Sie haben kürzlich die Frage, wann eine Stellenanzeige diskriminierend ist , beantwortet. Muss ich auch bei Bewerbungsabsagen auf etwas achten?, fragt Michael Kaiser.

Sehr geehrter Herr Kaiser,

nicht nur Stellenanzeigen, sondern auch Bewerbungsabsagen bergen das Risiko einer Diskriminierungsklage. Daher sollten Sie Bewerbungsabsagen generell nicht begründen . Schweigen ist sozusagen Gold bei der Ablehnung von Bewerbungen.

Eine Ausnahme gibt es allerdings, die Sie beachten müssen. Sagen Sie einem schwerbehinderten Bewerber ab, sind Sie als Arbeitgeber ( nach § 81 Absatz 1 SGB IX ) verpflichtet, Ihre Absage zu begründen. Hier sollten Sie Ihre Gründe jedoch kurz und präzise formulieren.

Denn auf gar keinen Fall darf die Absage den Schluss zulassen, dass die Behinderung ein Grund für Ihre Ablehnung ist. 

Wenn ein öffentlicher Arbeitgeber einem schwerbehinderten Stellenbewerber absagt, ohne dass er gemäß § 82 S. 2 SGB IX das geforderte Vorstellungsgespräch geführt hat, liegt zunächst ein Indiz nach § 22 AGG vor. Denn dies lässt eine Benachteiligung wegen der Schwerbehinderung vermuten, urteilte das Arbeitsgericht Hamburg in einer aktuellen Entscheidung.

Möchten Sie auf Nummer sicher gehen, sollten Sie die Absage per Einschreiben mit Rückschein verschicken. So können Sie bei eventuellen Streitigkeiten den Zustelltermin belegen. Meist schicken Unternehmen mit der Absage auch die Bewerbungsunterlagen zurück. Hier würde ich Ihnen raten, eine Kopie der Unterlagen anzufertigen. Ich weiß, dass das ein sehr hoher Verwaltungsaufwand ist. Aber abgelehnte Bewerber können bis zu zwei Monate nach Zugang des Absageschreibens eine Diskriminierung geltend machen und eine Schadenersatzklage einreichen. Und bei einer Flut von Bewerbungsunterlagen und -absagen ist es nach einigen Wochen meist schwer, sich an eine bestimmte Absage zu erinnern.

Ihr Ulf Weigelt