Uniabsolventin : Keine Anstellung mit Kind

Organisation, Stressresistenz und Ausdauer – das kann Leserin Julia Littardi bieten, sie hat im Studium zwei Kinder bekommen. Ein Traum für Personaler? Anscheinend nicht.

Akademikerinnen bekommen zu wenig Nachwuchs, heißt es. Doch auch die bildungsnahen, beruflich ambitionierten Frauen in Deutschland sollen ihren Schöpfungsauftrag erfüllen. Deshalb lautet die neueste Empfehlung, schon während des Studiums Kinder zu bekommen.

Ein Vorteil sei, dass junge Akademikerinnen so den Karriereknick durch die Elternzeit umgehen können. Wenn Sie dann ihren Abschluss in der Tasche haben, so die Vision, sei der Nachwuchs schon bereit für den Elitekindergarten. Mamas steiler Aufstieg auf der Karriereleiter werde nicht von Mutterschutz oder Stillpausen gestört. Außerdem ist in den frühen Zwanzigern die Fruchtbarkeit am größten und das Multitasken liege den Frauen ja ohnehin.

Nun, ich habe es ausprobiert. Ich habe studiert und währenddessen zwei Kinder bekommen. Mein Studium als Mutter war geprägt von zermürbenden Sorgen, atemberaubenden Glücksmomenten, dem Ausfüllen einer unendlichen Flut von Formularen und durchwachten Nächten am Schreibtisch. 

Ich habe kaum geschlafen, wenig gegessen, war meistens außer Atem, immer unter Strom. Ich habe nebenher gearbeitet, um die laufenden Kosten zu decken, außer dem Notwendigsten habe ich keine Ausgaben getätigt. Und ich habe verzweifelt um den Erhalt meines Soziallebens gerungen. 

Letztendlich habe ich das geschafft, was mir streckenweise unmöglich schien: einen guten Abschluss. Mein Zeugnis habe ich zusammen mit meinen Töchtern entgegengenommen und vor Erleichterung und Stolz ein bisschen geweint.

Das ist nun ein Jahr her. Seitdem schreibe ich Bewerbungen. Mittlerweile bin ich zum Profi avanciert: Ich kann in kürzester Zeit Fakten über potenzielle Arbeitgeber recherchieren, meinen Lebenslauf an Unternehmen anpassen und dazu knackig-prägnante Motivationsschreiben verfassen. Und genauso kann ich den Standard-Wortlaut der Absagen auswendig herunterbeten.

Meine kinderlosen Kommilitoninnen haben nach dem Studium sofort gute Jobs gefunden. Sie waren wohlgemerkt drei Jahre früher als ich mit der Uni fertig, die meisten haben dann noch einen Post-Graduate im Ausland drangehängt. Fast alle von ihnen möchten auch Kinder bekommen – aber irgendwann.

Ich bereue meine Entscheidung nicht, früh Mutter geworden zu sein. Eine Familie zu haben ist für mich das Wichtigste im Leben. Doch ich hätte das Studium mit Kindern nicht durchgestanden ohne den Ansporn, dass am Ende der Prüfungen der Beginn einer Karriere stehen würde. Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Die nächste Bewerbung, die ich verschicke, ist für ein einjähriges Aufbaustudium.

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Kommentare

137 Kommentare Seite 1 von 18 Kommentieren

Ich beglückwünsche Sie zu

Ihrem absolvierten Studium und Ihrer Ausdauer; ich kann mir lebhaft vorstellen, wie stressig es gewesen sein muß.
Es wäre ja schön, wenn die Personaler in den Firmen das ebenso sehen würden, ich zweifle aber daran. Noch immer ist das tradierte Mutterbild in den Köpfen vorhanden, noch immer gilt die Frau als Betreuerin der Kinder, noch immer wird gefürchtet, daß eine berufstätige Mutter der Kinder wegen mehr ausfällt als eine Frau ohne Kinder; das gleiche gilt natürlich sowieso für Männer, die mögen Kinder haben soviel sie wollen, da wird vorausgesetzt, daß eine betreuende Mutter zuhause ist.
Ich drücke Ihnen die Daumen, daß es klappt und halten Sie die Ohren steif.

Gebe Ihnen da Recht,

eine Komilitonin (auch alleinerzeihend) aus D die dort ihr Ing. büro hat, hatte eine Stelle ausgeschrieben. Eine der Bewerberinnen der engeren Wahl wurde nicht genommen, weil sie eine Frau im gebärfähigen Alter war und das von einer anderen Frau.
Meine erste Firma in D Landschaftsarchitektin bekam 5 Kinder in Folge und fiel damit 7 Jahre aus, die Stelle konnte immer nur befristet besetzt werden, da man dort nicht wusste, wann das nächste Kind kam. Danach waren die Gesellschafter auch vorsichtiger.

@Thema
Ich stelle die stressresistenz der Autorin mal in Frage, denn alle alleinerziehenden Frauen die ich kenne (meist Akademikerinnen), sind fertig mit der Welt, denn der Beruf ist etwas anderes als Studium und wenn keiner da ist, der einem den Rücken frei hält, ist schnell Schicht im Schacht. Leider erfährt man nicht was die junge Frau studiert.
Wie sie 50-60h Wochen (Nachtarbeit weil ein Projekt fertig werden muss) mit ihrer Familie so ein Mann existiert, organisieren will, wäre spannend zu erfahren. Sie scheint keine Ahnung zu haben, was in der privaten Wirtschaft für Akademiker besonders in D abgeht.

Meine Empfehlung sich im ÖD bewerben und wenn es nicht klappt einklagen.

"oft einhergehenden negativen Auswirkungen"

Das ist der Dank für die eigene Qual, eine akademische Ausbildung abzuschließen und sich gleichzeitig mit persönlichen Einsatz gegen die uns alle bedrohende demographische Katastrophe zu stemmen, Fachkräfte von morgen großzuziehen, die dann die umlagenfinanzierte Rente retten sollen.

Die Kurzichtigkeit in großen Teilen der Gesellschaft und Wirtschaft ist einfach erschreckend.

ach ja, die 50h high potentials. Wieso nicht 80 Stunden, das habe ich auch schon gehört, da muss man dann freilich so rechnen, dass ich mit meiner telefonischen Erreichbarkeit wohl auf 168h pro Woche käme.

Mir sind nur sehr wenige Aufgaben (Astronaut, U-Bott-Fahrer, ...) bekannt, die notwendiger Weise nicht zeitlich flexibel zu erledigen wären zumindest in Firmen, die Aufgaben redundant besetzen. Genau genommen gibt es überhaupt keine solche Aufgabe - in jeder Tätigkeit kann der Leistungserbringer jederzeit ausfallen und sei es wegen eines Unfalles oder einer schweren Erkrankung.

Das Problem ist eher, dass viele Entscheider glauben nur Mitarbeiter, die sich zehn oder mehr Stunden im Büro herum treiben (übrigens soll es da noch so Gesetze geben mit einer maximalen Tagesarbeitszeit...), könnten Spitzenleistungen erbringen. Wirkliche Spitzenleistungen erbringe ich meistens zwischen 22:00 und 01:00 und ich sitze dann nicht im Büro.

Eine gemischte Belegschaft ist in fast allen denkbaren Bereichen wertvoll. Unterschiedliche Perspektiven sind für jede kreative Arbeit hilfreich - und Kreativität ist selbst am modernen Fließband gefragt. Die meisten Optimierungsmöglichkeiten finden die Mitarbeiter dort indem sie darüber nachdenken wieso sie sich gerade bei ihrer Tätigkeit ärgern. So richtig lächerlich wird es, wenn z.B. im Marktetingbereich eine eine fast uniforme Konzentration der selbst ernannten Überflieger aufläuft, die keinen Blick für die Mehrheit der Lebensentwürfe haben.

Möchte nicht wissen

wo sie arbeiten schätze mal staatlich alimentiert, aber zu meiner Zeit in D waren 50h-60h Stunden keine Highpotentials sondern die normalen Ings. hatte allein in meinem ersten Arbeitsjahr 400h Überstunden, da zwei andere Ings. die Firma verlassen hatten und keine neuen eingestellt wurden, da war selbst an den Feiertagen arbeiten angesagt um die Projekte fertig zu bekommen und im Urlab blieb alles liegen, mit dem Effekt das der Berg immer gleichgroß blieb.

Für Akademiker können sie ihre Arbeitszeitregeln in D knicken, das wird erwartet und wenn nicht stehen noch 30 Jobsuchende vor der Tür. Auch hat kein AG irgendein Interesse Arbeitsplätze wie sie es nennen redundant zu besetzen, denn das kann und will man sich nicht leisten.
Auch wird das Betriebsklima sicherlich nicht besser, wenn die anderen die Arbeit ihrer Kollegin wegen Ausfalls immer mitmachen sollen.
Den Ausfall eines Mitarbeiters planen viele AG besonders in kleineren Unternehmen nie ein, daher kommen die dann, wenn einer kündigt oder wirklich krank ist schnell ins Schleudern, aber dafür hat Herr Clement ja Dankenswerterweise vorgesorgt, Zeitarbeiter.

nö, nix öffentlicher Dienst. Freie Wirtschaft aber mit dem Selbstbewusstsein, dass nicht einer vor der Tür steht. Gut, das haben die wenigsten Arbeitnehmer, aber ich rate auch anderen immer wieder darauf zu achten, dass sie regelmäßig so arbeiten wie sich das dauerhaft mit ihrem gesamten Leben verträgt.

Wer vernünftige Arbeit macht kann bei einem vernünftigen Arbeitgeber auch seine Arbeitsbedingungen so gestalten, dass er diese gute Arbeit dauerhaft leisten kann. Unser Unternehmen profitiert sehr von Arbeitgebern, die das nicht verstehen und deren hoch qualifizierte Angestellte nach einigen Jahren zu uns wechseln, weil sie regelmäßige teils extreme Überbelastungen für ihre Familien auf Dauer nicht leisten können oder wollen. Ein vernünftiger Umgang mit seinen (qualifizierten [Arbeitnehmer, die tatsächlich unmittelbar vollwertig ersetzbar sind bleiben leider auf der Strecke]) Arbeitnehmern lohnt sich für Unternehmen bei der Suche nach geeigneten Arbeitnehmern. Für alle Akademiker mag das freilich nicht gelten. Einige Abschlüsse sind ökonomisch nun einmal mehr wert als andere. Wenn ich Philosophie studiere und nicht zu den wenigen Glücklichen gehöre, die forschen und lehren dürfen, dann muss ich eben Physik, Mathematik oder etwas anderes ökonomisch unmittelnar wertvolles dazu tun.

Ich bin gerne rund um die Uhr erreichbar und buche auch mal ein oder zwei Tage kreativ wenn wirklich alles in Flammen steht, dafür habe ich wenn es normal läuft zum Ausgleich die faire Flexibilität.

Schon mal was von Freizeit

und Erholung gehört??? Bei 400 Überstunden allein im ersten Jahr ist Ihr Arbeitsplatz wirklich eine Knochenmühle - und glauben Sie bloß nicht, daß es Ihnen jemand dankt, wenn Sie irgendwann völlig fertig sind, Ihre Frau Sie verläßt, die Kinder mitnimmt und Sie eine Menge Unterhalt zahlen dürfen oder Sie krank werden; Stichwort Burn-Out.
Und Sie regen sich über Menschen auf, die NUR 40 Stunden die Woche arbeiten???
Überdenken Sie Ihre Einstellung und bedenken Sie, daß Leben mehr als Arbeit ist.

genau dieselbe Erfahrung gemacht

Ich habe auch während dem Studium meine beiden Kinder bekommen. Obwohl ich vorher 10 Jahre in meinem alten Beruf gearbeitet habe und dadurch nach dem Studium keine Newcomerin auf dem Arbeitsmarkt bin, dennoch keine Chance. Ich hängte dann noch einen Master dran, obwohl ich den als Diplom gar nicht brauche, keine chance. Ich bin jetzt mit Kind und Kegel vor zwei Wochen nach Australien gezogen und werde dort an der Uni meine Researchs machen und mein Business aufbauen. meine Researchs in Australien an der Uni durchführen. Für mich geht es momenten ganz klar hier weiter und Deutschland ist für mich persönlich beruflich Endstation. Wollen wir Frauen mal hoffen, dass die deutsche Gesellschaft in den nächsten Jahren, im Hinblick auf Gender sich positiv weiterentwickelt und diese auch alltäglichen praktiziert wird.

Tja und wieder

hat Deutschland eine qualifizierte Arbeitskraft verloren - nicht daß ich Ihren persönlichen Entschluß kritisiere, ganz im Gegenteil, ich hätte es vermutlich genauso gemacht.
Aber ist es nicht widersinnig, daß durch diese Kinderfeindlichkeit hier in Deutschland, die berufstätige Mütter automatisch als weniger flexibel und belastbar ansieht und nur fürchtet, daß sie dauernd ausfallen (wozu es übrigens m.W. keine Belege gibt), daß durch diese Kinderfeindlichkeit ein Teil unserer besseren Kräfte dem Land verlorengeht? Es ist sicher nicht die einzige Ursache, daß Menschen auswandern, da gibt es viele, prekäre Arbeitsverhältnisse, Generation Praktikum, Lohndumping, unflexible Arbeitgeber u.a.m., aber sie trägt halt mit dazu bei.
Allein in meiner weiteren Familie sind inzwischen 3 junge, gut ausgebildete Paare ausgewandert, 2 in die Schweiz, 1 nach Australien. Ich bezweifle, wenn diese erstmal so richtig seßhaft geworden sind, daß sie dann irgendwann zurückkommen (eins der Paare hat inzwischen 2 Kinder). Sie gehen Deutschland verloren. Unsere Politik redet ja dauernd vom Fachkräftemangel - tut aber nichts, um junge Menschen hier in Deutschland dazu zu bewegen, hier zu bleiben. Maßnahmen gäbe es bestimmt - die sind aber politisch nicht gewollt.

Drei Jahre länger

Ob das im Text untergeht oder nicht, zwei Kinder und dann nur drei Jahre länger ist im Grunde mehr als bewundernswert. Leider aber eben nicht für viele Arbeitgeber. Und vielleicht liegt es gerade daran, dass bildungsnahe Frauen keine Kinder bekommen oder sich zumindest sehr lange Zeit damit lassen.
Ich habe damals vor 29 Jahren im Studium mein erstes Kind bekommen – und am Ende das Studium abgebrochen, weil es einfach nicht möglich war, alles unter einen Hut zu bekommen. Ich habe mich gleichwohl um meine Bildung gekümmert, mich ständig weitergebildet. Heute, drei Kinder habe ich ziemlich alleine großgezogen, kann ich nur sagen: es hat sich nicht viel geändert in unserem Staat. Ich habe damals Absagen wegen meiner Kinder bekommen, später wegen der beruflichen Lücken und heute bin ich zu alt...
Ich hoffe nur, dass Sie liebe Julia Littardi bessere Erfahrungen machen!

Drei Jahre länger!

Genau das. Der auf Zeit-Online erschienene Vorschlag, Kinder während des Studiums zu bekommen, um dann nach dem marginal verzögerten Abschluss beruflich durchzustarten, ist einfach dumm und kann nur von einem kinderlosen Mann stammen. Ein Urlaubssemester reicht vielleicht, um ein Kind zu bekommen, aber nicht, um es bis zur Kindergartenreife zu erziehen. Außerdem schadet die Doppelbelastung dem Studium und dieser Makel ist besonders schlimm, da er die Grundlagen der beruflichen Ausbildung betrifft. Der denkwürdige Ratschlag zur Familienplanung manifestiert altmodischste Rollenbilder, indem er Frauen vorgaukelt, es sei besonders schlau, die ersten Semester der Partnerwahl zu opfern und dann nach dem Motto "Ich bin Mutter, lasst mich durch und bevorzugt/belastet den Vater!", das Studium zum Abschluss zu bringen. Nach stressigen Jahren hat die Frau dann neben bundeslandabhängigen Schulkindern ein Dokument, das mittelmäßige Leistungen bescheinigt und somit die Abhängigkeit vom Partner besiegelt. Was waren das ehrliche Zeiten, als man Frauen erklärte, dass ein Studium wohl überlegt sein sollte, da es sich unter Umständen nicht lohnt. Es wäre ein echter Fortschritt, wenn die Arbeitgeber Erziehungsjahre nach dem Studium anerkennen würden. Irgendwelche Kombilösungen oder die vagen Theorien Unbetroffener helfen weder den Eltern noch den Arbeitgebern.

Drei Jahre sind schon viel

Ich möchte die Leistung hier gar nicht schmälern, aber der Arbeitgeber sieht nunmal nur: 2 Kinder im Studium (gewollt?) und dann drei Jahre dran gehängt- das wirkt erst mal abschreckend.
Die Autorin schreibt hier nichts von einem Partner - musste sie die Kinder alleine großziehen? War das so geplant und wenn ja, wieso?

Es IST möglich in Regelzeit zu studieren UND Kinder zu bekommen. Ich bin gerade dabei. Mein Sohn ist 7 Monate alt und ich bin im Juni 2013 mit meinen Mastern fertig...ich mache ein double degree.
Das geht aber nur, weil ich einen Partner habe, der sich genauso verantwortlich fühlt wie ich. Er bleibt zuhause, wenn der Kleine krank ist. Er steht Nachts auf, er ist da genauso gefragt wie ich.
Ich halte es aktuell für das Ideal - Kind im Studium und einen Partner mit dem ich die Belastung teilen kann. Zudem kann ich im Studium noch viel von zuhause arbeiten...das wird im Beruf schwierig.
Ich weiß nicht ob ich später von Arbeitgebern abgewiesen werde - im Moment kann ich es mir nicht vorstellen.

Die Mehrheit kann das so nicht ausleben, selbst wenn sie es will

Das ist sicherlich schön - aber dann muss der Partner auch eine Arbeit haben, die ihm all dies erlaubt. Ich freue mich für Sie - glaube aber, die überwiegende Mehrheit der immer jünger werdenden Studentinnen kann sich das weder leisten kann noch in einem Alter bis 24, 25 schon so lange in einer Beziehung ist, auf die sich ein Kinderwunsch aufbauen kann...Und wovon soll ein studierendes Paar das Kind ernähren?
Wie man es macht, macht man es als Frau verkehrt.

Zynisch kann man da nur sagen: Frauen, sucht euch ältere Männer, denn die können zahlen - dann macht es auch nichts, wenn ihr nicht flexibel genug seid und 80 Wochenstunden irgendwie doch nicht wollt...Wo leben wir eigentlich?

Regelstudienzeit

"Es IST möglich in Regelzeit zu studieren UND Kinder zu bekommen."

Ich habe keine Kinder bekommen und es zu meinem Abschluss mit sehr guter Note nicht in der Regelstudienzeit geschafft. Ich habe die Tage nicht gezählt, an denen ich mehr als Vollzeit am Schreibtisch saß. Vielleicht liegt das daran dass ich ein ineffizienter Mann bin, vielleicht sind Studienfächer aber auch einfach unterschiedlich in ihren Anforderungen an den Einsatz der Studierenden. Es kommt auch darauf an, was man als Regelstudienzeit definiert hat. Bei uns war Regelstudienzeit zugleich die Mindeststudienzeit, also der Zeitraum, in dem man gerade alles unterbringen konnte, was Pflicht war. Und bei Bachelor/Master weiß man genau, was Pflicht ist, nicht wie beim Diplom.

Die Frage "wieso" jemand alleinerziehend ist oder sein könnte, erm nunja. Nicht alle Beziehungen halten ein Leben lang. Das ist ja keine Überraschung. Ich finde es aber wirklich befremdlich, ein Beziehungsende jemandem zum Vorwurf zu machen. Als würde man so etwas aus Jux und Dollerei beenden. Man kann vielmehr davon ausgehen, dass niemand leichtfertig gehandelt hat.

So, und nun noch eine Frage an meine Vorrednerin Lotte: Was würden Sie machen, wenn Sie beide in einer Prüfungsphase wären, 10 Stunden am Tag Schreibtisch minimum? Es ist schön, dass sie einen starken Partner haben, aber dessen Leben scheint ihren Erfolg eben auch mit zu ermöglichen. Nicht jeder Frau ist das vergönnt, Beziehung hin oder her.

"Drei Jahre" steht gar nicht im Nebensatz, sondern im Hauptsatz

Die Autorin hat uns diese Information gar nicht nebenbei untergejubelt, sondern offen angegeben.

"Meine kinderlosen Kommilitoninnen haben nach dem Studium sofort gute Jobs gefunden. Sie waren wohlgemerkt drei Jahre früher als ich mit der Uni fertig, die meisten haben dann noch einen Post-Graduate im Ausland drangehängt. Fast alle von ihnen möchten auch Kinder bekommen – aber irgendwann."

Wie wollen wir leben?

@ Leser 123, Kommentar Nr. 14:

Hm ... Aus Ihrem Beitrag schließe ich, dass es eine allgemeine Verunsicherung hinsichtlich vormals gefestigter Rollenbilder gibt. Da stimme ich Ihnen zu.

Die Schlussfolgerung scheint mir jedoch noch offen. Nach dem Motto "Wo kämen wir denn hin, wenn wir niemals losgingen" möchte ich dafür plädieren, dass wir unsere Bilder hinterfragen, nach neuen Wegen suchen. Die uns als Gesellschaft voranbringen und Bedürfnisse von Frauen, Kindern, Männern gleichermaßen berücksichtigen.

Bedeutung und Grammatik

Grammatikalisch haben Sie recht, es steht nicht um einen Nebensatz. Allerdings handelt es sich bei "etwas in einem Nebensatz unterjubeln" auch um eine Metapher und nicht um eine grammatikalische Analyse.

Die Autorin geht eben nicht offen damit um, dass sie kein Studium der gleichen Qualität wie ihre Kommilitonen absolviert hat (warum auch immer; drei Jahre mehr ist aktuell die Verdoppelung der Studiendauer der meisten grundständigen Studiengänge), das wird eben mal nebenbei fallengelassen. Wenn sie in Bewerbungen auf die gleiche Weise versucht, sich durchzuwurschteln, sind Absagen kein Wunder. Ihr sitzen ja keine Deppen gegenüber. Aber auch keine Unmenschen, die individuelle Lebenslagen nicht würdigen könnten. Sie muss aber von sich aus offensiv damit umgehen, ganz anders als in diesem Text.

Es soll sich jeder selber hinterfragen...

Würde Er/Sie bei der Auswahl verschiedener Bewerber diejenige wählen, welche länger studiert hat und daher keinen "post-graduate" im Ausland aufweisen kann, zudem Kinder hat, was ja nun nachweislich zu höheren Ausfall- und Fehlzeiten (z.B. wegen Krankheit der Kinder) führt. Oder die durch den "post-graduate" besser qualifizierte Person ohne Kinder?
Entscheidungen haben immer Konsequenzen. Jede Zeiteinheit im Leben kann man nur ein Mal belegt werden, und wer sich für eine Familie entscheidet, ob Mann oder Frau, opfert dafür Teile der Karriere oder die ganze. Eine andere Erwartung ist blauäugig.
Nebenbei, bevor es zu Missverständnissen kommt: Ich bin für einen großzügigen Ausbau der Kinderbetreuung und befürworte in jeder Hinsicht die Unabhängigkeit und Berufstätigkeit von beiden Elternteilen, sofern sie dies wünschen. Aber: Arbeiten können und sollen ist nicht das gleiche wie "Karriere".

Keine Nachteile

"...zudem Kinder hat, was ja nun nachweislich zu höheren Ausfall- und Fehlzeiten (z.B. wegen Krankheit der Kinder) führt."

Soetwas kann man auch umgehen. Wir leben mittlerweile im 21. Jahrhundert und hier ist Home Office keine Vision sondern gelebte Praxis. Wenn die Kinder krank sind kann die Mutter immerhin noch von Zuhause aus arbeiten.

Außerdem wäre es auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten schlauer eine 2-Fache Mutter einzustellen. Denn diese wird -statistisch gesehen- nicht mehr wegen Mutterschaftsurlaub 1-2 Jahre ausfallen. Bei Absolventinnen ohne Kinder kann es dagegen passieren, dass diese nach 3 Jahren erst einmal ausscheiden.

Man kann es

auch anders sehen:

Wer Kinder hat, handelt in der Regel verantwortlicher, weil an der Stelle nicht mehr nur das eigene Auskommen hängt, sondern das der Familie (ich sehe mal von Zuverdienern ab, aber darum scheint es hier auch nicht zu gehen).

Außerdem: Wer Familie hat und für Kinder sorgt, hat Organationserfahrung und Erfahrung im Umgang mit Menschen, die nicht immer so wollen wie man selbst.

Das sind hochwertige Qualifikationen.

Ausfallzeiten sind ein Problem nicht in allen Jobs - oftmals geht es ja mittlerweile um die fristgerechte Erledigung zugeteilter Aufgaben bei (relativ) freier Zeiteinteilung - was oft auch zuhause möglich ist.

Und bei den wenigen Terminen, die dann wirklich nicht verpasst werden dürfen, lässt sich notfalls Aufsicht für die Kinder organisieren - es geht ja dann in der Regel nur um halbe Tage.

Nein: Kinder können ein Qualifikationsvorteil sein. Problem sind eher Arbeitgeber, die das nicht begreifen, weil sie entweder keine Kinder haben oder diese abgeben - sei es an Ehepartner oder Kinderkrippen oder Dienstpersonal. In solchen Fällen sind sie natürlich auch keine Bereicherung mehr.

In meinem einstigen bescheidenen Wirkungskreis hatte ich immer gute Erfahrung mit solchen Vätern und Müttern, an deren Arbeit die Existenz der kleineren oder größeren Familie hing.

Da haben Sie mich falsch verstanden

Ich habe nie behauptet, dass Frauen mit Kindern nicht eigene Qualifikationen mitbringen, die für bestimmte Tätigkeiten vorteilhaft sein können.
Mir ging es um die Tatsache, dass die Autorin eine "Karriere" erwartet. Sie beschwert sich nun, dass bei diesem Wunsch Frauen bevorzugt werden, welche ihr Leben auf diese Karriere ausgerichtet haben. Und das ist naiv. Das ist genauso, als wenn man die Hälfte der Zeit für einen Marathon trainiert und dann enttäuscht ist, wenn diejenigen schneller sind, die doppelt so viel trainiert haben.
Sie sollte ihren "Karriere"-Wunsch aufgeben und sich einen Job suchen, der ihrem Profil entspricht, in welchem sie ihre besonderen Fähigkeiten auch einbringen kann und welcher ihr Zeit lässt, sich mit ihrer Familie zu beschäftigen. Da wird Sie meiner Meinung nach auch glücklicher sein...