VorstellungsgesprächWas darf der Chef den Bewerber nicht fragen?

Was ist rechtlich zulässig? Mit welchen Fragen im Bewerbungsgespräch sich Arbeitgeber angreifbar machen, erklärt der Jurist Ulf Weigelt in der Arbeitsrechtskolumne. von 

Gibt es beim Einstellungsgespräch Fragen, die ich als Arbeitgeber vermeiden sollte, fragt Michael Senner.

Sehr geehrter Herr Senner,

viele Arbeitgeber versuchen in Einstellungsgesprächen so viele Informationen wie möglich über potenzielle Mitarbeiter zu erfahren. Das Arbeitsrecht setzt hier aber Grenzen, denn Sie als Arbeitgeber müssen die Persönlichkeitsrechte der Bewerber wahren.

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Tabu sind deshalb Fragen nach Alter, Familienplanung, Rauchgewohnheiten, sexueller Orientierung, Gewerkschaftszugehörigkeit, geleistetem Wehr- oder Zivildienst sowie einer Schwangerschaft, selbst bei befristeten Stellen.

"Da staunt der Chef"

Was ist erlaubt, was nicht? Der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt gibt Antworten auf Nutzerfragen. Jede Woche, immer mittwochs in der Arbeitsrechtskolumne "Da staunt der Chef".

Schreiben Sie uns (und geben Sie dabei bitte Ihren Namen und Ihren Wohnort an). Wir freuen uns und wählen unter allen Problemen, die uns gestellt werden, jede Woche eine Frage aus und beantworten sie hier.

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In den meisten Arbeitsverhältnissen sind auch Fragen nach einer Partei- und Religionszugehörigkeit sowie politischen Ansichten verboten. Lediglich in sogenannten Tendenzbetrieben wie kirchlichen Einrichtungen oder in Parteien können Fragen hierzu erlaubt sein – aber: auch das nur abhängig von der zu erledigenden Aufgabe.

Grundsätzlich abzuwägen sind Fragen nach Schwerbehinderungen oder nach dem Gesundheitszustand sowie der körperlichen Konstitution. Solche sind nur erlaubt, wenn ein direkter Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz besteht. So ist die Frage nach einer HIV-Infektion erlaubt, wenn die künftige Tätigkeit ein Ansteckungsrisiko mit sich bringt (z.B. bei bestimmten Jobs im Gesundheitswesen).

Fragen nach Nebenjobs sind erlaubt

Ein weiterer Sonderfall ist die Arbeitserlaubnis für ausländische Arbeitnehmer. Die Frage nach ihr ist nur bei Nicht-EU-Bürgern zulässig. Ein klares Fragerecht dagegen hat der Arbeitgeber bei weiteren Beschäftigungsverhältnissen neben dem beabsichtigten. Denn Nebenjobs können zu einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit und -bereitschaft des Bewerbers nach seiner Einstellung führen.

Ulf Weigelt
Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

Immer berechtigt sind Fragen zur Qualifikation sowie Wettbewerbsverboten. Auch Fragen nach einer zu Beginn des Beschäftigungsverhältnisses zu verbüßenden Strafhaft sind statthaft. Ein Führungszeugnis jedoch darf der Arbeitgeber nicht generell verlangen. Auch sind Fragen nach Vorstrafen oder laufenden Ermittlungsverfahren nur erlaubt, soweit es sich um objektiv einschlägige Vorstrafen oder Strafvorwürfe handelt. Es muss dann um ein besonders vertrauensvolles Arbeitsverhältnis gehen (z.B. als Finanzfachmann). In solchen Fällen sind Fragen nach Vermögensverhältnissen ebenso erlaubt.

Beantwortet der potenzielle Mitarbeiter nicht zulässige Fragen falsch oder verweigert er die Antwort, darf ihm später daraus kein Nachteil erwachsen. Falschauskünfte zu berechtigten Fragen dagegen können ihn später den Job kosten – wenn der Arbeitgeber Kenntnis erlangt, spätestens jedoch ein Jahr nach Kenntniserlangung.

Ihr Ulf Weigelt

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Leserkommentare
  1. Im Verlauf dieser Tätigkeit zeigt sich schnell ob er auf Dauer geeignet ist
    und Fragen die nicht erlaubt sind ergeben sich dann ebenfalls.
    Ist das so von den Gewerkschaften wirklich gewollt?

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    Abgesehen von Zeitarbeit sollte die Probezeit von bis zu 6 Monaten zum testen ausreichen, ansonsten gibt es ja noch: Probearbeiten, Probezeit verlängern, befristete Verträge, mehrfache Befristungen hintereinander, mehrere Unternehmen mit wenig Mitarbeitern statt ein Unternehmen mit vielen Mitarbeitern

    • shtok
    • 27. März 2013 18:05 Uhr

    sie sich mal über die Vertragsbedinungen zwischen Zeitarbeitsfirmen und den Firmen besonders im Akademikerbereich, dann wird ihnen schnell klarwerden das daraus keine permanenten Arbeitsplätze werden. Da geht es tlw. um Ablösesummen von einem Brutto- Jahresgehalt.

  2. ."Tabu sind deshalb Fragen nach Alter". Wie hat man sich das konkret vorzustellen? Ein Lebenslauf ohne Geburtsdatum sieht schon etwas seltsam aus und aus dem Datum vom Abitur (oder anderem Schulabschluss) kann man i.d.R. das Geburtsdatum auf 1-2 Jahre genau abschätzen.

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    Nach dem Alter darf man nicht fragen (und sollte man wohl auch nicht), aber auf jedem Zeugnis / Nachweis steht das Geburtsdatum.

    • hladik
    • 27. März 2013 11:16 Uhr

    Der steht ja idR auch im Lebenslauf.

  3. Abgesehen von Zeitarbeit sollte die Probezeit von bis zu 6 Monaten zum testen ausreichen, ansonsten gibt es ja noch: Probearbeiten, Probezeit verlängern, befristete Verträge, mehrfache Befristungen hintereinander, mehrere Unternehmen mit wenig Mitarbeitern statt ein Unternehmen mit vielen Mitarbeitern

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  4. Nach dem Alter darf man nicht fragen (und sollte man wohl auch nicht), aber auf jedem Zeugnis / Nachweis steht das Geburtsdatum.

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    Antwort auf "Theoretisches Tabu"
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    • ffes
    • 27. März 2013 14:35 Uhr

    Bewerber sollten sich einmal ihrer Sozialversicherungsnummer ansehen, bevor sie beim Alter flunkern.

    "Nach dem Alter darf man nicht fragen"
    --------------
    Natürlich darf man danach fragen, warum das denn nicht? Man ta nur nicht den Anspruch auf eine Antwort.
    Fragen darf man grundsätzlich alles.

  5. Warum ist das relevant ob jemand den Wehrdienst geleistet hat oder eben den Zivildienst.

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    Wohl eher nach den Gründen darf man nicht fragen. Gewissens-/Glaubensentscheidung vllt...

    Die Frage nach dem Wehrdienst, Funktion und Rang kann relevant sein um Führungskompetenzen zu ermitteln (insbesondere bei jeglicher Kaderfunktion).
    Pervertiert könnte man diese Fragen auch verwenden um "Drückeberger" zu identifizieren.
    Ich denke allerdings, dass es tatsächlich ehr um Gründe etc. geht, wie der Vorposter es geschrieben hat.
    Desweiteren ist es in Deutschland scheinbar nicht mehr so relevant.

    gerade bei jungen Bewerbern ist die Frage für den Arbeitgeber eigentlich sehr interessant. Denn hat der Bewerbende seinen Dienst noch nicht geleistet, kann er jederzeit eingezogen werden. Ist meinem Zivikollegen passiert der schon in die Schweiz gezogen war und dort eine Festanstellung hatte und dann dort alles aufgeben musste wegen dem Zivildienst.

    • Lydy
    • 27. März 2013 10:57 Uhr

    Warum darf der Staat die Bewerber nicht nur nach der Gesundheit fragen, sondern sie sogar zum Gesundheitsamt schicken? Ich kann keinen direkten Zusammenhang zwischen Übergewicht und dem Lehrerberuf finden.

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    • FranL.
    • 07. April 2013 23:24 Uhr

    schließlich sind Beamte in der Regel unkündbar, auch bei längerer Krankheit, daher ist es im Interesse des Staates, speziell der Steuerzahler, niemanden zu verbeamten der schon bald aus gesundheitlichen Gründen für längere Zeit freigestellt, gar pensioniert werden muß.

  6. Wohl eher nach den Gründen darf man nicht fragen. Gewissens-/Glaubensentscheidung vllt...

    • hladik
    • 27. März 2013 11:16 Uhr

    Der steht ja idR auch im Lebenslauf.

    Antwort auf "Theoretisches Tabu"

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