Bewerbung : Wie sehr darf man die eigene Vita aufmotzen?

Karl-Theodor zu Guttenberg hat für seinen Lebenslauf getrickst. Der Fall zeigt: Die frisierte Vita wird entlarvt. Wie viel Selbstmarketing zulässig ist.

Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat seinen Lebenslauf etwas frisiert. Aus mehrwöchigen Studentenpraktika in Frankfurt und New York machte er mal eben "berufliche Stationen in Frankfurt und New York", aus einer einfachen Hospitanz eine Tätigkeit als "freier Journalist bei der Tageszeitung Die Welt (bis 2002)".

Kann man so machen – sollte man aber nicht. Tatsächlich raten Experten dringend davon ab, es mit der Lebenslauf-Politur derart zu übertreiben. Etwas Aufhübschen sei noch okay , "das gehöre zur normalen und auch erwarteten Selbstvermarktung in der Bewerbung ", findet zum Beispiel auch Thomas Pütz, Partner bei der Düsseldorfer Personalberatung v. Rundstedt & Partner. Wer es damit aber übertreibt, riskiert auch nachdem er schon eingestellt wurde seinen Job. Denn formal muss jeder Lebenslauf mit Ort, Datum und einer Unterschrift versehen werden. Das unterstreicht, dass die gemachten Angaben der Wahrheit entsprechen. Falsche Angaben aber können – je nach Schwere des Täuschungsversuchs – auch nach der Probezeit zur fristlosen Kündigung führen.

Bewerber sollten hier schon aus Eigeninteresse besonders sorgfältig sein, auch für den Fall, dass irgendwann mal nach einem billigen Kündigungsgrund gesucht wird, falls der Kollege in Ungnade gefallen ist.

Gewiss, die eigene Biografie zu optimieren, ist heute gängige Praxis. Das beginnt zum Beispiel schon damit, uninteressante oder vielleicht auch skurrile Hobbys wegzulassen oder eine kurze Phase der Arbeitslosigkeit als "berufliche Neuorientierung" oder gar als "Selbstständigkeit" zu verkleiden. Doch wo hören zulässige Schönfärbereien auf und wo beginnen vorsätzlicher Etikettenschwindel und dreister Betrug?

Allein 17 Prozent der Personalverantwortlichen haben innerhalb des vergangenen Jahres schon einmal eine Lüge im Lebenslauf eines Bewerbers aufgedeckt und den Kandidaten daraufhin prompt aussortiert, so das Ergebnis einer CareerBuilder-Umfrage. Andere siebten Bewerber schon aus, weil deren Lebenslauf partout nicht zur ausgeschriebenen Stelle passte (16 Prozent) oder weil der Lebenslauf eine unprofessionelle E-Mail-Adresse (zum Beispiel SexyMaus0815@mail.de) enthielt (11 Prozent).

Jochen Mai

Jochen Mai studierte Wirtschaft, arbeitete als Wirtschaftsjournalist und Social-Media-Manager. Heute ist er Berater und lebt von seinem Blog Karrierebibel.

Jede zweite Spitzenkraft fällt bei Personalverantwortlichen heute durch, weil die Bewerbungsunterlagen nicht den gängigen Standards entsprechen, hat kürzlich erst eine Untersuchung der Jobbörse Experteer und der Karriereberatung Hesse/Schrader ergeben. Unsachliche Formulierungen, uneinheitlicher Schrifttyp, verspielte Formatierungen , die Liste der Bewerbungsfehler selbst bei Führungskräften ist lang. Am häufigsten bemängeln Personaler seitenlange Lebensläufe, die nichts aussagen. "Erstaunlicherweise schaffen es gerade Führungskräfte oft nicht, die Komplexität ihrer Vita auf das Wesentliche zu reduzieren", sagt Co-Autor Jürgen Hesse. Zwei Seiten Lebenslauf seien optimal, viele Führungskräfte bringen es aber locker auf mehr als das Doppelte.

Und nicht nur das. Nicht wenige überreizen beim Formulieren und tragen zu dick auf. "Da wird dann schon mal die Lebenslauflücke wegen Arbeitslosigkeit zum 'Umbau des elterlichen Mehrfamilienhauses' umdeklariert", weiß etwa Jürgen Bühler, Geschäftsführer und Lebenslauf-Kenner bei der Personalvermittlung Alma Mater in Stuttgart. "Das merkt natürlich jeder geübte Personalleiter sofort, dass hier etwas kaschiert werden soll."

Auch wenn das 6-monatige Praktikum zur "Festanstellung" mutiert, die Reise ins europäische Nachbarland als "interkulturelle Erfahrung" beschönigt wird oder das Sichten von Bewerberunterlagen zum "Rekrutieren neuer Mitarbeiter" avanciert, sei das eben kein Kavaliersdelikt mehr, sondern schlicht eine plumpe Lüge. Und eine unnötige dazu. Oft sei die immer noch schmucke, aber realistischere Formulierung schon erreicht, wenn man eine berufliche Station durch ein "Mitarbeit bei" entschärft. "Dann klingt es auch nicht so, als habe die Gesamtverantwortung bei einem selbst gelegen", sagt Bühler.

Wie Sie völlig legal und noch im akzeptierten Rahmen Ihre berufliche Stationen in einem freundlicheren Licht erscheinen lassen können, ohne gleich dreist zu lügen und damit den ersten Schritt in eine kriminelle Karriere zu starten, zeigen die Beispiele in der Infobox. Diese sollten Sie jedoch bitte nur als Beispiele betrachten – auf keinen Fall abschreiben und in den eigenen Lebenslauf kopieren! Denn das könnte auffallen und Sie auch in diesem Fall gefährlich nah in den Ruch eines Plagiats bringen.

Erschienen in der WirtschaftsWoche

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Kommentare

14 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

"Ehrlich währt am Längsten!"

Die ganze Gestalt "Freiherr zu Guttenberg" ist voller Lug und Trug und sollte wirklich kein Vorbild für junge Menschen sein.

Ich stehe zwar nicht mehr im Berufsleben(ich bin 66 Jahre alt) - beobachte aber diese schrecklichen Entwicklungen unter unseren Politikern voller Abscheu.

Seit einiger Zeit schreibe ich autobiographische Reiseberichte über beruflich bedingte Unternehmungen, die mich um die gesamte Welt führten und auch über Reisen, die ich mit meiner zweiten Frau, Jutta Hartmann-Metzger, unternommen habe.
[...]
Aufgrund der täglichen Statistik, die mir GOOGLE übermittelt, kann ich erkennen, dass auch nach Personen recherchiert wird, die ich in meinen Berichten genannt habe. Das Gleiche gilt auch für von mir im Detail geschilderte Erlebnisse. Ich kann auch feststellen, dass meine Beiträge weltweit gelesen werden (mit bisher über 10.000 Seitenaufrufen).

Falschinformationen (auch Dokumente) von meiner Seite würden also sehr schnell aufgedeckt werden! Da ich auch plane, meine Reiseberichte in Buchform herauszugeben, ist das korrekte Verhalten umso wichtiger.

Herzliche Grüsse

Klaus Metzger
HILDESHEIM
Anm: Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass Links, die werblichen Zwecken dienen könnten, nicht veröffentlicht werden. Danke. Die Redaktion/km

Alles klar...

"Unsachliche Formulierungen" werden als Bewerbungsfehler bei Führungskräften angegeben, es wird verlangt, "'die Komplexität ihrer Vita auf das Wesentliche zu reduzieren'" [1]

Und dann findet sich zum Thema Vertriebsleitung und Zusammenarbeit mit Betriebsrat in der Infobox ellenlanges Geschwafel und unsachliche Formulierungen.
(ob der Interessensausgleich sozialverträglich war, ist vollkommen egal. Noch dazu, ob das der Betriebsrat auch wirklich so sieht. Aber es ist ein langes, wohlklingendes Wort, nicht wahr?)

Eine Zusammenarbeit muss im Übrigen noch keine Verhandlung sein. "Besser klingt" ist nicht unbedingt näher dran an der Wahrheit.

"Privater Auslandsaufenthalt in Südamerika" ist auch vollkommen ausreichend, jeder wird auch ohne die beschönigende Floskel danach wissen, was es wirklich heißt.

Und ich werde kaum Taetigkeiten, die mal so gemacht werden mussten, als "Technische und administrative Assistenz bei Tagung soundso" reinschreiben, nur weil ich Sessions betreut habe und Anmeldungen entgegengenommen habe.

Das ist lächerlich...

Manchmal frag ich mich, ob Leute, die inPersonalabteilungen sitzen, nicht auch mal arbeitslos waren oder nach dem Studium einfach mal ein Viertel- oder halbes Jahr frei gemacht haben oder doch immer zielstrebig und (auch in der Wortwahl) geschniegelt der eigenen Karriere hinterhergehechelt haben!?

[1] Jochen Mai, "Wie sehr darf man die eigene Vita aufmotzen?", Zeit Online, 2011

Anmerkung

Was heißt hier "jetzt schon"? So weit ich weiß, war Lügen im Lebenslauf noch nie besonders gern gesehen.

Zumal ja nirgends behauptet wird, dass man sich selbst nicht vorteilhaft darstellen dürfe. Selbstverständlich ist das erlaubt - aber eben nur bis zu einem gewissen Grad. Dazu zählt zum Beispiel das im Artikel angesprochene Weglassen skurriler Hobbies.
Die bewusste Verdrehung von Tatsachen war und ist dagegen schon immer Betrug und sollte nicht relativiert werden.

P.S.: Ich könnte Ihnen viele Bewerber zeigen, die ihre Vita nicht aufhübschen (mich, meine Brüder, einige meiner Kommilitonen). Vielleicht kennen Sie einfach die falschen Leute (oder sprechen Sie etwa weniger aus Erfahrung, als es den Anschein hat)? Ehrliche und aufrichtige Menschen als "Gutmenschen" zu titulieren, halte ich für einen Verteidigungsmechanismus...

@4 Vorteilhaft?

Ich lebe gern in einem Land mit guten Menschen oder solchen, die sich bessern wollen.
Aufgemotzte Vitae kommen mir häufiger unter, als Personalvertretung interviewe ich mögliche Neueinstellungen und kann ggf. intervenieren.
Da wird aus einem Tischtenniskurs schnell eine interaktive Jugendarbeit im sozialen Brennpunkt unter besonderer Berücksichtigung team- und partnersportlicher Erfahrungen.
Solche Bewerber reagieren besonders unangenehm auf kritische Nachfragen im Bewerbungsgespräch, sind nicht in der Lage, konstruktiv zu reflektieren - im pädagogischen Bereich unerlässlich - und werden garstig, wenn sie abgelehnt werden.
Wir nehmen dann den oder die mit dem Tischtenniskurs.