Bewertungen zu verstecken. Den meisten Arbeitnehmern sind diese Formulierungen unbekannt, entsprechend entdecken sie solche nachteiligen Sätze in den vermeintlich positiven Zeugnissen gar nicht und wundern sich dann, wenn die Bewerbungen erfolglos bleiben.
Ob der Wortlaut im Arbeitszeugnis korrekt und zulässig ist, prüft Thomas Redekop. Er ist Geschäftsführer der Personalmanagement Service GmbH in Berlin, einem Zeugnisdienstleister, der über das Portal arbeitszeugnis,de pro Jahr mehrere Tausend Arbeitszeugnisse analysiert. Vor allem Arbeitnehmer wenden sich an das Unternehmen, wenn sie unsicher sind. Aber auch Arbeitgeber lassen sich von Redekop und seinen Mitarbeitern beraten.
Ein schlechtes Zeugnis enthält meist Formulierungen, die übertrieben positiv sind oder ganze Elemente, die zwingend in ein Zeugnis gehören (siehe Infobox), fehlen. Diese Auffälligkeiten bemerken Personaler auch beim bloßen Querlesen der Unterlagen.
Darum sollten die Zeugnisse
den Standards entsprechen
. "Grundsätzlich sind die Zeugnisse sehr positiv formuliert und haben einen einheitlichen Aufbau", sagt Zeugnisdienstleister Redekop. Dazu zählen neben der Einführung eine kurze Beschreibung der beruflichen Entwicklung im Unternehmen. Danach folgen eine Stellenbeschreibung der zuletzt ausgeführten Tätigkeit sowie eine Leistungsbeurteilung mit Angaben zur Motivation, Arbeitsweise, Erfolgen oder Weiterbildungen und eine Leistungszusammenfassung, die wiederum in einer Note zurück übersetzt werden kann.
In einem weiteren Punkt bewertet der Arbeitgeber auch das soziale Verhalten seines ehemaligen Mitarbeiters. Zum Schluss findet sich die Begründung, warum das Arbeitsverhältnis beendet wurde. Außerdem dankt der Arbeitgeber seinem Mitarbeiter für die geleistete Arbeit, bedauert das Ende der Zusammenarbeit und wünscht ihm alles Gute für die Zukunft. "Wenn Angaben beispielsweise zum Fachwissen oder die Bewertung der sozialen Fähigkeiten ganz fehlen, sind das deutliche Anzeichen, dass hier etwas nicht stimmt", sagt Redekop.
Oft steckt aber keine böse Absicht dahinter, sondern Unwissenheit des Zeugnisschreibers. Dazu kommt es meist, wenn der Arbeitgeber seinen Mitarbeiter darum bittet, sein Zeugnis selbst zu schreiben. "Davon ist grundsätzlich abzuraten, weil es die meisten Arbeitnehmer überfordert. Viele neigen dann entweder dazu, übertrieben positiv zu formulieren oder bewerten sich unterdurchschnittlich, weil sie mit der sehr positiv klingenden Zeugnisschreibung nicht vertraut sind", sagt Redekop. Eine übertriebene positive Darstellung ist ebenso hinderlich wie eine negative Bewertung. Denn als negativ gilt mittlerweile jedes Zeugnis, das gerade einmal als gut zu werten ist.






Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen Zeugnisse ausgestellt werden. Im Ausland gibt man Kontaktpersonen an, bei denen sich der potentielle Arbeitgeber über den Bewerber erkundigen kann. Ich habe 10 Jahre im Ausland gearbeitet und keine Zeugnisse darüber, was nicht gerade gut ist, wenn man zurück will und sich auf dem deutschen Arbeitsmarkt bewirbt. Glücklicherweise habe ich in einem Forschungsinstitut angefangen, in dem viele Ausländer arbeiten, und wo man also mit ausländischen Gepflogenheiten vertraut ist. Meine Meinung ist ´Zeugnisse mit ihren Standardformeln abschaffen und sich endlich den europäischen/globalen Standards anpassen´.
Arbeitszeugnisse sind Gängelei und eine Fortsetzung unguter Traditionen.
Der Vergleich mag übertrieben sein, aber in meinen Augen sind Arbeitszeugnisse das kapitalistische Äquivalent zu Stasi-Akten. Ein Instrument, mit dem man “Untergebene” (allein dieses Wort...) einschüchtern, kontrollieren, bedrohen, unter Druck setzen und gefügig halten möchte.
Besonders perfide ist das Beurteilungssystem im Beamtentum. Nicht derjenige wird mit Karriere belohnt, der effizient oder erflogreich arbeitet, sondern derjenige, der dem Chef gefällt und dessen Machtgefühl bestätigt.
In Deutschland läuft eben immer noch viel über Strafandrohung statt Motivation. Diese Mentalität erscheint allerdings nur als eine deutsche Eigenart, wenn man sich mit dem westeuropäischen, skandinavischen oder angelsächsischen Ausland vergleicht. In Wahrheit ist das etwas, was Deutschland mit seinen östlichen Nachbarn gemeinsam hat.
Eine Bürgergesellschaft sieht jedenfalls anders aus...
Im Berufsalltag ist das vielleicht nur eine Kleinigkeit, aber eine von vielen, die erlären, warum das Arbeiten im Ausland so viel angenehmer ist. Geld ist nicht alles...
Arbeitszeugnisse sind Gängelei und eine Fortsetzung unguter Traditionen.
Der Vergleich mag übertrieben sein, aber in meinen Augen sind Arbeitszeugnisse das kapitalistische Äquivalent zu Stasi-Akten. Ein Instrument, mit dem man “Untergebene” (allein dieses Wort...) einschüchtern, kontrollieren, bedrohen, unter Druck setzen und gefügig halten möchte.
Besonders perfide ist das Beurteilungssystem im Beamtentum. Nicht derjenige wird mit Karriere belohnt, der effizient oder erflogreich arbeitet, sondern derjenige, der dem Chef gefällt und dessen Machtgefühl bestätigt.
In Deutschland läuft eben immer noch viel über Strafandrohung statt Motivation. Diese Mentalität erscheint allerdings nur als eine deutsche Eigenart, wenn man sich mit dem westeuropäischen, skandinavischen oder angelsächsischen Ausland vergleicht. In Wahrheit ist das etwas, was Deutschland mit seinen östlichen Nachbarn gemeinsam hat.
Eine Bürgergesellschaft sieht jedenfalls anders aus...
Im Berufsalltag ist das vielleicht nur eine Kleinigkeit, aber eine von vielen, die erlären, warum das Arbeiten im Ausland so viel angenehmer ist. Geld ist nicht alles...
Arbeitszeugnisse sind Gängelei und eine Fortsetzung unguter Traditionen.
Der Vergleich mag übertrieben sein, aber in meinen Augen sind Arbeitszeugnisse das kapitalistische Äquivalent zu Stasi-Akten. Ein Instrument, mit dem man “Untergebene” (allein dieses Wort...) einschüchtern, kontrollieren, bedrohen, unter Druck setzen und gefügig halten möchte.
Besonders perfide ist das Beurteilungssystem im Beamtentum. Nicht derjenige wird mit Karriere belohnt, der effizient oder erflogreich arbeitet, sondern derjenige, der dem Chef gefällt und dessen Machtgefühl bestätigt.
In Deutschland läuft eben immer noch viel über Strafandrohung statt Motivation. Diese Mentalität erscheint allerdings nur als eine deutsche Eigenart, wenn man sich mit dem westeuropäischen, skandinavischen oder angelsächsischen Ausland vergleicht. In Wahrheit ist das etwas, was Deutschland mit seinen östlichen Nachbarn gemeinsam hat.
Eine Bürgergesellschaft sieht jedenfalls anders aus...
Im Berufsalltag ist das vielleicht nur eine Kleinigkeit, aber eine von vielen, die erlären, warum das Arbeiten im Ausland so viel angenehmer ist. Geld ist nicht alles...
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