FachkräftemangelStahlfirma lockt Bewerber mit Tickets für Heavy-Metal-Festival

Wie finden Firmen in strukturschwachen Regionen neues Personal? Ein Unternehmen aus Schleswig-Holstein geht ungewöhnliche Wege und kooperiert mit dem Wacken-Festival. von 

Krempe ist ein Städtchen im schleswig-holsteinischen Nirgendwo – knapp 50 Kilometer nördlich von Hamburg entfernt. Hier gibt es viel Landwirtschaft, ein wenig Tourismus und wenig Industrie. Eine strukturschwache Region, nicht gerade ein leichtes Umfeld, um Fachpersonal zu finden. Die meisten jungen, gut ausgebildeten Fachkräfte zieht es lieber in Großstädte.

Wie macht man sich in einer solchen Region als Arbeitgeber bekannt – und attraktiv? Das Stahlbauunternehmen Butzkies geht einen ungewöhnlichen Weg bei der Personalsuche: Es setzt auf Heavy Metal. Möglich macht es die Nähe zum Örtchen Wacken.

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Einmal im Jahr gerät das 2.000-Einwohner-Dorf in den Ausnahmezustand. Im Sommer pilgern Zehntausende Musikfans zum weltweit größte Heavy Metal Open Air, dem Wacken Open Air (W:O:A) . Gut 85.000 Besucher aus aller Welt fallen jedes Jahr in Wacken ein . Die Konzertkarten sind in der Regel schon nach wenigen Stunden ausverkauft. Auch für das kommende Jahr gibt es keine Tickets mehr.

Es sei denn, man bewirbt sich auf eine Stelle bei der Firma Butzkies . Seit neustem kooperiert das örtliche Stahlunternehmen mit dem Festivalveranstalter. Gegen eine Spende an die Wacken Foundation hat das Unternehmen zwei Ticketpakete mit je zwei Karten für das Open Air im kommenden Sommer erhalten. Diese will Butzkies unter den Bewerbern um eine Stelle als Bau-Ingenieur verlosen. Bis zum 20. Dezember läuft die ungewöhnliche Belohnungsaktion.

Initiative für die Region

Die Stahlbaufirma aus Krempe, die unter anderem für Airbus , BMW und Audi tätig ist, sucht dringend einen neuen Ingenieur. Bislang setzte das Unternehmen auf Headhunter, aber der Erfolg war mäßig. Firmenchef Kay Butzkies-Schiemann glaubt, dass das am Standort liege. Dabei biete die Region Steinburg viel Lebensqualität. "Und das wird heute immer wichtiger", so der Unternehmer.

Tina Groll
Tina Groll

Tina Groll ist Redakteurin im Ressort Karriere bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Die Aktion könnte Vorbild für andere Unternehmen in strukturschwachen Regionen sein. Allein in Schleswig-Holstein sollen bis 2020 rund 253.000 Fachkräfte in der Wirtschaft fehlen. Ihnen muss die lokale Wirtschaft die Lebensqualität auf dem Land vermitteln. Das ist auch das Anliegen der Festivalmacher. Sie betonen die lokale Verankerung des Open Airs. Seit 23 Jahren veranstaltet Holger Hübner zusammen mit seinem Team das Großereignis. Auch er weiß um den Mangel an Fachkräften in der Region. Er setzt auf den Zusammenhalt der Menschen auf dem Land. "Uns liegt die Region am Herzen. Wir haben breite Unterstützung der Wackener, aber auch des gesamten Kreises und Landes."

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Leserkommentare
  1. nur an der Region liegen.
    Frage eins welches Gehalt bietet die Firma (schätze um die 30k Brutto/Jahr), da dürften die 50k-80k Fantasiegehälter der Presse sich so etwas von in Luft auflösen.
    Welche Quali verlangt die Firma 30 Jahre und davon 20 Jahre Berufs- und Projekterfahrung?
    Schätze Ausschlusskriterium 40 Jahre und älter?
    Was erwartet man von Headhunter, mMn rausgeschmissenes Geld, da diese nach anderen Kriterien auswählen als die Unternehmen selber.
    Da werden von Ing. mit 15 und mehr Jahren Berufs- und Projekterfahrung Assesments verlangt, was mMn schon beleidigend ist und denn man glaubt Bittsteller vor sich zu haben.
    Da sollten die dt. Unternehmen mal im Ausland schauen was dort Ings. geboten wird.
    Geregelte Arbeitszeiten, Benefits (Krankenzusatzversicherungen, Pensionsfonds, VwL zusätzliche in bar, Geld für Berufskleidung, andere Versicherungen) Überstundenausgleich innerhalb vorgegebenen Zeitraum, keine Probezeit und regelmäßige Gehaltserhöhungen.
    Da kann man Tickets für das Festival vergessen, denn für Glasperlen kann man sich nichts kaufen.
    Meine Eltern haben mir aus einem lokalen Blatt in D eine nette Anzeige eines Personaldienstleisters zugemailt, der seinen neuen Mitarbeitern bei Anstellung einen Weihnachtsbaum spendiert.

  2. Ob der Firma die Unterschwelligkeit der Aktion bewusst ist? Die Autorin hat es offensichtlich nicht bemerkt... oder fehlt da einfach der Humor?

    Ich fände das einfach zu köstlich, um die zwei- drei Sprüche links liegen zu lassen die einem da spontan einfallen.

    :-D

  3. ....mit anständigen Gehältern ? Mit unbefristeten Verträgen ?
    Ist aber halt ein wenig teurer !!

  4. .
    "... aber der Erfolg war mäßig. Firmenchef {...} glaubt, dass das am Standort liege. ..."

    Da könnte er richtig glauben.

    Wer für ein brauchbares Theater, für ordentlichen Caffè oder, meist wesentlich schlimmer noch, für eine einigermassen anständige Gastronomie jenseits von Kohl-und-Pinkel immer "knapp 50 Kilometer" südwärts fahren muss (und danach die knapp 50 Kilometer wieder nachts nordwärts ins Outback), der lässt sich -Fachkräftestatus vorausgesetzt- aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mit einem Kartendoppel für einen etwas zu lauten Kindergeburtstag ködern.

    Die Firma sollte über eine tatsächlich ernsthaft spürbare Buschzulage samt bequemer Oberklasselimousine gratis für die 100 km von und zu Kultur nachdenken, dann wird das auch was mit dem Inschenöör.

    Die Kuhprovinz muss ganz allgemein an ihrer Attraktivität arbeiten, und diese Attraktivität liegt bei ein klein bisserl urban gebildeten und studierten Fachkräften selbst bei naturwissenschaftlichen Fächern nun mal überwiegend darin, dass man die Kuhprovinz wenigstens zeitweise hinter sich lassen kann und sich der Buschfaktor auf das Leben danach spürbar finanziell auswirkt.

    Nach China, Indonesien oder braun-Sachsen geht ja schliesslich auch kein Vernünftiger ohne deutliche Extraprämie.

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    Krempe liegt zwischen Itzehoe, Glückstadt und Elmshorn, und zwar direkt an einer relativ gut versorgten Bahnstrecke. Wenn man das möchte, ist man von dort auch schnell in Hamburg in der Oper. - Nach Glückstadt, übrigens ein äußerst hübsches Städchen an der Elbe, sind es, geschätzt, etwas weniger als zehn Kilometer, nach Itzehoe ungefähr fünfzehn und nach Elmshorn etwa zwanzig. Wer leidlich fit und einigermaßen windfest ist, schafft die Entfernungen auch per Rad, zumal die Gegend sehr, sehr flach ist... Man könnte auch in Glückstadt wohnen und in Krempe arbeiten, oder wie auch immer! Itzehoe und Elmshorn sind keine ausnehmend hübschen Städte, aber da sollte man eigentlich alles bekommen, was man braucht. - Also, ich glaube, die Protzkarosse kann sich die Firma sparen. Vielleicht sollte man an familienfreundliche Arbeitsbedingungen denken...

    • FranL.
    • 27. November 2012 19:38 Uhr

    Na, wenn man aus Leipzig oder Dresden kommt, geht man freiwillig nur in die bayerische Provinz, wenn dafür ein hohes Salär winkt, muß dabei natürlich Abstriche beim kulturellen Niveau machen.

    Karten für Rockkonzerte könnten mich nicht locken, ein Abonnement für die Philharmonie schon eher, aber nicht unbedingt in Hamburg, dann schon lieber BPO, Gewandhaus oder Dresden.

    • Ete2
    • 01. Dezember 2012 13:30 Uhr

    Sicher aus einer dieser schönen westdeutschen Großstädte wie Düsseldorf, Stuttgart oder Hannover. Noch nie in Sachsen gewesen, aber genau wissen, wie niedrig die Lebensqualität da ist. Wieviele Leipziger oder Dresdener kennst Du, die es nicht erwarten können, endlich aus dem braunen Sachsen in den goldenen Westen überzusiedeln? Die nur wegen dem reichhaltigen kulturellen Angebot, der schönen Landschaft, den niedrigen Mieten, geerdeten Menschen, vielen Kita-Plätzen und der großen Entfernung zu AKW und Endlagern gern hier leben, mit der niedrigen Lebensqualität aber komplett unzufrieden sind.

    [topic on]
    Die Aussage "Allein in Schleswig-Holstein sollen bis 2020 rund 253.000 Fachkräfte in der Wirtschaft fehlen." ohne Beleg anzuführen halte ich für ... fahrlässig? ... einen schlechten Witz? ... ich weiß nicht.

    Die Fakten sind jedenfalls:
    - S-H hat 2,84 Mio Einwohner (http://tinyurl.com/cvsho58)
    - Für Deutschland werden bei ca. 82 Mio Einwohnern etwa 41 Mio Erwerbstätige angegeben (http://tinyurl.com/9edfzma)
    - das sind rund 50 %; für S-H wären das noch 1,42 Mio Beschäftigte
    - von denen sind wiederum nicht alle Fachkräfte, sagen wir mal 1 Mio davon sind Fachkräfte
    - dann bedeutet der Satz in dem Artikel, dass auf 100 Fachkräfte von heute in den nächsten sieben Jahren 25 neue Fachkräfte kommen müssen, die nicht da sind.
    - Ruheständler, die durch Berufsanfänger ersetzt werden, sind hier nicht gemeint!
    - 25 % Wachstum in 7 Jahren ist Utopie, wer soll denn sowas glauben???

    • Linhse
    • 04. Dezember 2012 15:51 Uhr

    ....zu gleich wie unsachlich und oberflächlich sie argumentieren. ich gebe ihnen recht, dass ein job auf dem land nicht sehr attraktiv erscheint aber wenn man nicht nur in malbüchern lesen würde, dann wüsste man, dass beispielsweise in sachsen nicht nur renitente glatzen rum rennen sonderen auch menschen die arbeiten, studieren und ein normales leben führen, in städten die kultur und geschichte haben.

    das nächste mal einfach mal nachdenken bevor man hier irgendwelchen unqualifizierten s*** von sich gibt.

    danke!

  5. die firmen wollen nichts investieren, weder in gehälter
    noch in eine einarbeitung auf diejenigen stellen, noch in
    angepasste arbeitsverträge (z.b. familienfreundlichkeit),
    in dem fall butzkies.
    immer die gleiche ansagen auch auf jobmessen.
    und wenns kein ingenieur ist, warum keinen meister. dieses geweine der firmen, provoziert oder nicht, kann man nicht mehr hören.

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    Meister nicht projektieren kann und von statischen Berechnungen auch nicht ausführen kann, das ist nicht abwertend gemeint nur ist so und das es wahrscheinlich auch um Konstruktion/Planung geht, wird eine Bauvorlageberechtigung notwendig sein, die man nur als Architekt/Innenarchitekt und Hochbauing. bekommt, selbst Tiefbauings. im Stahlbau bekommen diese nicht.

  6. ..."händeringend"(nicht einmal dieses blöde Wort lässt man aus) EINEN Ingenieur sucht und angeblich nicht findet (vermutlich liegt es eher am hochgeschraubten Anforderungsprofil als am Standort), soll uns die Fantasiezahl von schon bald fehlenden 253000 "Fachkräften" ALLEIN IN S-H (nicht gerade als Boomregion berühmt) untergejubelt werden. Sehr plausibel

  7. wäre die Übernahme von Umzugskosten und ein Garantievertrag über mindestens zwei Jahre. Für Verheiratete Jobangebot für die Ehefrau etc.

    Dann könnte Butzkies bundesweit in den auflagenstärksten Blättern werben, und wird sich vor Bewerbern kaum retten können.

    Das Risiko für vielleicht nur einige Monate dort arbeiten zu können, nachdem man vorher eine fünfstellige Summe für Umzugskosten, Neuanschaffungen investiert hat, wird den allermeisten Bewerbern einfach zu hoch sein.

    Seit SH mit Vogelmixern gepflastert wird, hat die Attraktivität stark gelitten.

  8. Meister nicht projektieren kann und von statischen Berechnungen auch nicht ausführen kann, das ist nicht abwertend gemeint nur ist so und das es wahrscheinlich auch um Konstruktion/Planung geht, wird eine Bauvorlageberechtigung notwendig sein, die man nur als Architekt/Innenarchitekt und Hochbauing. bekommt, selbst Tiefbauings. im Stahlbau bekommen diese nicht.

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    GENAU diese typisch deutsche Einstellung ist ein Grund für den Fachkräftemangel!
    Chancen geben! Und gemeinsam profitieren-und was man nicht kann, kann man erlernen!

    DAS könnte man sich von den Amis abgucken, wenn man eben diese Engstirnigkeit ablegen würde.

    jedenfalls in der technikbranche. meister haben oft eine sehr gute auffassungsgabe und können kundenwuensche von der theoretischen wie praktischen sehr gut begegnen. und rechnen können sie auch. in der baubranchen sind die regeln vielleicht anders.
    aus der automationbranche heraus zitiert, steckt hinter der ingenieursausbildung (bachelor), mehr mythos wie das eigentliche unterschiede wirklich existieren.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Airbus | BMW | Audi | Fachkräftemangel | Tourismus | Arbeitgeber
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