EmpfehlungsschreibenDie Karriereleiter hinaufgelobt

Im englischsprachigen Raum ist eine Bewerbung ohne Referenzen undenkbar. Auch hierzulande wird das Empfehlungsschreiben oft verlangt. Wir zeigen, worauf es ankommt. von Andrea Frey

"Bitte senden Sie uns Ihre Unterlagen unter Angabe Ihrer Referenzen zu", schloss die vielversprechende Stellenanzeige. Referenzen? "Anschreiben, Lebenslauf, Foto und Zeugnisse – alles hatte ich bereits beisammen, aber an Empfehlungsschreiben hatte ich noch nie gedacht", erzählt Jana Müller, Hochschulabsolventin auf Jobsuche. Wie ihr geht es vielen. Nur etwa zehn Prozent aller Bewerber geben hierzulande Referenzen an, sagt der Personalberater Claus Peter Müller-Thurau. Er beobachtet jedoch, dass Unternehmen immer häufiger nach Referenzen fragen.

Das liegt vor allem daran, dass sich der Arbeitsmarkt globalisiert. "Bei internationalen Unternehmen, in Amerika und vielen südeuropäischen Ländern ist die Angabe von Referenzen Usus", sagt Personalvermittlerin Diane Vermunicht. Sie arbeitet für eine amerikanische Firma, die in Deutschland nach Maschinenbauingenieuren sucht. Kandidaten ohne Referenzen werden nicht gern gesehen. Allerdings kommt es auf die richtigen Fürsprecher an.

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Pluspunkte per Empfehlungsschreiben

"Es gibt nützliche, wertlose und sogar schädliche Referenzen", sagt Personalberater Müller-Thurau. Entscheidend sind die Reputation des Befürworters und seine Beziehung zum Kandidaten. "Personalern graut es vor Gefälligkeitsgutachten", sagt der Berater. Verwandte, Freunde und Bekannte sind als Referenzgeber deshalb praktisch wertlos. "Selbst wenn die persönliche Verbindung nicht offenkundig ist: Ein Anruf und ein bisschen Recherche entlarven schnell, wie der Referenzgeber tatsächlich zum Bewerber steht", sagt Müller-Thurau.

Das gehört ins Referenzschreiben

Anders als ein Arbeitszeugnis wird die Referenz in der Ich-Form verfasst. Es sollte die Fachkenntnisse und Fähigkeiten des Gelobten ebenso beschreiben wie seine Persönlichkeit. Das könnte so klingen: "Ich habe Frau Müller als kommunikationsstarke und strukturiert arbeitende Persönlichkeit kennengelernt."

Vor Floskeln oder allzu großer Lobhudelei ist jedoch abzusehen. Einerseits soll das Empfehlungsschreiben den Kandidaten und seine Kompetenzen ganz individuell beschreiben, andererseits machen allzu viele Superlative eher verdächtig. Drei positive Eigenschaften hervorzuheben, reicht aus. 

Am Schluss des Schreibens sollte eine ausdrückliche Empfehlung stehen, dass und warum der Referenzgeber den Gepriesenen für den anvisierten Posten für geeignet hält. Länger als eine DinA4-Seite muss das Lob nicht ausfallen, denn Personaler legen – wie in allen Bewerbungsunterlagen, so auch hier – Wert darauf, dass die Inhalte kurz und prägnant wiedergegeben werden.

Misstrauisch stehen Recruiter auch Online-Referenzen aus sozialen Netzwerken gegenüber. Zwar kann man inzwischen bei Xing oder LinkedIn Referenzen einstellen, doch sollten Bewerber sich davon nicht allzu viel versprechen: "Das läuft nach dem Motto: Lobst du mich, lobe ich dich. Auch das ist nahezu bedeutungslos", sagt der Berater.

Als Referenzgeber taugt, wer sich wirklich fundiert zu Person und Arbeitsweise äußern kann. Das sind all diejenigen, die mindestens eine Hierarchiestufe über dem zu Lobenden stehen, mit ihm gearbeitet, ihn geführt, angeleitet oder ausgebildet haben. Für Berufseinsteiger kann das ein Praktikumsbetreuer sein, ein Ausbildungsleiter oder ein ehemaliger Lehrer. Für alle anderen eher der Mentor, Vorgesetzte oder Chef. Der Referenzgeber muss aber nicht notwendigerweise aus dem beruflichen Umfeld stammen. Engagiert sich jemand sozial und übt ein Ehrenamt aus, oder trainiert er – wie Hobby-Handballerin Jana Müller – eine Jugendmannschaft im örtlichen Sportverein, kann auch der Einsatzleiter oder jemand aus dem Vereinsvorstand Zeugnis über die Fähigkeiten des Bewerbers ablegen.

Berufseinsteiger profitieren in diesem Fall von den Referenzen sogar erheblich, sagt Personalvermittlerin Vermunicht. "Ihr Werdegang verrät ja noch nicht viel über die Person. Es gibt nur wenige Zeugnisse, der Lebenslauf ist recht kurz. Referenzschreiben fallen uns Recruitern da zunächst einmal ins Auge", sagt sie.

Leserkommentare
  1. "Gegen eine gute Vernetzung ist nichts einzuwenden. Vernetzung wird heutzutage immer wichtiger. Viele Jobs werden heute über Vernetzung vergeben und das finde ich nicht einmal schlecht."

    Beispiel: Griechenland. Wie das endet, wissen wir.

    3 Leserempfehlungen
  2. Jeder kennt doch jemanden, der jemanden kennt, oder?

    Natürlich kennt jede(r) irgendwelche Leute, doch das ist nicht relevant. Es geht um Leute aus dem gleichen beruflichen Feld und die sind dann eben meistens Konkurrenten. Es bleibt der ehemalige Arbeitgeber, doch der hat sich ja bereits im Zeugnis geäussert.

  3. Sie glauben doch nicht im Ernst, dass jemand
    das Referenzschreiben eines Vereinsvorstandes
    im Berufsleben ernst nimmt?

    Vielleicht noch der Gartenbauverein oder der Rauchclub

  4. konträren Kommentar... finde ich mutig und sehr gut!

  5. Liebe Kommentatoren vielen Dank für Eure Berichte aus dem wahren Leben, diese Informationen sind hilfreich!
    Ich erlebe in meinem Umfeld die Auswahl der Mitarbeiter nach zwei Konzepten - Beziehungsnetzwerk und Uniformität. Ersteres beruht auf Referenz des Einstellers, letzteres auf Angst den falschen einzustellen d.h. hier wird i.d.R. ein beim Einsteller bewährtes Profil als Referenz herangezogen oder im Assessment überprüft. Beides ist für das Unternehmen Vor- und Nachteilig. Die Krux ist, dass eine Bewertung in 120min nicht möglich ist und ein Stellenwechsel als Makel in D gilt. Mein Tipp den Lebenslauf konsequent planen und die Prämissen früh festlegen, flexibel auf die Wünsche des Vorgesetzten eingehen, nie Jobangebote in der Firma ablehnen und gut Netzwerken. Beim Wechsel darauf setzen, dass der neue Arbeitgeber sowieso nicht alles genau einschätzen kann. Die beste Referenz gibt immer noch jeder selbst von sich ab und eine dazu konsistente Bewerungsmappe.

  6. Mein erster Gedanke war. O Gott, jetzt braucht man in Deutschland auch ein Empfehlungsschreiben in seiner Bewerbungsmappe. (Natürlich ist es noch nicht Standard)
    Mein zweiter Gedanke war: Wenn soll lch ich jetzt bitten, mir meine Referenzen zu bescheinigen, auch noch in Fließtext. Ich meine in Form von Noten-Verteilen wäre es ja einfacher.
    Geduldig c
    Fleißig B und so weiter.
    Egal, aber ehrlich gesagt habe ich bis jetzt noch keinen Gedanklich gefunden.

    Jedenfalls persönlich hoffe ich, dass sich das nicht durchsetzt. Wahrscheinlich aus Angst,
    nämlich das irgendeiner auf Grund eines guten Leumunds bevorzugt wird und diesen dafür wie auch immer besser dargestellt wird als er/sie ist und daher den Job bekommt den ein anderer daher nicht bekommt.

    Anderseits ist es aber für Leute gut, so hoffe ich jedenfalls, die selber sich nicht so gut verkaufen können beim Verkaufsgespräch und dadurch doch noch eine Chance bekommen, die sie ansonsten nicht bekommen würden.

  7. Also ich seh das Ganze als etwas an, was den Bewerbungs-/Auswahlprozess unnötig aufbläht und erschwert. Im Grunde genommen wird doch bei dem ganzen Bewerbungsverfahren irgendwie was aufgebläht. Allein schon durch Bewerbungstrainings lernt ein Bewerber sich in ein besseres Licht zu stellen und simpel gesagt, Dinge zu vermeiden, die ihn unnötig benachteiligen würden. Er ist einem Bewerber gegenüber im Vorteil, der kein Bewerbungstrainig gemacht hat obwohl er ihm vielleicht von den Qualifikationen ebenbürtig oder gar unterlegen ist. Was hat man nun eigentlich von dieser Tatsache? Und was sollen Referenzschreiben helfen? Es kommt auf viele Dinge wie Umfeld, Aufgabengebiet, Kollegen etc. wie man von anderen gesehen wird. Ich z. B. habe mal durch eine hervorragende Leistung in einem halben Jahr bei Siemens ein hervorragendes Referenzschreiben bekommen. Mit der gleichen Arbeitsweise bin ich in einem anderen Unternehmen total schlecht weggekommen. Dort galt meine Arbeitsweise als viel zu komplex, da es doch viele Kollegen gab, die sich auf die grundlegende erledigung von Aufgaben konzentrierten und eher wenig auf Qualität und Genauigkeit bedacht waren. Würde mir dieses Unternehmen ein Referenzschreiben ausstellen, so würde ich wahrscheinlich sehr schlecht aussehen.

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  • Schlagworte Anschreiben | Arbeitszeugnis | Ehrenamt | Lebenslauf | Stellenanzeige | USA
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