ZEIT ONLINE: Herr Löw, Sie helfen Unternehmen dabei, Betrüger unter ihren Bewerbern ausfindig zu machen. Reicht dafür die Menschenkenntnis nicht aus?

Marco Löw: Um Himmels Willen, nein. Menschenkenntnis ist doch nichts weiter als die Widerspiegelung der eigenen Erfahrung. Eine Frau beispielsweise, die mit zwei Männern auf die Nase gefallen ist, hat ein anderes Männerbild als eine, der so etwas nicht passiert ist. Genauso ist das auch mit Personalentscheidern: Skeptisch sind nur die, die einmal einem Betrug aufgesessen sind.

ZEIT ONLINE: Was also bringen Sie Personalern in Ihren Seminaren bei?

Löw: Betrüger, die einem Unternehmen großen Schaden zufügen können, möglichst früh herauszufiltern. Untersuchungen zeigen, dass Mitarbeiter, die schon in ihrer Bewerbung lügen, mit  70-prozentiger Wahrscheinlichkeit später auch in Fälle von Mitarbeiterkriminalität verstrickt sind.

ZEIT ONLINE: Aber ist denn schon ein Betrüger, wer im Lebenslauf mal "Traineeship" schreibt statt "Praktikum"?

Löw: Ich bewege mich eher in dem Bereich, der strafrechtlich relevant wird – wie die Fälschung von Zeugnissen. Um Beschönigungen wie "Traineeship" statt "Praktikum" geht es mir gar nicht.

ZEIT ONLINE: Wie erkennen Sie denn in einer schriftlichen Bewerbung einen Lügner ?

Löw: Man muss auf Kleinigkeiten achten. Tauchen zum Beispiel in einem Zeugnis, das angeblich vor der Rechtschreibreform ausgestellt wurde, neue Schreibweisen auf? Werden in einem älteren Dokument fünfstellige Postleitzahlen angegeben? Das können Anzeichen für eine Fälschung sein. Jeder Mensch hat sprachliche Vorlieben. Wenn dasselbe Fremdwort in mehreren Zeugnissen vorkommt, die angeblich von unterschiedlichen Personalern stammen, wäre ich skeptisch. Manche neigen auch zu Schachtelsätzen; das findet sich dann auch an mehreren Stellen wieder.

ZEIT ONLINE: Betrugsprofis passieren solche Fehler bestimmt nicht.

Löw: Dann muss man sie eben im persönlichen Gespräch erwischen.

ZEIT ONLINE: Das Vorstellungsgespräch wird also zum Verhör ?

Löw: Sie dürfen sich jetzt keine Schimanski-Szenerie vorstellen mit einem dunklen Raum, in dem der Bewerber von einer Neonlampe angestrahlt wird.

ZEIT ONLINE: Sondern?

Löw:Ein ganz normales Bewerbungsgespräch – nur dass der Personaler eben mit Tricks der taktischen Vernehmungsführung vertraut ist und weiß, woran man Lügen erkennt. Welche Farbe hat Ihr Auto?

ZEIT ONLINE: Silber.

Löw: Groß? Klein?