BewerbungRiskante Anleitung zur Jobsuche

Zwei Drittel aller Stellen werden nicht ausgeschrieben. Die Beraterin Svenja Hofert erklärt in ihrem Buch, wie man an diese Stellen kommt – mit teils kuriosen Tipps. von 

Cover von "Die Guerilla-Bewerbung"

Cover von "Die Guerilla-Bewerbung"  |  © Campus-Verlag

Wer heutzutage einen Job sucht, der darf sich nicht mehr allein auf Stellenanzeigen in Jobportalen oder Zeitungen konzentrieren. Zwei Drittel der offenen Stellen werden gar nicht mehr ausgeschrieben. Sie werden innerbetrieblich vergeben oder die freie Stelle wird lediglich über bestimmte Netzwerke kommuniziert. Hinzu kommt, dass ein Job in einer Stellenanzeige oft längst vergeben ist. Die Ausschreibung erfolgt nur der Form halber oder um Kunden und Konkurrenten zu signalisieren, dass die Firma wächst.

Für Bewerber ist dies eine große Herausforderung. Wie erfährt man von den versteckten offenen Stellen und wie bewirbt man sich darauf? Die Karriereberaterin Svenja Hofert hat in ihrem Buch Die Guerilla-Bewerbung 16 Strategien zusammengestellt, mit denen sich nach ihrer Einschätzung ein neuer Arbeitsplatz finden lässt. Entscheidend seien die richtige Taktik und ein langer Atem, schreibt die Autorin.

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Hoferst Tipps haben es teilweise in sich. Vermutlich erklärt das auch den Buchtitel. Zwar schreibt Hofert in der Einleitung, es ginge keinesfalls darum, "potenzielle Arbeitgeber mürbe zu machen", allerdings sollten Bewerber nicht locker lassen und durchdacht bei der Stellensuche vorgehen. Ziel sei es, ins Gespräch zu kommen.

Das Buch liest sich gut und bietet besonders im ersten Teil eine Fülle nützlicher Informationen für jeden, der einen beruflichen Wechsel anstrebt oder als Freiberufler Kapazitäten für Aufträge hat. So rät Hofert, die Entwicklungen bei interessanten Arbeitgebern über deren Presseseite und die einschlägigen Medien und Branchendienste zu verfolgen. Steht eine Fusion oder ein Führungswechsel an, so ist das eine Chance auf frei werdende Stellen. Selbst wenn Arbeitsplätze abgebaut werden, heißt das nicht, dass keine neuen Leute gesucht werden. Oft werden im Zuge von Umstrukturierungen neue Abteilungen aufgebaut.

Ohne Kontakte wird die Jobsuche schwer

Entscheidend für eine erfolgreiche Stellensuche ist jedoch das eigene Netzwerk . Aber wie baut man ein solches Netzwerk auf? Prinzipiell verfügt jeder über diese Kontakte, schreibt Autorin Svenja Hofert. Freunde, Nachbarn, ehemalige Kommilitonen oder Mitschüler, alte Kollegen oder Chefs gehören dazu. Xing und Facebook erleichtern es, mit ihnen in Verbindung zu bleiben. Berufskammern, branchenspezifische Tagungen und Kongresse, Messen und Weiterbildungseinrichtungen sind weitere Anlaufstellen, um Kontakte aufzubauen. Auch die Wirtschaftsförderung von Städten und Landkreisen und Gründerplattformen zählen dazu. Hauptsache sei, man werde aktiv.

Tina Groll
Tina Groll

Tina Groll ist Redakteurin im Ressort Karriere bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Die einzelnen Strategien sind jeweils mit Einschätzungen versehen, für wen sie sich eignen, wann sie am besten wirken und mit welchen Risiken sie verbunden sind. Hinzu kommen anonymisierte Beispiele aus der Praxis. Ob Judith, 35, die sieben Jahre lang in Australien gejobbt hatte und schließlich doch noch einen Job fand, bis Roland, 55, der seinen Job als Journalist an den Nagel hing und noch einmal Sonderschullehrer wurde – die kleinen Erzählungen sind anschaulich und machen Mut.

Hofert empfiehlt, auf Unternehmen mit Angeboten zuzukommen, die ein Problem lösen, mit dem die Firma aktuell zu kämpfen habe. Das ist für Berater, Trainer und Projektarbeiter ohnehin Usus und eine sinnvolle Idee. Eine andere Strategie von Hofert lautet: Werden Sie Teil der Community. Viele Unternehmen rekrutieren Programmierer beispielsweise aus Fachforen. Auch viele Social-Media-Experten werden derzeit auf diese Weise gesucht. Für einen Sachbearbeiter dürfte sich diese Strategie eher nicht auszahlen.

Leserkommentare
  1. wer die Behauptung mit den 2/3 Stellen sind nicht ausgeschrieben herkommt Frau Groll oder die Buchautorin, dazu wären Quellen interessant. Hört sich fast wie die Mär des VDI an der davon ausgeht, dass auf jede ausgeschriebene Stelle 7 freie Stelle kommen, aber die ja bereits widerlegt wurde.

    http://www.zeit.de/karrie...

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass Unternehmen nur aus Jux und Dallerei Stellenanzeigen z.B. in der ZEIT veröffentlichen, nachdem ich Mitte der 90iger die Preise dafür kennengelernt habe, und diese dürften nicht günstiger geworden sein.

    Und auf welche Berufsgruppen bezieht sich denn das Networking und Social Media, kenne selber nur Leute aus dem Medienbereich die so an neue Stellen gekommen sind.

    Vertete jetzt auch mal die These das jeder in D eine der Ausbildung entsprechende Stelle finden würde, wenn er nur bereit wäre für Netto-Gehälter kurz über oder unter der Armutsgrenze zu arbeiten, das gilt besonders für Akademiker.

    5 Leserempfehlungen
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    ... dass Sie hier noch etwas in der Zeit zurückliegen. Die meisten Stellen werden heute über Online Börsen ausgeschrieben, diese kosten den Unternehmen vergleichsweise wenig. Insofern ergeben sich andere Dynamiken. Dies gilt auch für den bereich Headhunting und Personalvermittlung.

    Sie haben recht, dass die meisten Stellen in den Zeitungen tatsächliche Stellenangebote sind, es handelt sich aber meist hier um hohe Managementpositionen oder um lokale Billigjobs. Auf diese bewerben sich dann auch Hunderte von Bewerbern.

    Die Erfahrungen im Bekanntenkreis entsprechen tatsächlich grob dem Bild, das die Autorin des Buches aufzeigt. Ob deshalb das Buch gut und nützlich ist, kann ich natürlich nicht beurteilen.

    Zum Fachkräftemangel: Ich kenne einige BWL Absolventen, gut ausgebildet, Banking, Produktmanagement, reisewillig, über 40, keine "Freaks/Geeks", die sich sehr schwer tun in neue Stellen zu kommen. Das hängt dann wohl von Branche und Tätigkeitsbereich ab.

    • 2eco
    • 27. September 2012 11:20 Uhr

    "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Unternehmen nur aus Jux und Dallerei Stellenanzeigen z.B. in der ZEIT veröffentlichen, nachdem ich Mitte der 90iger die Preise dafür kennengelernt habe, und diese dürften nicht günstiger geworden sein."

    Leider leider muss ich Ihnen da widersprechen. Diese Praxis ist mittlerweile weiter verbreitet, als man denkt. Soetwas nennt man dann Personalmarketing! Stets präsent durch Stellenangebote in relevanten Medien suggeriert das Unternehmen einen attraktiven Arbeitgeber mit guten Karrierechancen. Die Bewerber auf solche Stellen kann man letztendlich ja immer noch in die Bewerberdatenbank - oder Karteileichendatenbank - aufnehmen.

    Natürlich müssen die Bewerbungen stets individuell auf das Unternehmen abgestimmt werden und man soll möglichst viel Zeit und Mühe für die Bewerbung investieren. Und am Ende hat man sich auf eine Stelle beworben, die gar nicht existiert.

  2. "...mit Teils kuriosen Tipps."

    Aber warum sollte es den Autoren besser gehen als den Kommentatoren, die ja schließlich auch keine Editierfunktion bekommen...

    2 Leserempfehlungen
  3. ... dass Sie hier noch etwas in der Zeit zurückliegen. Die meisten Stellen werden heute über Online Börsen ausgeschrieben, diese kosten den Unternehmen vergleichsweise wenig. Insofern ergeben sich andere Dynamiken. Dies gilt auch für den bereich Headhunting und Personalvermittlung.

    Sie haben recht, dass die meisten Stellen in den Zeitungen tatsächliche Stellenangebote sind, es handelt sich aber meist hier um hohe Managementpositionen oder um lokale Billigjobs. Auf diese bewerben sich dann auch Hunderte von Bewerbern.

    Die Erfahrungen im Bekanntenkreis entsprechen tatsächlich grob dem Bild, das die Autorin des Buches aufzeigt. Ob deshalb das Buch gut und nützlich ist, kann ich natürlich nicht beurteilen.

    Zum Fachkräftemangel: Ich kenne einige BWL Absolventen, gut ausgebildet, Banking, Produktmanagement, reisewillig, über 40, keine "Freaks/Geeks", die sich sehr schwer tun in neue Stellen zu kommen. Das hängt dann wohl von Branche und Tätigkeitsbereich ab.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Leider ist nicht klar"
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    • Mortain
    • 27. September 2012 9:56 Uhr

    Das was Sie im letzten Absatz beschreiben würde ich als Teil des Schweinezyklusses beschreiben. BWL, Lehramt und Jura wurden in meiner Zeit oft als sichere Studiengänge angesehen. Deswegen sitzen dann oft Volljuristen auf Sachbearbeiterstellen und BWLer führen Tätigkeiten aus, für die eine kaufmännische Ausbildung gereicht hätte.

    Es gibt einfach zu viele...

    • Hamsi
    • 27. September 2012 14:00 Uhr

    Anzeigenpreise für Onlineplattformen können je nach Reichweite und Anzeigendauer durchaus im drei- bis vierstelligen Bereich liegen. Es gibt natürlich auch Jobbörsen, bei denen sie lediglich 100 Euro für die Anzeige bezahlen, aber die Ausbeute ist in solchen Fällen entsprechend gering. Preislich ist der Unterschied zwischen Anzeigen in der Presse und im Internet nicht SO groß.

    • Mortain
    • 27. September 2012 9:49 Uhr

    und ist gut, wenn der bisher unsichtbare sichtbar wird. es gibt genug begabte Menschen von denen man nich weiss, dass sie existieren. Für Arbeitgeber die sich auch ausserhalb des Schemas F nach Mitarbeiten umsehen, können Kontakte über Networking tatsächlich neue Mitarbeiter bedeuten.

    Leider wird Networking allerdings oft von Nervensägen so verstanden, sich noch penetranter zu gebärden.

    Ein kurzer Kommentar zur Elfenstrategie. Erlebte ich das, würde ich private Ermittler engagieren, die Person zur Strecke bringen und vor Gericht zerren, Medienzirkus inklusive.

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    • Mortain
    • 27. September 2012 9:56 Uhr

    Das was Sie im letzten Absatz beschreiben würde ich als Teil des Schweinezyklusses beschreiben. BWL, Lehramt und Jura wurden in meiner Zeit oft als sichere Studiengänge angesehen. Deswegen sitzen dann oft Volljuristen auf Sachbearbeiterstellen und BWLer führen Tätigkeiten aus, für die eine kaufmännische Ausbildung gereicht hätte.

    Es gibt einfach zu viele...

    3 Leserempfehlungen
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    Es wird immer wieder die Sau mit dem Fachkräftemangel durchs Dorf getrieben. Mit dem Ziel Nachwuchs zu animieren und in der Lücke eine Karrierechance zu sehen. Das Ziel heisst: "Überangebot". Das wiederum senkt die Gehälter. Gewollt, gezielt gewollt.

  4. Mal davon abgesehen, dass sich Frau Goll hier ein Fleisskärtchen verdient schreibt sie viel Wahres - obwohl es stellenweise ein wenig über's Ziel hinausgeht: Vorsicht vor Verallgemeinerungen!

    Wenn also eine Elfen-Strategie als grundsätzlich unsinnig bezeichnet wird, läuft sie Gefahr, dass eine solche Strategie in manchen - wohl Sonderfällen - durchaus angebracht sein könnte. Ich kann mir als Ingenieur zwar nicht vorstellen, in welchen Fällen, doch bin ich mir meines natürlich beschränkten Blickwinkels bewusst und würde mich vor einem solchen harten Urteil hüten.

    Ansonsten gefällt mir der Artikel besonders wegen seiner ansonsten sehr differenzierten Betrachtung.

    Zum Buch der Frau Hofert selbst: Aufgrund einer recht informativen und differenzierten Rezension ;-) kann ich - außer vielleicht ein paar mir völlig unverständlichen Tipps - dem Buch in weiten Passagen nur zustimmen.
    Ganz besonders gilt dies der absoluten Unerlässlichkeit, Initiative zu ergreifen. Auch der Aspekt des self-marketing wird deutlich hervorgehoben. Das unterscheidet nämlich erfolgreiche von erfolglosen Bewerbern.
    Bestätigen kann ich ebenfalls, dass nur ein Bruchteil der offenen Stellen ausgeschrieben werden. Dies sollte allerdings deutlich differenzierter betrachtet werden. Denn offene Stelle ist nicht gleich offene Stelle! Um dies aber weiter auszuführen reichen die paar Zeichen hier nicht.

    Lustig finde ich allerdings etliche Kommentare hier: Sie lesen sich wie wenn Blinde vom Sehen schreiben...

    Eine Leserempfehlung
  5. 7. [...]

    Entfernt. Bitte achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Danke. Die Redaktion/kvk

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    Den Fachkraeftemangel gibt es nicht. Der ist eine Erfindung von Journalisten, die halt auch was schreiben muessen um in Lohn und Brot zu bleiben.

  6. Die Tipps in diesem Buch erscheinen mir nicht nur kurios, sondern größtenteils völlig absurd. Und damit meine ich nicht nur die elfenartigen Chef-Stalker. Sich in sozialen Netzwerken völlig nackt auszuziehen, in einer Gesellschaft, in der der schöne Schein die Oberhand hat, ist nicht nur für Flashmob-Gastgeber sehr riskant. Die meisten Menschen neigen dazu, Arbeitslose und ihre Sorgen zu ignorieren und möchten damit nicht belästigt werden. Es gibt nicht genügend ordentlich bezahlte Jobs - ganz einfach. Und das wissen selbstverständlich auch die Mitarbeiter der Arbeitsämter. Sie bezeichnen ihre Programme für ältere Langzeitarbeitslose inzwischen sogar als "Visionen 50plus" (alias "Perspektiven 50plus"). Das, was sich in Neuss ereignet (hat), ist auf allen Ebenen mehr als traurig. Visionen ließen sich doch leicht in Illusionen umtaufen...

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    • Hamsi
    • 27. September 2012 14:15 Uhr

    Langzeitarbeitslose scheinen nicht unbedingt die Zielgruppe für dieses Buch zu sein. Die Tipps machen eher für Leute Sinn, die gut ausgebildet sind und sich nach alternativen Strategien umsehen, um zu ihrem Traumjob zu kommen bzw. die Branche zu wechseln. (Was natürlich nicht heißt, dass solche Menschen nicht auch hin und wieder ihre Arbeit verlieren.)

    Die wirklich attraktiven Stellen landen heute doch selten bei der ARGE. Selbst bei einfacheren Bürostellen werden heute zunehmend Headhunter eingesetzt. Ich habe bis vor kurzem für eine Headhunter-Firma gearbeitet, da gab es durchaus Stellen, bei denen Personal für den 30.000-50.000 € Bereich gesucht wurde.

    Nackt ausziehen braucht man sich in sozialen Netzwerken nicht. Wer ein gutes Profil bei Xing hat und die Erfahrungen mitbringt, die gerade gesucht werden, wird durchaus kontaktiert.

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  • Schlagworte Bewerbung | Chef | Facebook | Stellenanzeige | Australien | Xing
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