Unternehmen haben es zunehmend schwer, gute Bewerber zu finden. Nur wer sich als attraktiver Arbeitgeber positioniert, kann ausgezeichnet qualifizierte Fach- und Führungskräfte rekrutieren. Darum investieren Unternehmen große Summen in Employer-Branding -Kampagnen . Positiver Nebeneffekt: Auch die Produkte beliebter Unternehmen verkaufen sich besser.

Der neueste Schrei bei der Suche nach guten Mitarbeitern sind Webclips. Der Medienkonzern Axel Springer machte es im vergangenen Herbst mit einem ungewöhnlichen Clip vor.

Das Unternehmen suchte mit der Initiative Media Entrepreneurs nach jungen Unternehmertalenten im Umfeld digitaler Medien. Das Video ist gerade einmal eine Minute und neun Sekunden lang und zeigt den gesamten Vorstand rund um einen skeptisch guckenden Mathias Döpfner im Auswahlverfahren von Bewerbern. Der Clip vermittelt erstaunlich prägnant, worum es in der Kampagne geht.

Und die war ein voller Erfolg. Der Springer-Konzern fand auf diese Weise nicht nur interessante Kandidaten, er inszenierte sich auch als moderner und sympathischer Arbeitgeber. In der Personaler-Szene gilt das Video als Paradebeispiel für gelungenes Employer Branding .

Zum Flop entwickelte sich dagegen ein ähnlicher Versuch von BMW . Der Autohersteller wollte mit einem Rapvideo seiner Azubis für sich als attraktiver Ausbildungsbetrieb werben. Der Clip entstand in einem Projekt von Praktikanten und Auszubildenden des Unternehmens. Die jungen BMW-Mitarbeiter rappen sich angestrengt mit bemühten Reimen durch 2 Minuten 48 Sekunden und besingen auf dem BMW-Werksgelände die Karriereeinstiegsprogramme beim Automobilunternehmen.

Der Clip hat dem Unternehmen mehr geschadet als genutzt. Im Internet verbreitete sich das Video rasant – als Lachnummer. Der Grund dafür dürfte sein, dass der eher laienhafte Rapversuch der Azubis mit den sonst hoch professionellen Werbevideos des Autokonzerns nicht mithalten kann. Das Personalmanagement von BMW ging aber sportlich mit der Häme um und steht weiterhin zu dem Video. 


Ganz ähnlich handhabte es auch die Redaktion von Focus Online , als sie im Frühjahr in der Medienbranche für ihr eigentlich internes Werbevideo gescholten wurde. "Focus Online blamiert sich mit Gaga-Video", titelte beispielsweise der Branchendienst Meedia . Für den Mitarbeiterinformationstag hatte die Onlineredaktion ein zehnminütiges Video produziert, das auf Externe unfreiwillig komisch wirkt. Chefredakteur Daniel Steil und sein Team sind fast die ganze Zeit über beim Joggen zu sehen. Immer mit dabei: Smartphones und jede Menge Sprüche wie "Wir haben die geilsten Zeilen". Zwischendurch werden die laufenden Redakteure mit Werbung beklebt – so soll die Arbeit an einem Medienprodukt veranschaulicht werden.

Der Redaktion bereitete der Dreh jede Menge Freude. Doch als das Video auf YouTube zu sehen war, ließen negative Reaktionen nicht lange auf sich warten. Der Chefredakteur ging prompt in die Offensive und erklärte tags drauf in einem neuen Video den Kontext. "Jetzt weiß also ganz Deutschland, wer wir sind, wie wir arbeiten und wie viel Spaß wir dabei haben." Als Video zum Employer Branding taugt der Clip nur bedingt – das Beispiel zeigt aber, wie man auch mit einem Clip, der nicht so gut ankommt, positiv umgehen kann. Mittlerweile ist das Video bei YouTube nur für die Nutzer des privaten Channels einsehbar.

Vielleicht wäre das auch eine Lösung für den Clip der Sparda Bank Südwest, der erst kürzlich für Erheiterung sorgte. Auch sie ließ ihre Auszubildenden rappen – unter dem Motto "Sparda Movie Stars".

So bemüht wie die BMW-Azubis stümpert sich auch der Sparda-Nachwuchs durch einen Rapsong. 4:07 Minuten lang gibt es schlechte Reime auf die Ohren. "Das Image des Bankers hat stark gelitten, doch der Spaß und die Besonderheit bleibt für uns unumstritten. Schau gut hin, in dem Anzug steckt noch viel mehr drin. Ich nimm dich an die Hand, ich zeig Dir das Bankenwunderland." Zwar wurde auch dieser Clip in einer Bankfiliale in Saarbrücken professionell gedreht, der Song sogar in einem Tonstudio aufgenommen – doch auch hier ließ der Shitstorm nicht lange auf sich warten.

Die Auszubildenden der Sparda Bank reagierten in ihrem Blog freundlich und selbstkritisch: "Die Kritik aus Fachkreisen ist angekommen, mit der Musik- und Tanz-Karriere wird's wohl nichts!" Dafür dürften sie etwas Wichtiges gelernt haben: Krisenkommunikation.