Akademikerinnen bekommen zu wenig Nachwuchs, heißt es. Doch auch die bildungsnahen, beruflich ambitionierten Frauen in Deutschland sollen ihren Schöpfungsauftrag erfüllen. Deshalb lautet die neueste Empfehlung, schon während des Studiums Kinder zu bekommen.

Ein Vorteil sei, dass junge Akademikerinnen so den Karriereknick durch die Elternzeit umgehen können. Wenn Sie dann ihren Abschluss in der Tasche haben, so die Vision, sei der Nachwuchs schon bereit für den Elitekindergarten. Mamas steiler Aufstieg auf der Karriereleiter werde nicht von Mutterschutz oder Stillpausen gestört. Außerdem ist in den frühen Zwanzigern die Fruchtbarkeit am größten und das Multitasken liege den Frauen ja ohnehin.

Nun, ich habe es ausprobiert. Ich habe studiert und währenddessen zwei Kinder bekommen. Mein Studium als Mutter war geprägt von zermürbenden Sorgen, atemberaubenden Glücksmomenten, dem Ausfüllen einer unendlichen Flut von Formularen und durchwachten Nächten am Schreibtisch. 

Ich habe kaum geschlafen, wenig gegessen, war meistens außer Atem, immer unter Strom. Ich habe nebenher gearbeitet, um die laufenden Kosten zu decken, außer dem Notwendigsten habe ich keine Ausgaben getätigt. Und ich habe verzweifelt um den Erhalt meines Soziallebens gerungen. 

Letztendlich habe ich das geschafft, was mir streckenweise unmöglich schien: einen guten Abschluss. Mein Zeugnis habe ich zusammen mit meinen Töchtern entgegengenommen und vor Erleichterung und Stolz ein bisschen geweint.

Das ist nun ein Jahr her. Seitdem schreibe ich Bewerbungen. Mittlerweile bin ich zum Profi avanciert: Ich kann in kürzester Zeit Fakten über potenzielle Arbeitgeber recherchieren, meinen Lebenslauf an Unternehmen anpassen und dazu knackig-prägnante Motivationsschreiben verfassen. Und genauso kann ich den Standard-Wortlaut der Absagen auswendig herunterbeten.

Meine kinderlosen Kommilitoninnen haben nach dem Studium sofort gute Jobs gefunden. Sie waren wohlgemerkt drei Jahre früher als ich mit der Uni fertig, die meisten haben dann noch einen Post-Graduate im Ausland drangehängt. Fast alle von ihnen möchten auch Kinder bekommen – aber irgendwann.

Ich bereue meine Entscheidung nicht, früh Mutter geworden zu sein. Eine Familie zu haben ist für mich das Wichtigste im Leben. Doch ich hätte das Studium mit Kindern nicht durchgestanden ohne den Ansporn, dass am Ende der Prüfungen der Beginn einer Karriere stehen würde. Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Die nächste Bewerbung, die ich verschicke, ist für ein einjähriges Aufbaustudium.