Talentsuche: Firmen vergessen ihre Praktikanten zu schnell
Viele Unternehmen halten keinen Kontakt zu ihren früheren Hospitanten, obwohl sich das lohnen würde. Eine Studie betont den Nutzen firmeneigener Netzwerke.
Drei bis vier Praktika absolvieren Studenten durchschnittlich. In der Regel sind sie mit den ersten Arbeitserfahrungen auch zufrieden. Und trotzdem gelingt es den Jobeinsteigern nicht, den Kontakt zu den Unternehmen auch zu halten. Das zeigt eine aktuelle Studie der Firmen IntraWorlds.
Die Macher der Studie haben Bachelorstudenten im Alter von 22 bis 26 Jahren befragt. Mehr als die Hälfte von ihnen studiert Ingenieurs-, Wirtschafts- oder Naturwissenschaften – also Studienfächer, in denen der Fachkräftemangel besonders groß ist. 80 Prozent der Studenten waren zufrieden mit ihren Praktika oder ihren Erfahrungen als Werkstudent. 57 Prozent konnten sich sogar vorstellen, bei den jeweiligen Arbeitgebern anzufangen.
Doch die Unternehmen scheinen diese Chance nicht zu nutzen. Nur 14 Prozent der befragten Studenten waren mit den Kontaktmöglichkeiten zu ihrem Ex-Praktikumsbetrieb zufrieden. Mehr als die Hälfte hatte sogar den Kontakt entweder ganz oder fast verloren – obwohl die Studenten gerne mit der Firma in Verbindung geblieben wären. An den Leistungen kann es nicht gelegen haben: Mehr als die Hälfte der Befragten konnte Zeugnisse vorweisen, in denen die Arbeitgeber ihre Leistungen als sehr gut oder gut einschätzten.
Digitale Kontaktpflege auf falschen Kanälen
Zwar wünschen sich die Expraktikanten vor allem persönlichen Kontakt. Noch lieber ist ihnen aber die digitale Kontaktpflege: Infos über offene Stellen, Einladungen zu Firmenevents und Neuigkeiten aus den Unternehmen.
Das Problem ist nur: Die meisten Unternehmen bieten einen solchen Service für ihre ehemalige Praktikanten, Hospitanten und Werkstudenten gar nicht an. Schlicht, weil es ihnen an Kapazitäten und Ressourcen fehlt. Und wer will schon eine Datenbank über ehemalige Praktikanten ständig aktualisieren?

Das Paradoxe an der aktuellen Lage ist: Auch die Firmen gaben in der Umfrage an, Interesse an dem Pool der jungen Talente zu haben. Nur passen offenbar die bisherigen Kontaktwege noch nicht zusammen. Besonders kleine und mittlere Unternehmen kümmern sich nicht um regelmäßige Kontakte, aber auch Konzerne vernachlässigen das Thema, so die Studie.
Das Ergebnis ist überraschend, weil die meisten großen Unternehmen Talent-Projekte haben. Allerdings nutzen diese die falschen sozialen Plattformen im Internet. Viele Firmen versuchen zwar die 20- bis 30-Jährigen mit Hochschulabschluss anzusprechen und als Kandidaten zu rekrutieren – allerdings wählen sie dafür gerne Facebook. Die Bewerber nutzen dagegen Facebook vor allem für private Zwecke.
Selbst wenn sie Fan der Karriereseite eines Unternehmens werden, wollen sie trotzdem nicht direkt von der Firma angesprochen werden. Die Studie zeigt, dass die Expraktikanten ihre Profilinformationen auf Facebook, aber auch in dem Karrierenetzwerk Xing besonders schützen und stark differenzieren, wer welche Informationen über sie einsehen darf. Mehr als zwei Drittel der befragten Studenten lehnt es außerdem ab, Profilinformationen für Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Facebook und Xing seien für Talent-Management-Maßnahmen weitgehend ungeeignet, so die Studie.





Die TRM-Studie von IntraWorlds steht hier zum kostenlosen Download zur Verfügung: http://www.intraworlds.de...
Wir haben den Link jetzt auch aktualisiert.
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Auch durch Wiederholung wird diese Behauptung nicht wahrer.
Stattdessen gibt es reichlich Bewerber, wenig tatsächlich freie Stellen und drei Millionen Arbeitslose sowie ein Heer an prekär Beschäftigten (auch Akademiker).
Außerdem eröffnet die Wirtschaftskrise einen weiteren Pool an Arbeitskräften, deren Gehaltsvorstellungen noch moderater sind als die deutscher Bewerber.
So erklärt sich ganz von selbst, warum die Unternehmen nicht mehr Mühe aufwenden wollen/müssen, um den Kontakt zu ehemaligen Praktikanten aufrecht zu erhalten.
so oft wiederholt wird, es gibt keinen Fachkräftemangel im MINT in D Frau Groll, lasen sie sich eine Reise in die Prairies finanzieren, da können sie sich dann mal anschauen, wie es aussieht wenn Firmen keine Fachkräfte haben.
Das Firmen kein Interesse an ihren Praktikanten haben ist auch verständlich, denn die kosten, wenn man sie als Ausgebildete anständig bezahlen muss. Und viele sind nicht mehr bereit für Löhne im Bruttobereich von unter 2400 Euro/Monat bei 50+h/Wochen zu arbeiten, aber das wissen sie wahrscheinlch auch selber.
Auch ihr Beispiel Automobilbranche ist ad absurdum zu führen, besonders wenn ihre eigenen Kollegen zeigen, was dort abgeht http://www.zeit.de/2012/1... oder hier im Staatsfernsehen zum Thema Mangel http://www.mdr.de/umschau...
MINT Absolventen in D sind Freiwild keine Gewerkschaft und keine Verbände die sich für sie einsetzen, da ändert auch die Scharade mit den Talent Communities nichts.
" Mehr als die Hälfte von ihnen studiert Ingenieurs-, Wirtschafts- oder Naturwissenschaften – also Studienfächer, in denen der Fachkräftemangel besonders groß ist"
Frau Groll: Ich bin Ingenieur (Automotive) und kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, daß Sie in diesem Punkt entweder bewußt falsch informieren oder falsch informiert wurden. Es gibt keinen Fachkräftemangel im Ingenieursbereich. Punktuell vielleicht, bei Spezialfirmen, bei denen ein oder zwei Mitarbeiter(innen) sich mit einem ganz speziellen Themengebiet befassen. Aber hier geht es um die Masse und nicht um die seltenen Ausnahmen.
"Das Problem ist nur: Die meisten Unternehmen bieten einen solchen Service für ihre ehemalige Praktikanten, Hospitanten und Werkstudenten gar nicht an. Schlicht, weil es ihnen an Kapazitäten und Ressourcen fehlt."
Es mangelt nicht an Resourcen, sondern an Willen bzw. Notwendigkeit.
MfG
FT
Hallo Fordfocus,
mag ja sein, dass Ihre persönliche Erfahrung eine andere ist. Allerdings beziehe ich mich hier auf die vorliegende, genannte Studie, die wissenschaftlich fundiert durchgeführt wurde. Sie können uns von daher nicht eine "bewusste Falsch-Informierung" unterstellen. Ich finde diese Unterstellung außerdem reichlich beleidigend.
Über das Phänomen des existierenden oder nicht-existierenden Fachkräftemangels unter Ingenieuren haben wir schon an anderer Stelle umfassend berichtet. Hier gehen, je nachdem, welche Lobbygruppe man fragt, die wissenschaftlichen Berechnungen auseinander. Unumstritten ist indes, wie Sie ja auch selbst einräumen, dass Fachkräfte in Spezialbereichen fehlen.
Ich würde mir wünschen, weniger Unterstellungen und Pauschalurteile lesen und stattdessen ernsthafte Auseinandersetzung mit einem Text zu erhalten. Dankeschön.
Beste Grüße
Tina Groll
Hallo Fordfocus,
mag ja sein, dass Ihre persönliche Erfahrung eine andere ist. Allerdings beziehe ich mich hier auf die vorliegende, genannte Studie, die wissenschaftlich fundiert durchgeführt wurde. Sie können uns von daher nicht eine "bewusste Falsch-Informierung" unterstellen. Ich finde diese Unterstellung außerdem reichlich beleidigend.
Über das Phänomen des existierenden oder nicht-existierenden Fachkräftemangels unter Ingenieuren haben wir schon an anderer Stelle umfassend berichtet. Hier gehen, je nachdem, welche Lobbygruppe man fragt, die wissenschaftlichen Berechnungen auseinander. Unumstritten ist indes, wie Sie ja auch selbst einräumen, dass Fachkräfte in Spezialbereichen fehlen.
Ich würde mir wünschen, weniger Unterstellungen und Pauschalurteile lesen und stattdessen ernsthafte Auseinandersetzung mit einem Text zu erhalten. Dankeschön.
Beste Grüße
Tina Groll
Wir haben den Link jetzt auch aktualisiert.
Eine unabhängige Berichterstattung sieht anders aus...
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Hallo Fordfocus,
mag ja sein, dass Ihre persönliche Erfahrung eine andere ist. Allerdings beziehe ich mich hier auf die vorliegende, genannte Studie, die wissenschaftlich fundiert durchgeführt wurde. Sie können uns von daher nicht eine "bewusste Falsch-Informierung" unterstellen. Ich finde diese Unterstellung außerdem reichlich beleidigend.
Über das Phänomen des existierenden oder nicht-existierenden Fachkräftemangels unter Ingenieuren haben wir schon an anderer Stelle umfassend berichtet. Hier gehen, je nachdem, welche Lobbygruppe man fragt, die wissenschaftlichen Berechnungen auseinander. Unumstritten ist indes, wie Sie ja auch selbst einräumen, dass Fachkräfte in Spezialbereichen fehlen.
Ich würde mir wünschen, weniger Unterstellungen und Pauschalurteile lesen und stattdessen ernsthafte Auseinandersetzung mit einem Text zu erhalten. Dankeschön.
Beste Grüße
Tina Groll
Sehr geehrte Frau Groll,
ich habe den Eindruck, daß Sie an den Einwänden von Leser Fordfocus vorbei argumentieren.
Die fehlenden Fachkräfte in Spezialbereichen, die Sie erwähnen, haben mit den Absolventen und Praktikanten des Artikels ja nicht wirklich etwas zu tun - im einen Fall geht es um Spezialisten mit mehr als 10 Jahren Arbeitserfahrung, im anderen Fall um Einsteiger, deren "Spezialisierung" sich mehr oder weniger auf die Diplomarbeit beschränkt.
Insofern ist die Frage, ob es wirklich einen allgemeinen Fachkräftemangel im MINT-Bereich gibt, schon erlaubt. (Im Spiegel gab es vor längerer Zeit mal einen interessanten Artikel : http://www.spiegel.de/kar...)
Sie sagen, Sie wünschen sich eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Ihrem Text - einige Leser haben Ihnen nun ihre Gedanken mitgeteilt, daß die mangelnde Talentpflege auch damit zusammenhängen könnte, daß die Firmen eben doch ohne auskommen. (Fordfocus schreibt: "Es mangelt nicht an Resourcen, sondern an Willen bzw. Notwendigkeit.") Leider haben Sie diese Aussage nicht kommentiert.
Es ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Ihrem Text, wenn in K2-4 erklärt wird, der vielfach postulierte "Fachkräftemangel" sei gar keiner, weswegen die Unternehmen nicht wirklich Aufwand betreiben müßten/wollten, um Praktikanten an sich zu binden.
Die Deutungen der von Ihnen angeführten Studie gehen für viele in der industriellen Praxis tätige Arbeitnehmer ins Leere.
Eine fundierte Erhebung ist immer noch die unverdächtige Auswertung vom DIW: "Für einen aktuell erheblichen Fachkräftemangel sind in Deutschland kaum Anzeichen zu erkennen"
http://www.diw.de/documen...
Ich stimme Ihnen zu, daß es ein Jammer ist, junge Leute mit akademischer und betrieblicher Erfahrung nicht an ein Unternehmen zu binden.
Aber Tatsache ist: Die Unternehmen haben's nicht nötig. Auch wenn das Bekenntnis anders ist.
Jedes Jahr wachsen mehr neue Interessenten nach als Arbeitnehmer ausscheiden. Und aus den EU-Ländern gibt es immer mehr Bewerber mit Praxiserfahrung.
k.
nicht nur Praktikanten.
Als ich in Eltenzeit war (nach fast 10 Jahren Betriebszugehörigkeit) erinnerte sich keine Personalabteilung, kein Chef an mich. Ich kriegte keine Einladung zu Betriebsversammlungen oder Weihnachtsfeiern.
Heute bin ich Führungskraft und meine Mitarbeiterinnen in Elternzeit bekommen selbstverständlich auf ihre private eMail Firmeneinladungen und Weiterbildungsangebote.
Es bleibt und ist eine Frage des Wollens.
Sehr geehrte Frau Groll,
ich habe den Eindruck, daß Sie an den Einwänden von Leser Fordfocus vorbei argumentieren.
Die fehlenden Fachkräfte in Spezialbereichen, die Sie erwähnen, haben mit den Absolventen und Praktikanten des Artikels ja nicht wirklich etwas zu tun - im einen Fall geht es um Spezialisten mit mehr als 10 Jahren Arbeitserfahrung, im anderen Fall um Einsteiger, deren "Spezialisierung" sich mehr oder weniger auf die Diplomarbeit beschränkt.
Insofern ist die Frage, ob es wirklich einen allgemeinen Fachkräftemangel im MINT-Bereich gibt, schon erlaubt. (Im Spiegel gab es vor längerer Zeit mal einen interessanten Artikel : http://www.spiegel.de/kar...)
Sie sagen, Sie wünschen sich eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Ihrem Text - einige Leser haben Ihnen nun ihre Gedanken mitgeteilt, daß die mangelnde Talentpflege auch damit zusammenhängen könnte, daß die Firmen eben doch ohne auskommen. (Fordfocus schreibt: "Es mangelt nicht an Resourcen, sondern an Willen bzw. Notwendigkeit.") Leider haben Sie diese Aussage nicht kommentiert.
Es ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Ihrem Text, wenn in K2-4 erklärt wird, der vielfach postulierte "Fachkräftemangel" sei gar keiner, weswegen die Unternehmen nicht wirklich Aufwand betreiben müßten/wollten, um Praktikanten an sich zu binden.
Die Deutungen der von Ihnen angeführten Studie gehen für viele in der industriellen Praxis tätige Arbeitnehmer ins Leere.
Eine fundierte Erhebung ist immer noch die unverdächtige Auswertung vom DIW: "Für einen aktuell erheblichen Fachkräftemangel sind in Deutschland kaum Anzeichen zu erkennen"
http://www.diw.de/documen...
Ich stimme Ihnen zu, daß es ein Jammer ist, junge Leute mit akademischer und betrieblicher Erfahrung nicht an ein Unternehmen zu binden.
Aber Tatsache ist: Die Unternehmen haben's nicht nötig. Auch wenn das Bekenntnis anders ist.
Jedes Jahr wachsen mehr neue Interessenten nach als Arbeitnehmer ausscheiden. Und aus den EU-Ländern gibt es immer mehr Bewerber mit Praxiserfahrung.
k.
nicht nur Praktikanten.
Als ich in Eltenzeit war (nach fast 10 Jahren Betriebszugehörigkeit) erinnerte sich keine Personalabteilung, kein Chef an mich. Ich kriegte keine Einladung zu Betriebsversammlungen oder Weihnachtsfeiern.
Heute bin ich Führungskraft und meine Mitarbeiterinnen in Elternzeit bekommen selbstverständlich auf ihre private eMail Firmeneinladungen und Weiterbildungsangebote.
Es bleibt und ist eine Frage des Wollens.
Im Grunde wären Praktika ein Instrument, potentiellen Nachwuchs wirklich gründlich kennzulernen. Aber oft werden überlasteten Mitarbeitern einfach konzeptlos Praktikanten als vermeintlich billige Aushilfskräfte zur Seite gegeben. Die haben kaum die Zeit, die Aushilfen produktiv einzuarbeiten, schon gar nicht diese für eine spätere Einstellung zu beurteilen.
Und die grossen Unternehmen verlassen sich bei der Auswahl ihrer Nachwuchsfachkräfte auf formalisierte "Assessment Center", heuern für deren Durchführung sogar externe Dienstleister mit manchmal dubiosen Methoden an.
Letztlich haben die Manager von heute Angst, Mitarbeiter selber auszuwählen und dann auch tatsächlich fest oder sogar unbefristet anzustellen. Am liebsten nur fertige Spezialisten und erst dann, wenn der Vertrag für den neuen Auftrag unterschrieben ist.
Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema des Artikels. Danke, die Redation/jk
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