Online-Profile : Hitliste der abgedroschenen Selbstbeschreibungen

LinkedIn hat ausgewertet, wie sich Bewerber weltweit am häufigsten beschreiben und eine Hitliste erstellt. Die Schlagworte zeigen, was auf dem Arbeitsmarkt gefragt ist.

An schöpferischen Menschen scheint wahrlich kein Mangel zu herrschen. Zumindest an Menschen, die sich dafür halten. Weltweit und in Deutschland ist die Selbstbeschreibung "kreativ" die Nummer eins der am häufigsten in den Mitgliederprofilen des Netzwerkes LinkedIn genutzten Begriffe.

Die Betreiber haben eine Liste der in den 187 Millionen Profilen überstrapazierten Schlagwörtern für 2012 zusammengestellt. LinkedIn veröffentlicht die Rangliste zum dritten Mal. Auch in der Liste für das Jahr 2011 war "kreativ" der Spitzenreiter in deutschen Profilen. 2010, als die Studie zum ersten Mal durchgeführt wurde, stand "innovativ" an vorderster Stelle.

Die zehn meistgenutzten Schlagwörter in deutschen Profilen sind:

1. Kreativ
2. Verantwortungsbewusst
3. Analytisch
4. Motiviert
5. Innovativ
6. Erfolgsorientiert
7. Organisiert
8. Kommunikative Fähigkeiten
9. Effektiv
10. Internationale Erfahrung

Aus der Liste kann man erkennen, welche Eigenschaften Bewerber für auf dem Arbeitsmarkt oder generell in der Gesellschaft besonders gefragt halten. An der Konjunktur des Begriffs "Kreativität" sind die Unternehmen auch mit schuld. VW zum Beispiel bezeichnet die "Kreativität der Mitarbeiter" als "höchstes Gut". Als Erfolgsstrategie taugt es allerdings vermutlich nicht, in dieser Hinsicht einfach mit dem Strom zu schwimmen. Je häufiger eine Selbstbeschreibung ist, desto unauffälliger und unglaubwürdiger wird sie. Sprachwissenschaftler wissen, dass gerade die am meisten verwendeten Schlagwörter oft die geringste Aussagekraft haben.

Schlagwörter haben geringe Aussagekraft

"Wer hier auffallen will, sollte mit seinem Online-Profil aus der Masse hervorstechen . Millionen von Mitgliedern behaupten von sich, sie seien kreativ. Belege wie beispielsweise Verweise auf einzigartige, einfallsreiche, faszinierende Projekte sind eine Möglichkeit, sich abzuheben" empfiehlt Alexander Zipp von LinkedIn.

Zwischen den Selbstdarstellern gibt es erstaunliche nationale Unterschiede. "Für die unter anderem vom Bankwesen geprägte Wirtschaft in der Schweiz ist 'analytisch' die wichtigste Eigenschaft. In Malaysia , Saudi-Arabien , Südafrika , den Vereinigten Arabischen Emirate und Großbritannien führt 'motiviert', das dort als Codewort für 'zuverlässig' verstanden wird, die Ranglisten an", sagt Zipp.

Bei der Verwendung von Schlagwörtern sollte man sich stets des kulturellen Hintergrunds bewusst sein: Derselbe Begriff kann je nach Land unterschiedlich verstanden werden.

Erschienen in der WirtschaftsWoche

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Kommentare

28 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Glücklich und entspannt im Elfenbeinbüro

"Ich kenne einige Kollegen, die sich den Allerwertesten aufreißen, obwohl viel zu oft viel weniger von Ihnen verlangt wird. Und Aufstiegschancen oder Druck von der Firma gibts bei uns kaum."

Es gibt daneben auch so etwas wie Kunden und Wettbewerb. Glücklich, wer das negieren kann.

Insofern hat der "Kollege" aus dem ersten Beitrag schon recht: die Welt "da draußen" erfordert Charaktere, die keiner gesonderten Aufforderung bedürfen. Die Tatkräftigsten und Fähigsten nehmen die Dinge dann gleich selbst in die Hand. Die brauchen auch keine Profildiktion aus dem Bewerbungsratgeber.

Und sie sind ja sicher komplett anders...

Bei Ihnen steckt sicher ganz anderer Arbeitsethos dahinter.

Früher sagte man mal: Eigenlob stinkt. Heute leben wir halt im Zeitalter des totalen Marketings: Es ist nicht wichtig dass die Aussagen richtig oder realistisch sind, man muss lediglich "ankommen".

Aber ehrlich gesagt, finde ich das Eigenmarketing der Firmen als noch viel peinlicher, als das der Bewerber: Die residieren auf ihren Firmen-Webseiten auf gerne mal in irgendwelchen Fantasie-Gebäuden und eine Frau mit indischem Migrationshintergrund scheint die gefragteste Arbeitnehmerin in Deutschland zu sein. Diese Dame habe ich schon auf etlichen Firmenpräsentationen gesehen. Da bekommen wir oft ein "Mitarbeiter-Portrait" vor die Nase gesetzt, dass eher an eine Firma in den USA, denn in Deutschland erinnert. Nicht gegen Menschen mit Mitgrationshindergrund, aber dann wenigstens passend auf Deutschland.

Den Mut dort wirklich die eigenen Mitarbeiter zu präsentieren, haben nur wenige.

Das was sie hinterfragen

hat Sebastian Brant bereits in seinem "Narrenschiff" 1494 formuliert
"die weltt die will betrogen syn" oder wie es wahrscheinlich der GM-PC ZEIT Kommentator berichtigen würde.
"Mundus vult decipi, ergo decipiatur."

Muss jetzt mal Fragen wer aus Medien- und Geisteswissenschaftlern nutzt denn LinkedIn, der Nutzen erschliesst sich nicht, aber ist mit Facebook genauso.

Interessant. Wer bewirbt sich dabei um welche Stelle?

Benötigen u. U. akademisch Gebildete noch Nachhilfe beim Bewerbungsschreiben?

In der normalen Welt glaube ich, dass eine Bewerbung Auskunft über den Bewerber auf der Grundlage der Vorstellung sein sollte, die sich auch aus der Begründung seiner Berufswünsche herleiten läßt und zu seinen Zeugnissen passt.

Bei einem gewünschten Vorstellungsgespräch kann niemand etwas vom Wolkenkuckucksheim berichten, da sollte seine schriftliche Bewerbung schon zu seiner Persönlichkeit passen. Ganz altmodisch, Ehrlichkeit u. Sachlichkeit zeigt sich spätestens dann.Und dies sollen noch immer wichtige Eigenschaften sein. Bei einem Auszubildenden würde ich darauf achten, dass er lernen u. erfahren will und sich das wünscht, was er auch erreichen kann.