Im deutschsprachigen Raum nutzen mehr als 30 Millionen Menschen Facebook . Für die meisten Unternehmen gehört die Fanpage mittlerweile wie selbstverständlich dazu. Sie werben auf Facebook für Produkte und wollen ihre Kunden an sich binden. Daneben geht es Firmen beim Social-Media-Einsatz vor allem darum, sich als attraktiven Arbeitgeber zu präsentieren und geeignete Fachkräfte zu finden. Besonders größere Unternehmen haben zu diesem Zweck eigene Karriere-Fanseiten auf Facebook.

Wie aber gelingt die Kandidatensuche mit Social Media ? Das ist derzeit ein heiß diskutiertes Thema unter Personalmanagern. Immer noch gibt es keine klaren Konzepte, und viele Personalverantwortliche sind im Umgang mit Facebook unsicher. Häufig ist auch nicht geklärt, wer die Karriere-Fanseite dort betreuen soll: Ist die Personalabteilung zuständig, oder doch besser die Kommunikationsabteilung?

Eine neue Studie der Social-Media-Recruiting-Agentur Atenta hat nun untersucht, wie Unternehmen Facebook nutzen. Verglichen wurden knapp 300 Karriereseiten auf Facebook von mittelständischen und größeren Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz . Die Untersuchung zeigt, dass Facebook ein fester Bestandteil im Personalmarketing und bei der Bewerbersuche geworden ist, jedoch auch, dass immer noch ein großer Nachbesserungsbedarf besteht.

So binden nur 45 Prozent der Unternehmen überhaupt ihre offenen Stellen in die Facebook-Seite ein, und nur 43 Prozent weisen auf Karriereperspektiven hin. Auf die Postings der Community reagiert nicht einmal die Hälfte der Firmen. Gerade einmal jedes siebte Unternehmen stellt die zuständigen Ansprechpartner für Karrierefragen vor. Das wirkt, als wollten die Firmen keinen echten Dialog. Bewerber werden eher vergrault als begeistert.

Wenig Reaktion führt zu weniger Sichtbarkeit

Das Nicht-Reagieren hat weitere Nachteile: Facebook basiert auf einem Algorithmus, der dazu führt, dass die Beiträge der Unternehmen einem immer geringer werdenden Teil der Community angezeigt werden, wenn die Firmen nicht aktiv diskutieren. Der Algorithmus deutet die geringe Aktivität als mangelhafte Qualität der Postings. Reagieren die Firmen auf die Beiträge ihrer Fans nicht, wird so letztlich das ganze Social-Media-Engagement ad absurdum geführt.

Meist ist fehlende Initiative oder Unterstützung aus dem Management für den stümperhaften Facebook-Auftritt verantwortlich. Zugleich mangelt es in den Personalabteilungen an Marketing- und Social-Media-Affinität. Noch immer fehlt es an Mitarbeitern, die sich in den Netzwerken sicher bewegen.

Gibt es ein Social-Media-Team im Unternehmen, dann gehört es in der Regel zur Markting- oder Kommunikationsabteilung, hat aber mit der Personalabteilung wenig zu tun. Die Abteilungen arbeiten aneinander vorbei, die Ressourcen werden nicht richtig genutzt. Viele Firmen haben gar nicht klar definiert, was sie mit der Seite bei Facebook eigentlich erreichen wollen. Nicht zuletzt beklagen viele Personalmanager, dass ihnen für Personalmarketing-Aktivitäten bei Facebook gar kein Budget zur Verfügung steht.

Erstaunlich dagegen scheint, dass 78 Prozent der Unternehmen ihre Fans auf Facebook duzen. Diese persönliche Form der Ansprache wird auch nicht als Mangel an Seriosität empfunden, sondern als Anpassung an die allgemeine Tonalität bei Facebook. Entsprechend ist auch die Wahrnehmung der potenziellen Kandidaten: Selbst hochqualifizierte Fachkräfte nehmen das Duzen nicht als unseriös wahr, sondern als persönlich und dem Facebook-Kosmos angemessen.

Bewerber schenken der Facebook-Seite viel Beachtung

Immerhin haben die Firmen verstanden, wie Facebook-Postings genutzt werden. Bilder und Videos gehören in der Regel dazu. Schon jetzt nutzt jedes zweite Unternehmen Videos, die Einblicke in die Arbeitswelt und Berufsbilder seiner Mitarbeiter geben.

Dass sich der Aufwand lohnen kann, stellt die Studie ebenfalls fest: Die Mehrheit der Kandidaten nimmt die Aktivität der Firmen auf Facebook wahr. Für viele ist die Facebookseite des Unternehmens auch ein wichtiger Aspekt, um einzuschätzen, wie sich das Unternehmen als Arbeitgeber darstellt . Zugleich zeigt sich, dass durch Facebook Stellen tatsächlich schneller und teilweise kostengünstiger besetzt werden können und zugleich die Arbeitgebermarke gestärkt wird.