"Die Fledermaus" in Berlin Glücklich ist, wer's vergisstSeite 2/2

Christine Schäfer als pinke Adele mit Ida (Helene Grass, li.), Orlofsky (Stella Grigorian, 2.v.l.) und Tänzern

Christine Schäfer als pinke Adele mit Ida (Helene Grass, li.), Orlofsky (Stella Grigorian, 2.v.l.) und Tänzern

  Schäfers zwar bewegungsfreudiger, aber eher kühler, rationaler Sopran bedient keine drallen Klischees, das wusste man vorher, und wer immer für die übrige Besetzung verantwortlich ist, den hat das nicht die Bohne interessiert.

Silvana Dussmann als trompetenhafte Rosalinde (immerhin stammt sie hörbar aus Österreich!), Martin Gantner als pflichtgeiler Eisenstein, die arme Stella Grigorian als Orlofsky, Stephan Rügamer (Alfred), Jochen Schmeckenbecher (Frank), Florian Hoffmann (Blind) sowie Roman Trekel, dessen Falke aus dem vorletzten Loch zu pfeifen scheint – wahlloser, charakterfreier lässt sich eine Fledermaus-Besetzung kaum zusammenschustern. Was für eine Blamage.

Zubin Mehta am Pult der Staatskapelle scheint all das wenig zu bekümmern. Wer, wie er, Leander Haußmann in München dirigiert hat (der im Gegensatz zu Pade und seinem Ausstatter Alexander Lintl allerdings noch eine gewisse salon-anarchistische Energie an den Tag legte), den graust es so schnell vor nichts. Mit viel preußischem Zack seltsamerweise, laut und derb geht Mehta die Ouvertüre an, Temporückungen wie ausgefranste Gummibänder, alles erschreckend vordergründig, ja ordinär. Dass die Wahrheit bei Strauß im Unterschwelligen liegt und im Sezierbesteck, in der Präzision des "Duidu", davon weiß Mehta nichts. Und so ziehen sie denn vorüber, die lieben alten Melodien, der Csardas, das Uhrenduett, Brüderlein und Schwesterlein – herzlos, kopflos, gefühlsdumm.

Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 23.11.2009

 
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