Kürzlich hatten wir Sie gebeten, uns von Ihren ungewöhnlichsten und lustigsten Erfahrungen in Bewerbungsgesprächen zu berichten. Der Rücklauf war groß. Hunderte Leser haben auf Facebook, Twitter, im Kommentarbereich oder per E-Mail geschrieben. Die schönsten und schlimmsten Anekdoten möchten wir Ihnen nicht vorenthalten.

Leser Errare humanum est etwa schreibt: "Ein ehemaliger Mitstudent von mir arbeitet als Personaler in einer Stadtverwaltung. Gesucht wurde ein Friedhofsgärtner. Der Bewerber: ein Asperger-Autist. Mein Mitstudierender machte sich umfangreich vertraut mit der Entwicklungsstörung und telefonierte vorab mit dem Bewerber. Dieser verfügte über keine weiteren Einschränkungen, hatte ein normales Intelligenzniveau. Einzige Ausnahme: Er hatte Schwierigkeiten damit, die Emotionen anderer Leute nachzuvollziehen." Der Freund briefte die weiteren Gesprächsteilnehmer vor dem Gespräch ausführlich "mit dem Hinweis, dass man die Standardfragen verwenden kann. Erste Frage an den Bewerber durch einen der Gesprächsteilnehmer: 'Was stellen Sie sich unter einem Friedhof vor?'"

Von bizarren Fragen berichtet auch Leser Dominik P. Ma-Tan auf Facebook. Als Sohn einer deutschen Mutter und eines vietnamesischen Vaters wurde er von einem Juristen im Jobinterview auf seine Abstammung angesprochen. So weit in Ordnung – wäre da nicht die Frage gewesen, ob er denn dann "auch diese Ching-Chang-China-Sprache" spreche. Für den Juristen ein klassischer Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. "Leider war damals meine Leidenschaft für Arbeitsrecht noch nicht geweckt", schreibt er.

Um die Sprache ging es in einem Jobinterview, das Leserin Koboldspruch nach ihrer Ausbildung führte. In einer Firma wollte der Personaler wissen, warum sie denn kein Russisch spreche, wo sie doch aus Ostdeutschland komme. "Ich erklärte ihm dann freundlich, dass er meinem Lebenslauf auch entnehmen könne, dass ich 1992 eingeschult und somit nach 'westdeutschem' Standard unterrichtet wurde."

Absurde Rückschlüsse aufgrund seiner Abstammung erlebte auch Nutzer MaFed. Er hatte in seiner Bewerbung als Fremdsprachenkenntnisse Niederländisch/Flämisch angegeben, denn er wuchs wegen seiner niederländischen Mutter zweisprachig auf. "Aha", zitierte MaFed den staunenden Personaler: "Dann nehmen Sie doch bestimmt auch Drogen, oder?"

"Montags arbeite ich nicht. Da feiere ich noch"

Um Drogen ging es offenbar auch am Ende des Jobinterviews, das Userin miqua Johnson Ende der neunziger Jahre bei einer TV-Produktion in München hatte. Der Produzent soll ihrer Erinnerung nach offenbar Probleme mit seiner schniefenden Nase gehabt haben und fragte sie nach einem kurzen Gespräch, ob sie mit dem Auto da sei und ihn noch zu einem Freund fahren könne, denn er brauche noch "einen Kanten für heute Abend". Als Teamleiterin bei einer Firma in Berlin habe sie allerdings auch seltsame Erfahrungen mit Bewerbern gemacht. An eine Kandidatin – offenbar verkatert und mit Sonnenbrille – kann sie sich noch gut erinnern. Die Frau sagte unverblümt im Gespräch, dass sie montags generell nicht arbeiten könne. Denn da sei sie ja noch in der Bar25, einem Technoclub am Spreeufer in Berlin-Friedrichshain.

"Dann gebbe sie mir mol en Stift un Papier!"
Bewerberin, die sich ganz spontan in einem Pflegeheim vorstellte

Ähnlich offenherzig war eine Bewerberin, von der Rouven Schäfer, der Leiter der Human Resources Abteilung bei DocCheck, berichtet. Auf die Frage, warum sich die Frau "eine Tätigkeit in der Healthcare-Branche" grundsätzlich vorstellen könne, habe diese geantwortet: "Mich verbinden intensive Gefühle mit dem Healthcare-Markt." Verwirrt habe der Personaler nachgefragt: "Wieso, wie meinen Sie das?" Die Kandidatin antwortete: "Na, ich hatte mal was mit einem Arzt!"

Mit dem Leiter eines Mannheimer Pflegeheims führte eine Bewerberin ein recht spontanes Bewerbungsgespräch, wie Leserin Ulrike Bassier auf Facebook berichtete. Die Dame sei spontan vorbeigekommen, um sich vorzustellen. Der Chef wies sie überrascht darauf hin, dass sie sich schon schriftlich bewerben müsse. Worauf die Frau zackig gesagt haben soll: "Dann gebbe sie mir mol en Stift un Papier!"

Ähnlich hemdsärmliges Engagement legte Nutzer Gerry10 an den Tag. Er war eine Weile in Portugal unterwegs, wo er zunächst keinen Job fand. Frustriert kehrte er in eine Bar ein. Plötzlich flog eine Möwe herein, aber keiner der Angestellten konnte den Vogel einfangen, wie Gerry10 erzählt. Der Manager wollte schon zur Flinte greifen, da habe er eingegriffen, den Vogel gefangen und lebend vor die Tür gesetzt. So viel Einsatz gefiel dem Barbetreiber. Kurzerhand heuerte er unseren Leser mit folgenden drei Fragen an: "Suchst du Arbeit? Kannst du zuschlagen, wenn es sein muss? Und kannst du einen Manhattan mixen?" Vier Monate lang habe er diesen Job gemacht und dabei fließend Portugiesisch gelernt, schildert unser Leser.

Seltsames Detailwissen erfuhr Nutzer mironesco. Beim Abendessen mit der Geschäftsführung und der Personalleiterin nahm das Gespräch eine seltsame Wendung, als sich der künftige Chef und die Personalerin offenbar sachkundig über die amerikanische Pornoindustrie austauschten.