PersonalmanagementSo erkennt man ungeeignete Bewerber

Jobinterviews zu führen, haben viele Personaler nicht gelernt. Dabei hat es Folgen, wenn man den falschen Bewerber einstellt. Ulrich Jordan zeigt die häufigsten Fehler. von Claudia Tödtmann

Vor der Einstellung steht das Bewerbungsgespräch

Vor der Einstellung steht das Bewerbungsgespräch  |  © John Moore/Getty Images

Schwammiges Profil

Wenn Sie nicht genau wissen, wen Sie suchen, wird es schwer. Die Ausbildung, das Studium oder 5 Jahre Erfahrung sagen gar nichts. Welche Herausforderungen muss die Kandidatin schon bewältigt haben, wie geht sie an Probleme heran, welche Werte hat sie und wie arbeitet sie mit Chefs und Kollegen zusammen? Also wen genau suchen Sie? Das sollten Sie wissen, bevor Sie anfangen zu suchen.

Zu frühe Entscheidung

Studien zeigen, dass für fast alle ungeübten Interviewer der erste Eindruck entscheidet. Kleidung, Körpersprache, Händedruck sind nicht unwichtig. Aber man muss offen lassen, ob sich der erste Eindruck bestätigt oder nicht. Sonst wird das ganze Interview eine selbsterfüllende Prophezeiung – ich mag den Kandidaten, dann bin ich freundlich und stelle angenehme Fragen. Ich mag ihn nicht und es wird schwierig.

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Zu viel reden

Im Interview wollen Führungskräfte etwas vom Kandidaten erfahren. Und dazu müssen sie zuhören. Tun sie aber häufig nicht. Dann reden sie zu viel und erfahren kaum etwas. Die goldene Regel: Zu 80 Prozent spricht der Kandidat, zu 20 Prozent die Führungskraft.

Ulrich Jordan

Ulrich Jordan ist Inhaber der Jordan Consulting Gruppe in Dortmund. Sein Buch Das erfolgreiche Einstellungs-Interview – Potenziale für morgen sicher erkennen und gewinnen ist im Gabler Verlag erschienen.

Keine klare Struktur

Die meisten Personalverantwortlichen haben nie gelernt, wie man erfolgreiche Einstellungs-Interviews führt. Deshalb haben sie keinen klaren Fahrplan, welche Fragen sie stellen wollen, sondern lassen sich von ihrem Gegenüber leiten. Wenn am Ende die Entscheidung getroffen wird, wer eingestellt werden soll, müssen Kandidaten und ihre Fähigkeiten verglichen werden. Und das geht nur, wenn alle die selben Fragen beantwortet haben.

Alles glauben

Kandidaten bereiten sich heute gut auf Bewerbungsgespräche vor, sie tauschen sich im Internet aus und sie sind bereit auch mal zu flunkern - darüber was sie alles schon geschafft haben. Nur konkrete Fragen und freundliches Nachbohren zwingen Bewerber bei der Wahrheit zu bleiben.

Leserkommentare
    • Infamia
    • 03. Oktober 2012 9:42 Uhr

    Es liegt meiner Meinung viel mehr daran, dass Bewerbungsverfahren inzwischen so dermaßen standardisiert sind, dass selbst der größte Depp einen qualifizierten Job finden kann, wenn er dieses dämliche Spiel genauso spielt, wie es fantasielose Personaler spielen wollen.

    In unserer Firma haben schon die größten Flachpfeifen Jobs bekommen, weil Führungskräfte und Personaler dieses 08/15 Spiel spielen wollen. Kein Wunder also, dass es dann Leute schaffen, die nicht geeignet sind und von denen man sich dann wieder trennen musste.

    In einer Welt, wo alles standardisiert wird (auch die Personalsuche, wo es nun mal um menschliche Fähigkeiten und nicht um Passgrößen und Gewindenormen geht), passiert so etwas eben.

    Der Grund scheint darin zu liegen, dass heutige Personaler kein Risiko eingehen wollen. Halten sie sich an den Standard, können sie immer sagen, man hätte sich an die Regeln gehalten. Schuld haben dann immer die anderen, nur nicht sie selbst.

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    Auch ich denke, dass das mit den vielen Standards das Problem und auch totlangweilig ist. Ich kann mir beim besten willen nicht vorstellen, dass das irgendwie attraktiv auf wirklich gute Leute wirkt und es sehr wohl Bewerber gibt, die lieber von selbst anbwinken, als irgend einen blöden Job zu machen. Obwohl ich zur Zeit einer recht "einfachen" und absolut niedrig bezahlten Tätigkeit nachgehe, würde ich nie wieder auf die Idee kommen, irgendwo anzufangen, wo es schon auch nur nach Standard riecht! Aus trauriger und leidiger Erfahrung muss ich leider sagen, dass auch mit vielen Standards im Unternehmen gearbeitet wird, wenn schon das Bewerbungsverfahren standarisiert abläuft. Sofortige 180-Grad-Drehung kann ich da nur empfehlen, wenn man es nicht unbedingt nötig hat!

  1. zu sehr auf ihre Intuition verlassen - tun sie das dann nicht auch bei anderen Entscheidungen, die sie zu treffen haben?
    Überhaupt finde ich es erschreckend, die im Artikel erörterten Punkte thematisieren zu müssen; "schwammiges Profil" kann nur sein, wenn der Geschäftsführer auch nicht weiß, was er produzieren lassen will. Von "Zu frühe Entscheidung" bis "unfreundliche Atmosphäre" führt alles auch im Umgang mit Geschäftspartnern in den Ruin, nicht nur bei der Personalauswahl.
    Und "Je höher, desto besser" sollte eigentlich richtig sein - denn sich auf Intuition verlassen tun solche Menschen nicht nur bei Einstellungsentscheidungen, sondern bei allen Entscheidungen. Es handelt sich bei den angesprochenen Punkten um Persönlichkeitsmerkmale, die im allgemeinen unabhängig von der Sache, über die entschieden werden soll, zum Tragen kommen.

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    Genau so ist es: "sich auf Intuition verlassen tun solche Menschen nicht nur bei Einstellungsentscheidungen, sondern bei allen Entscheidungen"
    .
    Die mit ihrer Intuition die Banken in den Ruin getrieben und Billionen verzockt haben, die wurden von Personalchefs ausgesucht, die sich auf ihre Intuition verließen ...

  2. Wieso laesst sich eine angebliche Chefin von einer inkompenten Mitarbeiterin leiten, die Angst um ihre Stellung hat? Wieso ist dann diese Frau eine Chefin, wenn sie einfach keine Teams bilden kann? Warum hat sie so schlechte Menschenkenntnis und warum bildet sie sich dann ein kompetente Mitarbeiter zu bekommen? Dieser Aufsatz zeigt einmal mehr, dass heutzutage leider die falschen die Chefs sind und in keinster Art und Weise faehig funktionierende Teams zusammenzustellen!
    Wieso sind Chefs heutzutage Frauen/Maenner, die nicht in der Lage sind Spezialisten usw. zu ertragen? Wieso gibt es diese machtpolitischen unproduktiven Chefinnen?
    Deutschland ihr seid selbst schuld, wenn euch die Fachkraefte davon laufen, weil so will kein Mensch arbeiten!
    Schade nichts dazu gelernt, kann man nur sagen! Wie waers mit einem Selbstfindungskurs fuer angebliche Fuehrungskraefte?!

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  3. Den größten Schwätzer und Selbstdarsteller einstellen.

    9 Leserempfehlungen
    • tinnef
    • 03. Oktober 2012 12:09 Uhr

    Vorgehensweisen braucht, der hat den falschen Job, denn ihm fehlt Menschenkenntnis. Und da werden sich die Kandidaten drauf einstellen. Eine Frage stellt sich dabei immer, wie haben es Firmen nur früher geschafft ohne all die erfolgreich zu sein. Denn wenn man die dt. Nachrichten so aus dem Ausland verfolgt, fahren die Uberperformer und Top-Kandidaten, ja regelmäßig Firmen gegen die Wand oder wie man in der dt. Automobilindutrie sieht, kommt da nichts Innovatives bei raus.

    Leider haben die oftmals wirklichen besten keine Chance in D, da sie nicht System oder Gender konform sind oder die eine Gefahr für die eigene Position darstellen. Daher auch die massive Abwanderung dieser Eliten, die dann sicherlcih im Ausland nicht nur wegen ihren Schönheit und Kompatibilität mit Kusshand genommen werden.

    Apropos Gender , die Autorin sollte vlt. drauf achten, dass es auch noch männliche Kandidaten gibt und nicht nur weibliche, wie das in dem Artikel kontinuierlich benutzte Wort Kanditatin impliziert.

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  4. Sie schreiben oben drüben "Alles Unsinn", bestätigen anschliessend aber ziemlich genau das, was im Artikel steht, nur ein bisschen pessimistischer.

    Antwort auf
  5. wie man ungeeignete Bewerber erkennt. Hallo?! Die Leute haben es schon schwer genug sich bei der Bewerbung durchzusetzen. Denen sollte man eher mal helfen, statt denen, die sich die Leute aussuchen können. Beim Vorstellungsgespräch hat man alle Zeit der Welt gehabt rauszufinden ob er ungeeignet ist und wer das nicht schafft sollte sich überlegen ob er als Peronaler nicht selbst am falschen Platz sitzt und es nicht noch nötig haben sowas hier zu lesen. Und überhaupt hat man ja eh noch nen halbes Jahr Probezeit wo sich rausstellen würde ob jemand ungeeignet ist. Was soll denn der Aufriss hier ständig?!

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