Claude Lévi-Strauss: In der Wildnis der ZivilisationSeite 3/3
Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum sich Claude Lévi-Strauss zeit seines Lebens mit den kleinen, schriftlosen Kulturen befasste, erst recht nach seinen Erfahrungen bei den Indianerkulturen Brasiliens. Die Erinnerung an diese Kulturen aufzuschreiben und der Nachwelt zu überliefern, das war sein tiefstes Motiv, und er war getrieben von der Furcht, die Monokultur der westlichen Zivilisation könnte die Kosmologien anderer Kulturen auslöschen und deren Sensibilität, dieses »Reservoir der Menschheit«, zerstören. »Ich glaube, dass es einige Dinge gibt, die wir verloren haben und die wir vielleicht versuchen sollten wiederzugewinnen.«
Und dennoch – einen Sinn vermochte Claude Lévi-Strauss dem Leben nicht abzugewinnen. Zuletzt fühlte er sich als der Greis, und selbst die Metaphysik der Liebe verwarf er. »Ich bin fest davon überzeugt, dass das Leben keinen Sinn hat, dass nichts einen Sinn hat.« Zum Buddhismus habe er eine gewisse Affinität gefühlt, wie er kurz vor seinem Tod sagte. »Zum einen weil der Buddhismus keinen persönlichen Gott kennt, zum anderen weil er zulässt, dass in der Abwesenheit des Sinns, im Nicht-Sinn, die letzte Wahrheit liegt. Diese Art von Glauben kann ich ohne Weiteres akzeptieren.«
Am vergangenen Samstag ist Claude Lévi-Strauss, einer der letzten großen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts, im Alter von hundert Jahren in Paris gestorben.







... grosser Suchender!
... ein sehr kluger und sehr bedeutsamer Mensch ist gegangen. Sie haben unser Bild von Kulturen verändert, Herr Lévi-Strauss, und das ist eine grosse Leistung. Danke dafür!
Es fälscht kategrial Ganzheitlichkeit vollends wie Barloewen journalistisch rückwärtig bleibend zu schreiben, Lévi-Strauss habe letztlich gleichsam Fünfe nicht g'rade sein lassen können während Durkheim, im Unterschied insbesondere zu Galilei, keinerlei Skrupel plagten zu widerrufen, wenn sowohl Durkheim als auch Lévi-Strauss Fünfe stets ung'rade ließen.
ist ein grosser Denker unserer Zeit von uns gegangen!
Mein inniglicher Dank ergeht an ihn und sein Lebenswerk!
Das Kind einer wilden Zeit beschreibt das 'wilde Denken', das Denken der Wilden. Die Wilden scheinen eher zahm und traurig zu sein in ihren menschenleeren Urwäldern, Wüsten und Savannen. Primitiv sind sie nicht, die 'primitiven Kulturen' - nur alt und nahe an der freien Wildbahn. Die Moderne mit ihrer Technik und Wissenschaft hat sie noch nicht erreicht. Filmexpeditionen und Aufenthalte von Ethnologen wie Lévi-Strauss haben sie uns nahegebracht.
Sicher ist Harmonie nicht immer erwartbar - sie muss manchmal bewusst gestaltet werden. Vor allem in Krisen. Ob sie ein unbekannter Gott prästabil ins Universum gesetzt hat ist eine Frage die Leibniz kategorisch bejaht. Ihre Regeln erkennen können nicht nur Aussenstehende sondern auch distanziert Darüberstehende die sich für diese Fragen Zeit nehmen können.
Dass ein Mensch wie Lévi-Strauss keinen Sinn im Leben sieht ist tragisch. Vielleicht war es die Konsequenz seiner voreiligen Flucht vor der Philosophie. Zeiten der Apokalypse machen es schwer einen Lebenssinn zu entdecken oder gar an Liebe zu glauben.
Fern sind sie uns. Nicht jeder ist ein Ethnologe der seine heimatliche Studierstube verlässt um Weltreisen zu unternehmen. Den anderen bleibt die Literatur und die Diskussion. Sie vermitteln uns das für uns Nützliche.
Die Primitivität der Wilden liegt in ihrer Einfachheit und fehlenden Komplexität. Ihre Wahlmöglichkeiten sind überschaubar. Ob einfaches Leben gutes Leben ist ist fraglich. Freuen wir uns über unsere gezähmte Kultiviertheit. Sie bedeutet ein Mehr an Freiheit.
1. der Autor benutzt Konzepte wie prälogisch, obwohl gerade diese Denken doch als kritikwürdig gilt und die Idee der Prälogik (Levy Bruhl) schon lange ad acta gelegt wurde. Dann wird erst primitiv ohne Anführungsstriche einfach so als Adjektiv benutzt, um dann zu klären, dass man es nicht so meint?
Ich bitte um mehr Stringenz gerade, wenn man einen Artikel zu ehren eines Ethnologen schreibt, sollte man ein solches Denken nicht diskreditieren, in dem man eine rassistische Dichotomie von Kultur und Natur fördert
2. Zum Kommentar von Herrn Seitz
Heute sind die sogenannten Lehnstuhlethnologen mehr Relikt als Tatbestand und weiter ist keine Kultur alt, sondern alle Kulturen immer im Wandel... niemand ist ein Urvolk oder ähnliches. Dies entspricht einer evolutionistischen Logik, die den westlichen Menschen an die Spitze stellt.
An alle: in Ehren doch bitte mehr Sensibilität dem Thema/ der Welt gegenüber!!!
Soll das heissen dass der westliche Mensch an der Spitze der Evolution steht?
Ich nehme befriedigt zur Kenntnis dass Ethnologen heute nicht mehr im Lehnstuhl sitzen. Für Geisteswissenschaftler nehme ich das aber gerne in Anspruch. Es muss auch Menschen geben die sich über die von Ethnologen produzierten Texte Gedanken machen, sie interpretieren und mögliche Problemlösungen daraus schöpfen. Das geht am Besten vom Lehnstuhl aus.
Gruss
Wenn ich mich nicht klar ausgedrückt habe. Ein Volk als alt zu bezeichnen ist evolutionistisch und zudem schlichtweg falsch, da Kultur und damit Kategorien und Gruppen immer dynamisch sind.
Mein Vorwurf an den Artikel war, dass er eine Brise zuviel Evolutionismus enthält.
(Sie, Herr Seitz, sind meist unbefangen und sehr wohl bereit über Ihre Wortwahl nachzudenken, wofür Sie von mir ein Kompliment bekommen müssen. Ich hoffe, dass es nun klar ist.)
Wenn ich mich nicht klar ausgedrückt habe. Ein Volk als alt zu bezeichnen ist evolutionistisch und zudem schlichtweg falsch, da Kultur und damit Kategorien und Gruppen immer dynamisch sind.
Mein Vorwurf an den Artikel war, dass er eine Brise zuviel Evolutionismus enthält.
(Sie, Herr Seitz, sind meist unbefangen und sehr wohl bereit über Ihre Wortwahl nachzudenken, wofür Sie von mir ein Kompliment bekommen müssen. Ich hoffe, dass es nun klar ist.)
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