BewerbungsgesprächSelbstsicher zum neuen Job

Eine gute Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch ist äußerst wichtig. Denn manchmal führt ein Jobinterview zur Erkenntnis, dass es mit diesem Arbeitgeber nicht geht. von 

Bewerber bei einer Recruitingveranstaltung

Bewerber bei einer Recruitingveranstaltung  |  © John Moore/Getty Images

Sein letztes Vorstellungsgespräch habe er vergeigt, sagt Christian Meier. "Ich war einfach schlecht vorbereitet." Meier, der bei einem Forschungsinstitut arbeitet, erwägt den nächsten Karriereschritt – raus aus der Forschung, rein in die Wirtschaft. Eher zufällig wurde er auf eine offene Stelle in einem Softwareunternehmen aufmerksam. Um seinen Marktwert zu testen, bewarb sich der 35-Jährige und wurde prompt zum Vorstellungsgespräch geladen. "Der erste Teil lief noch ganz gut. Der Personalchef und der Abteilungsleiter haben locker über die Firma gesprochen, ich über meinen Werdegang", sagt Meier. "Ich konnte auch gut begründen, warum mir die Stelle attraktiv erschien. Aber dann kam ich ins Schlingern." Denn Meier hatte sich so gut wie keine Gedanken über inhaltliche Fragen gemacht. Was gefällt Ihnen an unserer Software? Wie fanden Sie das letzte Update? Was würden Sie anders machen? Christian Meier improvisierte und ärgerte sich über seine mangelnde Vorbereitung.

Wie ihm geht es vielen Bewerbern in Vorstellungsgesprächen. Dabei ist eine gründliche Vorbereitung sehr wichtig. "Die Gespräche haben ein gängiges Schema. Wer richtig punkten will, kennt den Aufbau und ist auf alle Aspekte vorbereitet", sagt die Karriere-Expertin Simone Janson. Fast jedes Vorstellungsgespräch beginnt mit einem kleinen Smalltalk, danach berichten die Unternehmensvertreter meist über die Firma und die Arbeit, die den neuen Mitarbeiter erwartet, schließlich werden Fragen an den Bewerber und zu seiner Motivation gestellt. Der potentielle Arbeitgeber will wissen: Wie tickt der Bewerber, wie gut hat er sich mit dem Unternehmen auseinandergesetzt, und passt er ins Team? Ganz zum Schluss geht es häufig bereits um die Vertragsmodalitäten. Allerdings, betont Janson, ginge es in den Gesprächen in erster Linie um eine Kontaktanbahnung. "Ganz egal, ob Sie sich selbst beworben haben, einen Headhunter beauftragt oder ein Angebot erhalten haben – das Bewerbungsgespräch ist immer eine Chance, sein Netzwerk zu vergrößern, auch wenn nicht sofort ein neuer Job zustande kommt."

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Viele Bewerber empfinden ein Vorstellungsgespräch jedoch als unangenehme Herausforderung . Dabei können solche Gespräche auch Spaß machen, sagt Janson. Nämlich dann, wenn der Kandidat selbstsicher ist, seine Stärken und Schwächen kennt und genau weiß, was er will. "Ich halte wenig davon, wenn man sich ungezielt auf irgendeinen Job bewirbt", sagt die Karriereexpertin. Erfolgreich sei, wer sich vorher genau überlegt hat, warum er sich für eine bestimmte Stelle bewirbt. Welche Perspektiven bietet der Job, welche das Unternehmen? Das Vorstellungsgespräch dient beiden Seiten, um herauszufinden, ob Bewerber und Unternehmen zueinander passen. Manchmal entpuppt sich die vermeintliche Wunschfirma schon beim ersten Kontakt als falsche Wahl.

Diese Erfahrung hat Isabell Brückner gemacht. Die 34-Jährige wollte nach ihrem Volontariat und einigen Jahren als Beraterin in einer PR-Agentur den Sprung in die Kommunikationsabteilung einer Fluggesellschaft schaffen. Sie wurde auch prompt zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Gründlich bereitete sich die Medienwissenschaftlerin auf das Interview vor, studierte die Firmengeschichte und Imagebroschüren der Airline, lernte die Namen der Geschäftsführer und Vorstände auswendig.

Brückner verwendete so viel Energie und Zeit auf die Vorbereitung, dass sie gar nicht bemerkte, dass ihr das Unternehmen gar nicht anbot, die Reisekosten und sonstigen Auslagen zu übernehmen. Auch, dass der Termin für das Bewerbungsgespräch zweimal kurzfristig verschoben wurde, fiel ihr zunächst nicht negativ auf. Als das Interview dann endlich stattfand, war der Leiter der Presseabteilung – und somit ihr möglicher künftiger Chef – gar nicht anwesend. Leider kurzfristig verhindert, hieß es. Stattdessen führte ein Personaler das Interview, der unumwunden zugab, die Bewerbungsunterlagen kaum studiert zu haben.

Auch sonst stimmte die Vorstellung vom Traumjob beim Wunschunternehmen kaum mit der Realität überein. "Der Personaler bot mir nicht mal ein Glas Wasser an und führte das Gespräch lustlos und knapp. Viele meiner Fragen konnte er nicht beantworten. Nach nicht mal einer halben Stunde waren wir fertig", erzählt die PR-Mitarbeiterin. Das Interview ließ sie ratlos zurück, schließlich sagte die 34-Jährige von sich aus ab.

Leserkommentare
    • Keiner
    • 15. April 2011 7:53 Uhr
    1. mmh...

    Wenn ein Unternehmen im Vorstellungsgespräch als gut empfunden wird, heißt das nicht, dass die Arbeit bei dem Unternehmen gut ist. Ich habe das selbst erlebt.

    Und die Außendarstellung in sozialen Medien: das ist Marketing. Daraus etwas abzuleiten, erinnert eher an Waschmittelwerbung. Da wird die Wäsche auch immer sauberer und das schon seit Jahren.

    Die Fluktuation in einer Firma wäre interessant und auch ein paar Gründe dafür.

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    Da kann ich nur zustimmen. Mir ging es ähnlich. Stellenbeschreibung klang gut, Vorstellungsgespräch lief super, sehr angenehme Gesprächsatmosphäre mit zwei der zukünftigen Vorgesetzten.
    Und dann kam bald das böse Erwachen: Von den Versprechungen wurde -außer des Gehalts- nichts bzw. wenig gehalten. Aus diesem Grund musste das Unternehmen nach fünf Monaten auf mich verzichten.

  1. Absolut ! Was viel wichtiger, als die Namen der Vorstände auswendig zu lernen(???!!!), einfach ins Internet gehen, sehen ob es ein Jobvoting der Firma gibt.Hätte ich das getan, hätte ich mir eine Menge Ärger erspart !

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  2. "Vorstellungsgespräche erweitern den Horizont – auch wenn es nicht so läuft wie erhofft"

    Das kommt ganz darauf an, ob es im Vorstellungsgespräch wirklich um Sachthemen geht, die mit der Stelle und den Tätigkeiten zu tun hat oder ob Sie ein charakterlich verkommener Personaler mit Fangfragen und Psychospielchen terrorisiert.

    Im ersten Fall ist ein Vorstellungsgespräch wirklich interessant. Im zweiten Fall sollten Sie dieses Unternehmen meiden. Ein Vorstellungsgespräch ist auch eine Visitenkarte des Unternehmens.

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  3. "Personaler merken, wenn Kandidaten nicht die Wahrheit sagen. Darum ist es wichtig, konkludent zu sein"

    Ich habe in meinem, zugegeben kurzen, Berufsleben so viele Mitarbeiter kennengelernt die durch blenden und Lügen an ihren Job gekommen sind, daß ich diesen Satz so nicht unterschrieben wollen würde.

    Beliebt sind die Kollegen, welche vorspielen, daß sie sich ohne viel Beschäftigung und Druck langweilen und nach Einstellung Tage im Chat verbringen, statt zu arbeiten.

    Ich hatte auch mal einen Vorgesetzten der eingestellt worden war, weil er eine hohe Sozialkompetenz hatte und immer ein offenes Ohr für Mitarbeiter. Bestand Klärungsbedarf oder Verbesserungsvorschläge schrie er für gewöhnlich die Mitarbeiter an. Schlußendlich mußte der Mann entfernt werden.

    Unsere jetzige Personaltante...äh chefin glaubt jeden Sch.. solander der gedruckt oder auf Papier vorhanden ist.

    Ergo: Lügt man richtig, also man glaubt was man erzählt und das was man erzählt löst keine Wiedersprüche mit dem was dokumentierbar ist aus, kann man als Lügenbaron weit kommen.

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  4. Da kann ich nur zustimmen. Mir ging es ähnlich. Stellenbeschreibung klang gut, Vorstellungsgespräch lief super, sehr angenehme Gesprächsatmosphäre mit zwei der zukünftigen Vorgesetzten.
    Und dann kam bald das böse Erwachen: Von den Versprechungen wurde -außer des Gehalts- nichts bzw. wenig gehalten. Aus diesem Grund musste das Unternehmen nach fünf Monaten auf mich verzichten.

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    Antwort auf "mmh..."
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    Diese Formulierung findet sich im im Fließtext gleich zweimal. "Synonyme verwenden" gehört zum Volontariat, oder nicht? Wie kommt man/frau eigentlich zur Berufsbezeichnung "Karriere-Experte (m/w)"? - Aber wat ick sagen wollte: die Menschenkenntnis eines durchschnittlichen "HRlers" ist unwesentlich höher als die einer Bratpfanne. Der Beruf ist eine deutliche Frauendomäne, offenbar aufgrund einer diffusen Vorstellung, dass 24-jährige BWL-Absolventinnen "mit Schwerpunkt Personalentwicklung" das schon irgendwie geregelt kriegen werden. "Personaler merken, wenn Kandidaten nicht die Wahrheit sagen..." Meiner Erfahrung nach "merken" die, wenn die Kaffeemaschine nicht läuft, und damit hat sich's meist.

  5. Diese Formulierung findet sich im im Fließtext gleich zweimal. "Synonyme verwenden" gehört zum Volontariat, oder nicht? Wie kommt man/frau eigentlich zur Berufsbezeichnung "Karriere-Experte (m/w)"? - Aber wat ick sagen wollte: die Menschenkenntnis eines durchschnittlichen "HRlers" ist unwesentlich höher als die einer Bratpfanne. Der Beruf ist eine deutliche Frauendomäne, offenbar aufgrund einer diffusen Vorstellung, dass 24-jährige BWL-Absolventinnen "mit Schwerpunkt Personalentwicklung" das schon irgendwie geregelt kriegen werden. "Personaler merken, wenn Kandidaten nicht die Wahrheit sagen..." Meiner Erfahrung nach "merken" die, wenn die Kaffeemaschine nicht läuft, und damit hat sich's meist.

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    Antwort auf "Zustimmung"
  6. Sagt leider rein gar nichts über das Unternehmen aus. Der kann nett oder unfreundlich sein. Bei Arbeitsantritt sieht man dann wie's wirklich ist.

    @Kommetar 4.
    Völlig richtig! Durch unglücklich agierende Personaler kann man sich zudem ganz leicht das Betriebsklima versauen. Eine hohe Fluktuation ist dann ebenso gewährleistet, wie wenn der Job an sich schlecht wäre.

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