ZEIT ONLINE: Frau Skubella, im Internet gibt es unzählige Seiten, die Bewerbungsvorlagen anbieten. Wie findet man da die richtigen?

Maja Skubella: Das kann ich nur einschätzen, wenn ich die Bewerbungsentwürfe sehe. Ich habe meine eigenen Vorlagen und Tipps.

ZEIT ONLINE: Welche sind das?

Skubella: Das Anschreiben ist sehr wichtig. In ihm vermittelt der Bewerber auf einer emotionalen Ebene seine Kompetenzen. Im Lebenslauf hingegen kommt es eher auf die sachlichen Infos an.

ZEIT ONLINE: Emotionale Ebene?

Skubella: Ja! Warum will man zum Unternehmen, warum ist man geeignet? Das ist die zentrale Frage, und die Begründung sollte den Empfänger des Schreibens emotional erreichen. Der Text sollte nicht flapsig sein, aber auch nicht zu steif. Er muss flüssig zu lesen sein. Vor allem aber: Er sollte eine Geschichte erzählen – außer man kann mit konkreten Zahlen und Erfolgen punkten. Wir alle lieben Geschichten, und gerade Geschichten kann man sich besonders gut merken. Man muss sich überlegen: Wie schafft man es, dass die Leute sich an einen erinnern?  

Maja Skubella (42) ist studierte Kommunikationswirtin und arbeitet seit 2009 in Hamburg. Sie berät Fach- und Führungskräfte bei Karriereschritten. ©Katrin Würtemberger/Studio 17

ZEIT ONLINE: Wenn man als Journalist eine Geschichte schreibt, hat man oft ein Publikum vor Augen. Wer ist das Publikum des Anschreibens?

Skubella: Es gibt unterschiedliche Typen: Zum einen die Nüchternen, die wollen Zahlen und Fakten haben – die kann man weniger mit einer emotionalen Geschichte packen. Dann gibt es die Emotionalen, die sehr empathisch sind, die Ecken und Kanten beim Bewerber mögen. Und schließlich die Offenen, die es auf sich zukommen lassen.

ZEIT ONLINE: Woher weiß man, welcher Personaler einen erwartet?

Skubella: Man kann sich das Unternehmen anschauen: Wie ist es aufgebaut, was für Leute arbeiten dort, was für eine Branche ist es. Dann die Ausschreibung: Was für eine Schriftart wurde verwendet, wie ist die Ausschreibung formuliert? Sind Quereinsteiger auch erlaubt? Wenn die Ausschreibung nur Erwartungen formuliert und dann abschließt mit: Wenn Sie glauben, dass Sie zu uns passen, freuen wir uns auf Ihre Bewerbung – dann sollte man eher sachlich im Anschreiben bleiben.

ZEIT ONLINE: Was raten Sie Bewerbern noch?

Skubella: Das Anschreiben sollte individuell, aber kurz sein. Maximal eine Seite. Bevor man es abschickt, kann man es gerne 24 Stunden liegen lassen. Denn meist übersieht man Fehler und bereut es im Nachhinein. Deswegen: Lieber noch einmal lesen.

ZEIT ONLINE: Wie formuliere ich einen guten Betreff der Bewerbungsmail?

Skubella: Ich würde zwischen Initiativbewerbungen und Bewerbungen auf konkrete Stellen unterscheiden. Bei konkreten Stellen sollte man natürlich Bezug zur Ausschreibung nehmen. Wenn man sich initiativ bewirbt, ist es wie bei einer guten Pressemitteilung: Man braucht einen Eyecatcher. Wieso sollte ein Unternehmen die Mail sonst öffnen?

ZEIT ONLINE: Kommen denn Initiativbewerbungen gut an?