Empfehlungsschreiben : Die Karriereleiter hinaufgelobt

Im englischsprachigen Raum ist eine Bewerbung ohne Referenzen undenkbar. Auch hierzulande wird das Empfehlungsschreiben oft verlangt. Wir zeigen, worauf es ankommt.

"Bitte senden Sie uns Ihre Unterlagen unter Angabe Ihrer Referenzen zu", schloss die vielversprechende Stellenanzeige. Referenzen? "Anschreiben, Lebenslauf, Foto und Zeugnisse – alles hatte ich bereits beisammen, aber an Empfehlungsschreiben hatte ich noch nie gedacht", erzählt Jana Müller, Hochschulabsolventin auf Jobsuche. Wie ihr geht es vielen. Nur etwa zehn Prozent aller Bewerber geben hierzulande Referenzen an, sagt der Personalberater Claus Peter Müller-Thurau. Er beobachtet jedoch, dass Unternehmen immer häufiger nach Referenzen fragen.

Das liegt vor allem daran, dass sich der Arbeitsmarkt globalisiert. "Bei internationalen Unternehmen, in Amerika und vielen südeuropäischen Ländern ist die Angabe von Referenzen Usus", sagt Personalvermittlerin Diane Vermunicht. Sie arbeitet für eine amerikanische Firma, die in Deutschland nach Maschinenbauingenieuren sucht. Kandidaten ohne Referenzen werden nicht gern gesehen. Allerdings kommt es auf die richtigen Fürsprecher an.

Pluspunkte per Empfehlungsschreiben

"Es gibt nützliche, wertlose und sogar schädliche Referenzen", sagt Personalberater Müller-Thurau. Entscheidend sind die Reputation des Befürworters und seine Beziehung zum Kandidaten. "Personalern graut es vor Gefälligkeitsgutachten", sagt der Berater. Verwandte, Freunde und Bekannte sind als Referenzgeber deshalb praktisch wertlos. "Selbst wenn die persönliche Verbindung nicht offenkundig ist: Ein Anruf und ein bisschen Recherche entlarven schnell, wie der Referenzgeber tatsächlich zum Bewerber steht", sagt Müller-Thurau.

Misstrauisch stehen Recruiter auch Online-Referenzen aus sozialen Netzwerken gegenüber. Zwar kann man inzwischen bei Xing oder LinkedIn Referenzen einstellen, doch sollten Bewerber sich davon nicht allzu viel versprechen: "Das läuft nach dem Motto: Lobst du mich, lobe ich dich. Auch das ist nahezu bedeutungslos", sagt der Berater.

Als Referenzgeber taugt, wer sich wirklich fundiert zu Person und Arbeitsweise äußern kann. Das sind all diejenigen, die mindestens eine Hierarchiestufe über dem zu Lobenden stehen, mit ihm gearbeitet, ihn geführt, angeleitet oder ausgebildet haben. Für Berufseinsteiger kann das ein Praktikumsbetreuer sein, ein Ausbildungsleiter oder ein ehemaliger Lehrer. Für alle anderen eher der Mentor, Vorgesetzte oder Chef. Der Referenzgeber muss aber nicht notwendigerweise aus dem beruflichen Umfeld stammen. Engagiert sich jemand sozial und übt ein Ehrenamt aus, oder trainiert er – wie Hobby-Handballerin Jana Müller – eine Jugendmannschaft im örtlichen Sportverein, kann auch der Einsatzleiter oder jemand aus dem Vereinsvorstand Zeugnis über die Fähigkeiten des Bewerbers ablegen.

Berufseinsteiger profitieren in diesem Fall von den Referenzen sogar erheblich, sagt Personalvermittlerin Vermunicht. "Ihr Werdegang verrät ja noch nicht viel über die Person. Es gibt nur wenige Zeugnisse, der Lebenslauf ist recht kurz. Referenzschreiben fallen uns Recruitern da zunächst einmal ins Auge", sagt sie.

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Kommentare

23 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Mentor unbekannt

Meine ertse Arbeitsuche vor nunmehr 25 Jahren:
Mein damaliger Professor sagte mir, ich dürfe ihn als Referenz bei meinem potentiellen zukünftigen Arbeitgeber angeben. Habe ich dann auch getan.
Im Vorstellungsgespräch dann die Frage: "Aber wer ist Professor 'XY'?"
Die Situation war danach verfahren und peinlich: Ungläubige Blicke, Kopfschütteln, viele Erklärungen etc.
Habe die Arbeitsstelle dann auch nicht bekommen.
Das war ein Bärendienst!

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glaube es aber nicht so ganz, denn in D-land wird doch kaum telefoniert. Wäre schön wenn es so wäre, aber allein wenn es um Refernezen aus dem anglophonen Raum geht, gehen bei den meisten Personalern (trotz der im Lebenslauf postulierten verhandlungssicheren) die Englishkentnisse doch schon in die Knie.

Würde auch den ganzen Bewerbungsschmus in D-land vereinfachen, Anschreiben, Lebenslauf das ist es dann.
Bloss da würde eine ganze Branche zusammenbrechen und man könnte sich die ganzen Verklausulierungen sparen.

Das Bewerbungsverfahren in Deutschland

Gekünstelt, verklausuliert, unehrlich, standardisiert. Ich frage mich wirklich, wieso Personaler in Deutschland derart auf ein verlogenes Bewerbungsverfahren stehen, immer mit den gleichen, dämlichen Fragen kommen (Welche Schwächen haben Sie?), deren Antwort man inzwischen in jedem Bewerbungsratgeber nachlesen kann. Geht es denen wirklich nur darum, wie gut ich einen Bewerbungsratgeber auswendig gelernt habe oder um meine Kompetenz, Ausstrahlung, Intuition?

Ich habe schon sehr gute Bewerbungsgespräche erlebt, wo ein echter Dialog entstand, der abwich von all dem standadisierten Gemähre, was einem so wiederfahren kann. Jobs, die ich dann auch bekam, bzw. hätte bekommen können, wenn ich wechselwillig gewesen wäre. Aber ich habe auch schon so dermaßen grottenlangweilige Bewerbungsverfahren mitgemacht, wo mir die Lust schon beim Verfahren vergangen ist, bei diesem Arbeitgeber anzufangen. Manchmal gewinnt man den Eindruck, Personaler verstecken sich gerne hinter diesen ganzen Prozessen, damit sie hinterher sagen können, sie hätten nichts falsch gemacht, sondern der Bewerber hat halt offensichtlich foul gespielt. Tja, wären sie halt mal einen Umweg gemacht, statt nach Schema F vorzugehen. Man hätte es vielleicht erkennen können.

Referenznen gehen aus meiner Sicht übrigens in die gleiche Richtung. Aber egal, ein Punkt mehr, hinter den man sich verstecken kann, weil man irgendwo mal gelesen hat, dass Referenzen der neuste Schrei im verklausulierten Bewerbungsverfahren sind.

Legal?

"Ein Anruf und ein bisschen Recherche entlarven schnell, wie der Referenzgeber tatsächlich zum Bewerber steht", sagt Müller-Thurau."

Ist es aus Datenschutzrechtlichen Gründen nicht so, daß sich der ehemalige Chef (bwz. Referenzgeber) nur wohlwollend und in dessen Interesse über den entlassenen Arbeitnehmer äußern darf? Dann wäre dieses Nachbohren ja schon an der Grenze zur Legalität. Scheint Müller-Thurau egal zu sein.