Ich habe mich auf eine Stellenanzeige beworben, allerdings eine Absage erhalten. Nun würde ich gerne wissen, wen das Unternehmen eingestellt hat. Steht mir diese Information zu?,  fragt Gerald Kaiser.

Sehr geehrter Herr Kaiser,

grundsätzlich haben abgelehnte Bewerber keinen Anspruch auf die Information, ob ein anderer Kandidat die Stelle bekommen hat. Einen Anspruch des Arbeitnehmers auf Auskunft gegen den Arbeitgeber, ob dieser einen anderen Bewerber eingestellt hat und gegebenfalls aufgrund welcher Kriterien, sah der 8. Senat des Bundesarbeitsgerichts nach nationalem Recht nicht. Gleichwohl legte das Bundesarbeitsgericht die Sache dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) vor.

In diesem Fall fühlte sich eine Bewerberin unzulässig benachteiligt. Um diese Benachteiligung belegen zu können, wollte sie wissen, wer die Position erhalten hatte. Der Arbeitgeber aber verweigerte der abgelehnten Bewerberin diese Information.

Daraufhin verlangte sie auf Grundlage des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) eine Entschädigung vom Arbeitgeber (sie vermutete eine Benachteiligung). Die Richter des BAG sahen hier jedoch den Arbeitgeber im Recht (Az.: 8 AZR 287/08). Das heißt, die Bewerberin hatte keinen Auskunftsanspruch.

Auch der EuGH verneinte einen Auskunftsanspruch und sah keine Verletzung des Gemeinschaftsrechts. Nur ganz ausnahmsweise kann die generelle Verweigerung jedes Zugangs von Informationen durch den Arbeitgeber eine Diskriminierung darstellen. Vorliegend hatte die Klägerin zwar auf ihr Geschlecht, ihr Alter und ihre Herkunft hingewiesen, jedoch keine ausreichenden Indizien dargelegt, welche eine Benachteiligung wegen des in § 1 AGG genannten Grundes vermuten lassen.

Zu Ihrem Fall: Der Arbeitgeber, bei dem Sie sich beworben haben, muss Ihnen ebenfalls nicht die Information zukommen lassen, wer die Stelle letztendlich erhalten hat.