Leserartikel

Arbeitslose AkademikerDie geistige Elite bei der Arbeitsagentur

Selbst Promovierte beziehen teilweise Arbeitslosengeld, schreibt Leser Jörg Neunhäuserer. Wie er finden manche Wissenschaftler einfach keine Stelle. von 

Ein Empfänger von Arbeitslosengeld sitzt täglich vor den primitivsten Formaten des Privatfernsehens, trinkt dazu Bier und lässt seine Kinder verwahrlosen. Er hat kein Abitur, geschweige denn ein abgeschlossenes Studium. An Intelligenz, Intellektualität, Motivation und Disziplin fehlt es ihm, sonst hätte er schließlich Arbeit.

Das Bild der Arbeitslosen, das viele Menschen haben, ist menschenverachtend und in vielen Fällen falsch. Auch Intellektuelle und Wissenschaftler, Vertreter der geistigen Elite, sind bei der Agentur für Arbeit: die Bildungsprekarier.

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Ich beispielsweise bin promovierter Mathematiker mit mehr als zehn Jahren Erfahrung in Forschung und Lehre. Derzeit verdiene ich nur etwas Geld durch schlecht bezahlte Lehraufträge oder indem ich Gymnasiasten und Studenten Nachhilfe gebe. Davon alleine kann ich aber nicht leben. Meine Bewerbungen in der freien Wirtschaft sind aussichtslos. Ich bin mit über 40 Jahren zu alt und mein Lebenslauf verrät, dass meine Bewerbungen nur eine Notlösung sind. Das sehen Unternehmen nicht gerne.

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Arbeitslose Akademiker wie ich sind typischerweise Kinder der Mittelschicht. Sie haben Geisteswissenschaften studiert, reine Mathematik oder theoretische Physik. Nicht wenige haben promoviert, wenn nicht sogar habilitiert. Natürlich streben wir alle eine Hochschulkarriere an. Doch einige scheitern im Wettbewerb des akademischen Betriebs.

Wirtschaftlichen Nutzen verspricht die Forschung von uns Bildungsprekariern nicht. Sie erhalten keine öffentliche Aufmerksamkeit, weil sie sich der zweckfreien Einsicht und Erkenntnis widmen. Unsere Gebiete sind nicht in Mode, oder wir haben es versäumt, vor einflussreichen Professoren zu katzbuckeln. Auf jeden Fall gibt es in den Fakultäten zu wenige Professuren und zu wenige Stellen im akademischen Mittelbau. Deshalb sind unsere Aussichten, an einer Hochschule unterzukommen, schlecht.

Bei einigen läuft das auf Langzeitarbeitslosigkeit hinaus und auf viel freie Zeit. Sie haben die Möglichkeit, ihre humanistische Bildung zu vervollkommnen. Mit großer Disziplin und Motivation publizieren sie dann eigenständig mehr als viele Professoren in ihrem Gebiet.

Doch als Empfänger staatlicher Transferleistungen kämpfen Bildungsprekarier ständig mit Armut und mangelnder Anerkennung. In manchen Augenblicken hilft mir nur zu hoffen, dass mir Nachruhm zuteil wird, oder dass sich die gesellschaftlichen Werte endlich ändern. Die Hegemonie der Wirtschaft in Politik und Gesellschaft muss ein Ende finden.

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Leserkommentare
    • Bastie
    • 25. Oktober 2012 12:22 Uhr

    Lieber Herr Neunhäuserer,

    bitte verstehen Sie es nicht falsch, aber ich weiß nicht, ob die Art der Darstellung auf der HP an sich problematisch ist. Viele Foristen behaupten das, vermutlich haben sie Recht. Was ich auf jeden Fall problematisch fände sind die vielen Rechtschreibfehler, die sogar beim einfachen Drüberlesen auffallen:

    CV (d):
    LiteRAtur, BackgammOn.
    CV(e):
    Dann heißt es "married to" und "lecturer of"
    Math:
    etliche Fehler, zB (durch Copy & Paste auch noch zigfach):
    "apPLied sciences"
    Cryptography, economistS and chemistS, compuTer...

    Und ich habe eigentlich wirklich nur die Seite überflogen. Die Rechtschreibung würde ich dringend überprüfen. Was mir aufgefallen ist, ist, dass Sie relativ viele Veröffentlichungen haben. Sind Sie habilitiert? Ich kann mir dann nicht vorstellen, dass nicht zumindest eine FH Stelle möglich wäre - ist das keine Option?

    Ich habe von der Homepage folgenden persönlichen Eindruck:

    Sie wollen forschen!

    Das ist gut, aber wenn Sie bei den Bewerbungen den gleichen Eindruck erzeugen, dann würde ich Sie auch nicht einstellen; außer als Forscher natürlich. Das ist nicht böse gemeint und ich weiß natürlich auch nicht, wie die Gespräche wirklich verliefen.

    Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall alles Gute für die Zukunft!

    3 Leserempfehlungen
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    das sind keine Tippfehler, sondern Hervorhebungen, die einen künstlerischen, gestalterischen oder was auch für einen Anspruch ausdrücken sollen.

    Aber, wie man sieht, sie bieten Raum für Interpretionen (Fehler oder Absicht).

    Ich denke, der Autor hat nun genug Feedback über seine HP erhalten und wird schlau genug sein, um für sich Handlungsbedarf zu sehen oder nicht.

  1. "Wenn man morgens um Sechs die Wurzel aus einer Unbekannten zieht."
    Mehr fällt mir nun auch nicht mehr ein dazu. Der Gaul, den wir hier alle reiten, ist bereits zu Tode geritten. Also absteigen bitte. ("Ende meiner Beiträge")

  2. das sind keine Tippfehler, sondern Hervorhebungen, die einen künstlerischen, gestalterischen oder was auch für einen Anspruch ausdrücken sollen.

    Aber, wie man sieht, sie bieten Raum für Interpretionen (Fehler oder Absicht).

    Ich denke, der Autor hat nun genug Feedback über seine HP erhalten und wird schlau genug sein, um für sich Handlungsbedarf zu sehen oder nicht.

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    • Bastie
    • 25. Oktober 2012 14:10 Uhr

    habe ich an den Stellen gemacht, an denen sich im Original Tippfehler befinden.

    Ich wollte Herrn Neunhäuserer auch nicht zu Nahe treten, aber dachte, wenn ich die Fehler schon finde, dann kann ich sie auch schnell posten, damit er es bei der Korrektur einfacher hat.

  3. ... auf eine bezahlte Arbeit, die seinen Begabungen entspricht, sagen Sie. Woraus leiten Sie dieses recht ab? Wir alle leben auf dem Planeten Erde und haben uns in Gemeinschaften organisiert. Damit dieses Zusammenleben halbwegs funktioniert, muss man verhindern, dass es zu groben Ungerechtigkeiten kommt. Viele unserer Gemeinschaften sind so organisiert, dass es nicht mehr moeglich ist,sich als Einzelner durch ein wenig Ackerbau, Jagen und Sammeln selbst und seine Familie am Leben zu erhalten - dafuer muss ein finanzieller Ausgleich geschaffen werden. Auf diesen finanziellen Ausgleich fuer nicht vorhandene Moeglichkeiten zur selbstorganisierten Lebenserhaltung hat jeder m.E. ein bedingungsloses Recht (das ich als bedingungsloses Grundeinkommen auszahlen wuerde). Was Menschen, die darueber hinaus keine bezahlte Stelle finden, die ihren Anspruechen und Neigungen genuegt mit ihrer freien Zeit anfangen, kann ihnen dann doch selbst ueberlassen bleiben.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Missverstädniss"
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    • Mortain
    • 25. Oktober 2012 13:09 Uhr

    wäre ein Traineeprogramm für diesen Personenkreis für die Wirtschaft. 2000 Euro im Monat und das Prgramm würde 366 Tage dauern.

    Wenn beispielsweise 50 Prozent der Personen eine Stelle fänden und danach zu brauchbaren Gehältern arbeiteten, zur Schaffung von Werten beitrügen und Steuern und Sozialbeitäge zahlten, wären die Ausgaben für das Programm innerhalb einiger Jahre beglichen.

    • Jalella
    • 25. Oktober 2012 12:46 Uhr
    333. Und ...

    ... keine B-Arche in Sicht, um sie loszuwerden :-)

    Antwort auf "Als Mathematiker ..."
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    ... dass wir die nachkommen der Arche B sind ??

    aaaaaaaaaaarrrrrrrrrrrrrrrrggggggggggggggggghhhhhhh

    mein Handtuch!

  4. ... dass wir die nachkommen der Arche B sind ??

    aaaaaaaaaaarrrrrrrrrrrrrrrrggggggggggggggggghhhhhhh

    mein Handtuch!

    Antwort auf "Und ..."
  5. die hätten Sie ebensogut zu einem schnöden 'die dinge sind nunmal so' zs.fassen und sich deshalb sparen können.

    >>Es wird hier so getan, als ob es nur die Mgl.keiten gibt, entweder als Konformist ein fremdbestimmtes, "wirtschaftsfatalist." Leben zu führen oder als Non-Konformist sich selbst zu verwirklichen.<<

    nein. es wird hier kritisiert, dass diese alternative unter der 'schwerkraft' der durchökonomisierten verhältnisse praktisch nicht existiert.

    >>Richtig ist aber, dass man entscheiden muss, ob man Geld für Leistungen erhalten will oder nicht.<<

    da gibts nicht viel zu entscheiden. was Sie 'entscheidung' nennen, heißt unter vernünftigen vorzeichen: zwang. ob der von autoritären instanzen ausgeübt wird oder in den allgemeinen (ökonomischen) beziehungen angelegt ist, spielt erstmal keine rolle.

    >>Konformismus.. ist nicht grundsätzlich falsch."

    noch so eine binsenweisheit. das hängt doch wohl von den jeweils gegebenen verhältnissen ab. das grundsätzliche einverständnis mit den herrschenden gegebenheiten kennzeichnet die geisteshaltung der mitläufernatur.

    >>Meistens ist Nonkonformismus nur eine zur Schau gestellte Geste, die sich auf reflexartige Rituale beschränkt und damit nur sektiererische Konformität übertüncht.<<

    da haben Sie allerdings recht.
    aber dass individualität und eigensinn meist bloß in dieser korrumpierten gestalt, sozusagen als 'konformismus 2.grades', auftreten, belegt nur nochmals den kaum widerstehlichen zwang zu einpassung und 'selbst'-aufgabe.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Falsche Alternativen"
    • Mortain
    • 25. Oktober 2012 13:09 Uhr

    wäre ein Traineeprogramm für diesen Personenkreis für die Wirtschaft. 2000 Euro im Monat und das Prgramm würde 366 Tage dauern.

    Wenn beispielsweise 50 Prozent der Personen eine Stelle fänden und danach zu brauchbaren Gehältern arbeiteten, zur Schaffung von Werten beitrügen und Steuern und Sozialbeitäge zahlten, wären die Ausgaben für das Programm innerhalb einiger Jahre beglichen.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "jeder hat ein Recht..."
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    sind Weiterbildungen sogenannter Institute und Maßnahmenträger, die mit der Arbeitslosigkeit und mit Hartz 4 sogar noch ein Geschäft machen. Bedauerlicherweise lediglich für den eigenen Gewinn sowie auf Kosten der Steuerzahler sowie der Arbeitssuchenden. Eine adäquate Anstellung aber erhält so kaum jemand.

    Da es schon seit langem eine widerwärtige Unart in unserem System ist, aus allem, aus wirklich allem, immerzu ein Geschäft zu machen, schlage ich hier eine etwas modifizierte Vorgehensweise vor:

    Zunächst einmal sollen die Arbeitgeber, die nach Personal sowie nach Fachkräften schreien, offiziell sagen, was genau sie denn benötigen, wen genau sie denn dafür gleich einstellen würden, wen genau sie erst nach einer gewissen Schulung einstellen würden, wen sie überhaupt nicht beschäftigen würden und warum.

    Danach können die Bildungsträger ja durchaus Traineeprogramme ausrichten. Dies allerdings unter der Kontrolle sowie unter einer massiven Mitbestimmung und Mitbeteiligung der Arbeitgeber.

    Die Arbeitgeber müßten dann allerdings dazu genötigt werden, schriftliche, notariell beglaubigte und rechtlich einklagbare Garantieerklärungen zu unterschreiben, nach denen die in diesen Traineeprogrammen und Schulungen qualifizierten Bewerber bei erfolgreichem Abschluß dann aber auch eingestellt werden. Wäre dies nicht der Fall, so müßten die Arbeitgeber/Arbeitgebervertreter die Kosten für diese Schulungen zwangsweise dem Steuerzahler zurückerstatten. Und zwar mit Zinsen.

    Weiter Teil 2

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  • Quelle Leserartikel
  • Schlagworte Geisteswissenschaft | Abitur | Agentur | Arbeitslose | Arbeitslosengeld | Armut
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