Kino Grusel vor dem Dämon im eigenen HausSeite 2/2

Aber reicht das, um den immensen Erfolg zu begründen? So könnte man etwa fragen, ob der Plot nicht auch eine wabernde Furcht der amerikanischen Mittelschicht auf den Punkt bringt: die Angst vor der Immobilienkrise, die Angst davor, von den Gläubigerdämonen in den eigenen vier Wänden heimgesucht zu werden. Der Film trifft auf ein Land, in dem Zwangsvollstreckungen den amerikanischen Traum vom Eigenheim zerstören. Verdient nicht Micah, in dessen Haus der Dämon einzudringen versucht, sein Geld als day trader, also als Spekulant? Leben Micah und Katie nicht genau jenes Suburbia-Leben, das von der Subprime-Hypothekenkrise betroffen ist? Sieht man Genrefilme als sinnstiftende Erzählungen, die aktuelle Probleme artikulieren und zu bewältigen helfen, so hat „Paranormal Activity“ für viele amerikanische Zuschauer gewiss eine lindernde Wirkung. Das Horrorpublikum spielt die Realängste im Reich des Imaginären durch – und bekommt sie dadurch halbwegs unter Kontrolle.

Vielleicht kommt im Erfolg des Films aber auch das Verlangen des Publikums nach einfachen Schauergeschichten zum Ausdrcuk, seit es von den Gewaltorgien der „Saw“-Filme und 3-D-Computereffektexzessen à la „My Bloody Valentine“ übersättigt ist. An den Wendepunkten in der Geschichte des US-Horrorfilms stehen seit jeher Low-Budget-Filme: von „The Night of the Living Dead“ (1968) und „The Texas Chainsaw Massacre“ (1974) über „The Evil Dead“ (1981) bis zum „Blair Witch Project“.

Zwar machte eine Berliner Preview vergangene Woche klar: Der harmlose Spuk von „Paranormal Activity“ passt nicht in diese Ahnenreihe. Das junge Publikum verlachte den Film. Dennoch könnte sich der Erfolg für Genrefans noch als Segen erweisen. Ein Mitproduzent von „Paranormal Activity“ sagte der „LA Times“: „Der Film beweist, wie man mit weniger mehr macht.“ Das klingt wie ein Versprechen.

 
Leser-Kommentare
    • wp
    • 19.11.2009 um 19:38 Uhr
    1. Soso

    "So haben Festival-Überraschungserfolge, Branchengerüchte und ein geschicktes Marketing – das dann doch zehn Millionen Dollar kostete – ein Ereignis kreiert, an dem kaum mehr jemand vorbeikommt."

    Aha. Und wieso sollte man an dem Film nicht vorbeikommen? Ich verspüre jedenfalls nicht den Drang, diesen Film zu sehen.

  1. 2.

    Sehr smartes Marketing - aber der Film erfüllt dennoch offenbar die aufgebaute Erwartungshaltung. Unerträglich spannend!

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