Katharina Hacker Schöneberg, ein PuppenheimSeite 2/2

Das aber erschließt sich weder in der von Hacker gewünschten Form noch in der jetzt veröffentlichten: nicht beim parallelen Lesen, nicht beim Hintereinanderlesen, nicht beim Hängenbleiben zwischen den Zeilen und Geschichten, nicht in dem Raum, der für all das stehen soll, "was man ausgelassen hat, ausgeschlagen hat im Leben", wie Hacker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärte. In Alix, Anton und die anderen gibt es nichts, was nicht in einem Textblock stehen könnte, ohne den Intentionen der Autorin zuwiderzulaufen. Gedankliche Sprünge, Träume, Perspektivenwechsel, plötzliche Handlungs- und Ortswechsel, all das wäre problemlos in einem herkömmlich gesetzten Text unterzubringen gewesen.

Katharina Hacker stellt sich mit ihrer avantgardistischen Erzählweise eher ein Bein, als dass sie damit die Sorgen, Nöte und Sehnsüchte ihrer Protagonisten klarer darstellen würde. Vielleicht hat ihr einfach die Kraft zu einer letztgültigen formalen Durchdringung ihres Stoffes gefehlt. Denn ihren verlorenen Vierzigern stehen noch ein paar weitere Figuren zur Seite, die andere, durchaus schwerere Sorgen und Schicksale haben: die vietnamesischen Betreiber des Restaurants, die 56-jährige Mai Linh und ihre beiden Brüder Wang und Georg. Sowie Clara und Heinrich, Alix’ Eltern, deren Möglichkeiten zu Lebensveränderungen aufgrund ihres Alters schließlich am geringsten sind. Was Heinrich nicht davon abhält, zarte Bande zu Mai Linh zu knüpfen. Und Clara nicht davon, sich Gedanken zu machen über Alix und ihre Freunde, für die es laut Clara nichts gab, "das sie gefährdete, nicht einmal der Tod schien sie zu gefährden, nicht einmal die Verrücktheit, auch nicht die Einsamkeit".

Es gibt in diesem Buch solche starken, treffenden Sätze, es gibt eine sinnvolle Öffnung in andere Lebenswelten (Immigranten, Rentner) – nur einen wirklich fertigen, formvollendeten Roman, den gibt es nicht. Was auch daran liegt, dass Alix, Anton und die anderen der Beginn eines mehrbändigen Romanzyklus sein soll, dessen nächster Teil im Frühsommer 2010 erscheint, dann beim S. Fischer Verlag. Und tatsächlich würde man schon gern wissen, was sich noch so tut im Leben von Anton, Alix und den anderen, wie sie aus ihren Lebensfallen herauskommen und ob überhaupt. Aber nicht in der von Katharina Hacker gewählten Form.

 
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