Allerdings macht zu viel Lob verdächtig – und sollte auch im eigenen Interesse des Fürsprechers nicht leichtfertig vergeudet werden. Stellt sich nämlich heraus, dass der Kandidat nicht hält, was über ihn versprochen wurde, fällt das negativ auf den Referenzgeber zurück. So schadet man seiner Reputation, warnt Müller-Thurau. 

Der gute Ruf zählt – das gilt übrigens auch für die Auswahl der Fürsprecher. Die Referenzgeber sollten einen seriösen, integren Ruf haben. "Es liegt auf der Hand, dass die Fürsprache eines ehemaligen Verteidigungsministers, der als Plagiator aufgeflogen ist, trotz eines klangvollen Namens wenig wert ist", macht Müller-Thurau deutlich. Dann doch lieber eine Spur bescheidener, dafür aber gehaltvoller. Absolventin Jana Müller beispielsweise hat sich eine Referenz von ihrem Professor ausstellen lassen. Er kennt die Absolventin gut, denn er hat ihre Masterarbeit betreut. Ihn kann die junge Akademikerin guten Gewissens als Fürsprecher angeben.

Auch Freelancer können von Referenzen profitieren. Manche Freiberufler geben die Stimmen zufriedener Kunden auf ihren Webseiten an. Das hilft bei der Akquise. Und natürlich braucht es die Referenzen, will man ins Management aufrücken. Susmit Banerjee beispielsweise führt seinen Karriereschritt auf die Empfehlungen von Kollegen aus dem eigenen Haus zurück. Der Betriebswirt arbeitet bei einem großen Ölkonzern in Den Haag und ist dort zum Senior Communications Advisor aufgestiegen. Manager aus anderen Abteilungen, zum Teil in wichtigen Führungspositionen, hatten seinen Aufstieg befürwortet. Gerade im Ausland seien Empfehlungen wichtiger als die deutschen Arbeitszeugnisse, hat der 34-Jährige beobachtet. Seiner Erfahrung nach werden die komplizierten Formulierungen, die in deutschen Zeugnissen gängig sind, ohnehin kaum verstanden – erst recht nicht in englischer Übersetzung.

Doch es muss nicht immer schriftlich sein. Direkt, diskret und elegant sind Empfehlungen per Telefon. Voraussetzung ist jedoch, dass der Bewerber seinen Fürsprecher vorab über den möglichen Anruf vom Personaler informiert. Ohne Einverständnis darf er sich sonst aus Datenschutzgründen nicht über den Bewerber äußern. Außerdem wird es peinlich, wenn der Angerufene nicht auf Anhieb wisse, wer der zu Lobende überhaupt ist.

Referenzen als Kontakt in Anschreiben oder Lebenslauf angeben

Personalvermittlerin Diane Vermunicht schätzt das kurze Telefonat mit den Referenzgebern: "Man kann zwischen den Zeilen vieles heraushören und wichtige Angaben aus dem Werdegang des Bewerbers schnell und einfach überprüfen."

Und wie bringt man eine Empfehlung in der Bewerbung unter? Den Fürsprecher kann man schlicht als Kontakt angeben: Am Schluss des Anschreibens oder als Extrapunkt im Lebenslauf ist dann der Name mit Titel und aktueller Funktion sowie seinen Kontaktdaten zu erwähnen. Denkbar ist auch, dass jemand sich schriftlich über seinen Protegé äußert. Jana Müller hat inzwischen zwei Referenzgeber gefunden. Jetzt fehlt nur noch der passende Job.