MitarbeitersucheArbeitgeber vertrauen auf Vitamin B

Onlinestellenportale und soziale Netzwerke werden wichtiger. Unternehmen setzen bei der Mitarbeitersuche aber vor allem auf persönliche Kontakte.

Kennst du jemanden, der …? Wenn Unternehmen nach geeigneten Kandidaten für offene Stellen suchen, zapfen sie vor allem ihr hausinternes Netzwerk an. Bei der Rekrutierung setzt die Mehrheit der Betriebe auf persönliche Kontakte und nicht etwa auf Onlinestellenportale oder soziale Netzwerke. Das geht aus einer Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zwischen 2006 und 2011 unter insgesamt 14.000 Betrieben hervor. Die Zahlen hatte das Kölner Institut der  deutschen Wirtschaft (IW) veröffentlicht.

Zur Auswahl standen etwa Möglichkeiten wie "Persönliche Kontakte", "Internet", "Zeitungsinserate", "Online-Stellenbörsen" und "Soziale Netzwerke". Ergebnis: Die Suche über das eigene Netzwerk steht an der Spitze, gefolgt vom Internet, der Suche über die Arbeitsagentur, Zeitungsinserate und Onlinestellenbörsen. Schlusslicht sind die sozialen Netzwerke.

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Fast alle Instrumente der Mitarbeiterrekrutierung wurden von den Unternehmen häufiger genutzt als noch 2006. Für das Kölner Institut ein Indiz, dass es schwieriger geworden ist, passendes Personal für offene Stellen zu finden. Die Spanne zwischen dem Tag, an dem das Unternehmen eine Stelle ausschreibt und der Einstellung des Mitarbeiters betrug zuletzt 100 Tage. Vor drei Jahren lag der Wert noch bei 27 Tagen. Der Grund: Die Arbeitslosenzahlen sind zuletzt innerhalb weniger Jahre von fünf Millionen auf drei Millionen gesunken. Hinzu kommt die alternde Bevölkerung. Es gibt also tendenziell weniger Bewerber, die zu den ausgeschriebenen Stellen passen. 

Persönliche Kontakte zählen

2011 rekrutierten 49 Prozent der Unternehmen die Angestellten über persönliche Kontakte, die Zahl ist seit 2006 um neun Prozentpunkte gestiegen. Betriebe fragen ihre Mitarbeiter etwa, ob sie jemanden kennen, der für die offene Stelle geeignet wäre. Darüber hinaus versuchen Betriebe, Nachwuchskräfte über Schülerpraktika oder Abschlussarbeiten an sich zu binden. Das zeigt eine andere Untersuchung des IW unter 2.000 Betrieben. Mehr als die Hälfte der Unternehmen findet über persönliche Kontakte seine Mitarbeiter, heißt es dort.

Im Internet suchen die Firmen vor allem über die eigene Homepage. "Weil die Kosten für dieses Medium relativ günstig sind, haben 44 Prozent der Unternehmen Stellenangebote auf der eigenen Homepage platziert," schreibt das Institut.

Zwar suchen mehr Unternehmen über das Internet nach Mitarbeitern als etwa über Zeitungsanzeigen. Doch die Erfolgsquote ist bei Inseraten in der gedruckten Presse höher. Lediglich 18 Prozent hatten mit der Suche über das Internet Erfolg, bei den Zeitungsinseraten waren es 50 Prozent, heißt es.

An dritter Stelle bei der Personalsuche stehen die Arbeitsagenturen. Private Arbeitsvermittlungen hingegen haben einen äußerst geringen Stellenwert. Nur 14 Prozent der Firmen arbeiten mit solchen Vermittlern zusammen. Zwar ist der Wert von neun Prozent in 2006 gestiegen, gemessen an der Erfolgsquote von 37 Prozent ist er aber noch relativ gering. Die staatlichen Arbeitsagenturen weisen eine Quote von 30 Prozent auf.  

Erschienen in der WirtschaftsWoche.

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Leserkommentare
  1. Der Artikel bietet keine große Überraschung. Eine Empfehlung eines vertrauenswürdigen und verlässlichen Mitarbeiters wäre mir als Arbeitgeber auch einiges wert. Neue Mitarbeiter sind halt immer ein Risiko. Da verlässt man sich lieber auf die Aussage eines bereits bekannten Mitarbeiter und stellt jmd. auf Empfehlung ein, statt jmd. völlig Fremdes neu in das Unternehmen einzuarbeiten.

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  2. dass die Unternehmen lieber netzwerkende mäßige Arbeitskräfte einstellen wollen, als gut ausgebildete, die das nicht tun.

    War da nicht was? Hängt der Erfolg des Unternehmens nicht auch davon ab, wie gut die Mitarbeiter sind? Oder wird das Ganze jetzt mehr und mehr zu einem Facebook-mach-doch-bei-uns-mit. Früher nannte man das Vetternwirtschaft. Und statt sich jetzt richtig gute Leute zu holen, geht man lieber nicht das Risiko ein, dass es auch mal daneben gehen kann... Tjo, scheint ja zu funktionieren ;)

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    "dass die Unternehmen lieber netzwerkende mäßige Arbeitskräfte einstellen wollen, als gut ausgebildete, die das nicht tun."

    Unternehmen werden sicher keine mäßigen Arbeitskräfte einstellen, nur weil sie gut vernetzt sind. Das eine ist Voraussetzung, um überhaupt empfohlen zu werden. Ich empfehle nur diejenigen, wo ich mir sicher bin, dass sie die Eigenschaften auch erfüllen. Ich will mir ja nicht meinen guten Ruf ruinieren. Nicht immer alles so negativ sehen, nur weil man vielleicht selbst nicht den Mut aufbringt, sich gut zu vernetzen.

  3. "dass die Unternehmen lieber netzwerkende mäßige Arbeitskräfte einstellen wollen, als gut ausgebildete, die das nicht tun."

    Unternehmen werden sicher keine mäßigen Arbeitskräfte einstellen, nur weil sie gut vernetzt sind. Das eine ist Voraussetzung, um überhaupt empfohlen zu werden. Ich empfehle nur diejenigen, wo ich mir sicher bin, dass sie die Eigenschaften auch erfüllen. Ich will mir ja nicht meinen guten Ruf ruinieren. Nicht immer alles so negativ sehen, nur weil man vielleicht selbst nicht den Mut aufbringt, sich gut zu vernetzen.

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    Antwort auf "Wie schön"
  4. so versucht man also dem "Fachkräftemangel" Herr zu werden.

    Ich fürchte, das wird nicht funktionieren.

  5. Nach meinen (Naturwissenschaftler) jüngeren Erfahrungen scheint das wirkliche Interesse von Arbeitgebern an potenziellen Kandidaten nicht allzu groß zu sein. Man hedged eine Menge Daten, aber man weiß, man sitzt am längeren Hebel. Man bekommt immer mehr Bewerbungen, als man Stellen hat.

    Bunte, einladende Webseiten sollen einem das Gefühl vermitteln, dass sich das Unternehmen um einen bemüht, an Talenten interessiert ist.

    Hat man sich lange und sorgfältig eine ansprechende, individuell formulierte Bewerbung überlegt, stundenlang diese unsäglichen "Online-Bewerbungsassistenten" ausgefüllt, alles hoffnungsfroh abgeschickt, bekommt man als Absage irgendwann, wenn überhaupt, einen maschinell erstellten Dreizeiler ohne Unterschrift per Email. Freundliche Anfragen, ob die mühsam eingegebenen Daten wenigstens im System verbleiben und für neue Stellen ggf. revidiert werden, bleiben unbeantwortet. Fast alles verläuft namens- und gesichtslos über "career@xxx.com". Da fühlt man sich so richtig wertgeschätzt als Arbeitnehmer, der etwas anzubieten hat...

    Vor knapp 10 Jahren hatte ich schon mal einen Bewerbungslauf, da herrschte noch eine ganz andere Kultur. Damals waren Absagen noch persönlich unterschrieben und vor allem so formuliert, dass man das Gefühl hatte, die Firma bedauert es wirklich, auf die angebotenen Fähigkeiten und Talente verzichten zu müssen.

    Im Schnitt habe ich auf 85% der Bewerbungen nach >5 Wochen noch überhaupt keine Antwort. So dringend kann es also nicht sein..

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  • Schlagworte Bevölkerung | Arbeitsvermittlung | Einstellung | Internet | Personal | Presse
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