Kulturleben in Dubai Im Innern der BlaseSeite 2/2
Schindhelm scheitert weniger an solchen Kampfansagen als an den undurchsichtigen Hierarchien irgendwie superwichtiger Männer, an der Nichtkommunikation seltsamer Konferenzen und Kulturratsrunden. Wer entscheidet hier eigentlich? Welche Zusage ist Hinhaltetaktik, welcher Handschlag verbindlich?
Schindhelm, der globalisierte Nomade, wehrt sich gegen den Vorwurf, er ignoriere die Zensur in der arabischen Welt. Er stilisiert sich zum Opfer der Idomeneo-Affäre, belustigt sich über den Besuch der auf Kooperation erpichten drei "Generale" (die Chefs der Staatlichen Museen zu Berlin, Dresden und München) und nimmt amüsiert zur Kenntnis, dass es beim Katalog zur Ausstellung Muslim Faces (seinem einzigen realisierten Projekt) Probleme mit der Übersetzung gibt, wegen der Attribute für den Propheten. Schindhelm prangert die Arroganz des Westens an – und verkörpert sie zugleich. Sein mit den besten Absichten gepaarter Tatendrang ist ein für den Westen typisches Phänomen.
So wird die schillernde Blase Dubai zum Zerrspiegel unserer Moderne. Schindhelm skizziert Parallelen: zwischen der Reißbrett-Megacity, dem quadratischen Innenstadtschema des einst absolutistischen Mannheim und der importierten, Florenz kopierenden Baukultur von St. Petersburg: "Die Stadt ist das Produkt einer genialen Idee und rigoroser Menschenverachtung. In gewisser Weise gilt das wahrscheinlich für alle Städte. ... Wer hat Babel gebaut? Wer St. Petersburg? Wer Dubai?"
Das Grundstück für Schindhelms Opernprojekt ist inzwischen verkauft. Dort soll jetzt ein Parkhaus entstehen.
Michael Schindhelm liest am 10. Dezember im Roten Salon der Berliner Volksbühne.
Erschienen im Tagesspiegel vom 2. Dezember.
- Datum 02.12.2009 - 10:37 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Eine zeitlang sah es wohl so aus, als könne es große Kunst für umsonst geben, wo das Öl sprudelt. Als könne man auf grünem Hügel kultivierte deutsche Blütenträume einfach so auf eine Düne umpflanzen.
Nun ist die Affäre der Scheichs mit der Reputation versprechenden westeuropäischen Hochkultur beendet und Kunst muss wieder um Konzepte, Inhalte, Anerkennung und Verständnis kämpfen, wenn sie realisiert werden will. Gut so!
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