Harald Schmidt "Die Strumpfhose hat Erlösungsqualität"Seite 4/4

Schmidt: Für mich zeigt das, dass der Führer politisch umstritten war, aber musikalisch einen erstklassigen Geschmack hatte. Ich muss den Zweiten Weltkrieg vom zweiten Akt trennen. Die Nazithematik habe ich für mich abgehakt. Man findet auch immer weniger Leute, die noch wissen, wer die Nazis waren. Die Generation stirbt weg.

Frage: Können wir mit diesem Teil unserer Geschichte wirklich abschließen?

Schmidt: Wenn’s beim Spiegel mal klemmt, kommt der Führer auf’s Titelbild. Es ist ein dankbares Thema. Ich habe so viel aufgearbeitet und nicht mal in der Zeit gelebt. Ich brauche mal eine Pause. Und für alle Nachfolgenden ist das Dritte Reich historisch so nah oder weit wie das Römische Reich. Kurz: Ich kann nicht jeden Witz, bei dem Goebbels mal gelacht hat, analysieren und verdammen.

Frage: In der "Lustigen Witwe" soll ein bankrotter Staat gerettet werden. Was würden Sie für die Rettung des Vaterlands tun?

Schmidt: Ich zahle Steuern, das reicht.

Frage: Welche Regisseure haben Sie geprägt?

Schmidt: Die ganz Großen: Peter Zadek, Peter Stein, Claus Peymann. Heute gibt’s entweder heulende Regisseurinnen, die ihre privaten Probleme auf die Bühne bringen und vorzeitig abreisen, oder Heinzi Hilflos, der sagt: "Macht mal".

Frage: Wie soll’s mit dem deutschen Theater weitergehen?

Schmidt: Die Zeit läuft auf die Haltung von Christian Brey und mir zu. Was wir verkünden, ist wirklich revolutionär: Deutscher Abonnent, wir befreien dich vom Regietheater! Eigentlich wird man dafür in den Kantinen verprügelt.

Frage: Was glauben Sie, wie lange würde man ohne Fernsehen an Sie denken?

Schmidt: Da hab ich von unserem neuen Verteidigungsminister gelernt: "Hypothetische Fragen beantworte ich grundsätzlich nicht." Super Antwort, oder?

Das Gespräch führte Marie von Baumbach.

"Die Lustige Witwe", Franz Lehárs Operette, hat am Freitag an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf Premiere. Regie führt Christian Brey, sein Co-Regisseur ist Deutschlands kulturbeflissenster Late-Night-Talker.

Harald Schmidt, 1957 in Neu-Ulm geboren, gab sein Debüt 1981 an den Städtischen Bühnen Augsburg (als zweiter Mameluk in Lessings "Nathan der Weise"), er spielte am Düsseldorfer Kom(m)ödchen und am Bochumer Schauspielhaus. Seit der Spielzeit 2008 ist der TV-Moderator und Entertainer Ensemblemitglied am Staatstheater Stuttgart. Am 25. Oktober 2008 feierte dort sein Hamlet-Musical "Der Prinz von Dänemark" in der Regie von Christian Brey Premiere. "Die lustige Witwe" ist Schmidts erste Arbeit fürs Musiktheater.

(Erschienen im Tagesspiegel vom 04.12.2009)

 
Leser-Kommentare
  1. "Frage: Finden Sie das nicht reaktionär?
    Frage: Und das soll dem Publikum gefallen?
    Frage: Die "Lustige Witwe" war Hitlers Lieblingsoperette. Welche Rolle spielt für Sie die Rezeptionsgeschichte eines Werks?"
    Nach diesen Fragen geh ich zu Maxim....

  2. Der arme Harald Schmidt braucht also mal eine Pause von der so lästigen Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit. Hitler sei politisch umstritten, hätte aber einen vorbildlichen Musikgeschmack bewiesen. Angesichts von Millionen Toten Aussagen, die in ihrer Bösartigkeit schmerzen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    die wurden aber nicht von der lustigen witwe umgebracht.

    außerdem hat er recht, es ist nunmal für die meisten menschen, für mich übrigens auch, geschichte.

    die kultur des nicht-vergessens ist sowieso schon längst zur lächerlichkeit verkommen. anstatt auf die fehler zu achten, die der einzelne begeht und legitimiert sieht, weil es ja die anderen auch tun, und das eigene verhalten tagtäglich an der situation neu zu reflektieren, sind die die meisten eh nur noch stolz darauf, daß sie es jeden tag aufs neue schaffen, keinen [insert-random-stranger] umgebracht zu haben.

    für ein funktionierendes gewissen braucht es mehr, als immer nur stumpfsinnig die geschichte neu herunterzubeten.

    die wurden aber nicht von der lustigen witwe umgebracht.

    außerdem hat er recht, es ist nunmal für die meisten menschen, für mich übrigens auch, geschichte.

    die kultur des nicht-vergessens ist sowieso schon längst zur lächerlichkeit verkommen. anstatt auf die fehler zu achten, die der einzelne begeht und legitimiert sieht, weil es ja die anderen auch tun, und das eigene verhalten tagtäglich an der situation neu zu reflektieren, sind die die meisten eh nur noch stolz darauf, daß sie es jeden tag aufs neue schaffen, keinen [insert-random-stranger] umgebracht zu haben.

    für ein funktionierendes gewissen braucht es mehr, als immer nur stumpfsinnig die geschichte neu herunterzubeten.

    • Kometa
    • 04.12.2009 um 19:27 Uhr

    "Ja, das Studium des Hitler ist schwer,
    sehr
    - wenn's die Unterhaltung bringen soll,
    für die der Zuschauer noch zahlt,
    damit's ihm luuuuuschtig wird.

  3. Harald Schmidt habe ich für mich abgehakt (Schon lange fallen zu ihm nur noch die Worte 'kalter Flegel' ein).

    Er die Nazithematik "für sich" übrigens vor nem guten Jahr oder so noch nicht so ganz (abgehakt, meine ich), als man nämlich in seiner "Nazometer"-Sendung über die Zyankali versprühenden KZ-"Duschen" (die Millionen von unter ihnen stehenden hilflosen Menschen den qualvollen Tod brachten, aber wer weiß das schon noch, nicht wahr, Herr Sch.?)in einem angeblichen "Witz" - ja: l a c h e n sollte. Weil's damals so irre komisch war.

  4. Es ist schon gelinde gesagt verwunderlich bis bedenklich, mit welch masochistischer Begeisterung sich das intellektuell gebärdende „Elite“- Deutschland von einem gewissen (-losen?) Harald Schmidt - unterhalb dessen eigenen Niveaus- lustvoll und kritiklos treu verarschen lässt.

    Eine nicht nur für ihn monitär äußerst einträgliche, nicht enden zu scheinende Erkenntnis-Geschichte.
    Sein daraus absehbarer Absturz in die nächste große Sinnkrise ist sicher bereits - medial herzzerreißend inszeniert - in Vorbereitung. Seiner genialen "Fähigkeit zur Ausbeutung" sei Dank!
    -

  5. 6.

    die wurden aber nicht von der lustigen witwe umgebracht.

    außerdem hat er recht, es ist nunmal für die meisten menschen, für mich übrigens auch, geschichte.

    die kultur des nicht-vergessens ist sowieso schon längst zur lächerlichkeit verkommen. anstatt auf die fehler zu achten, die der einzelne begeht und legitimiert sieht, weil es ja die anderen auch tun, und das eigene verhalten tagtäglich an der situation neu zu reflektieren, sind die die meisten eh nur noch stolz darauf, daß sie es jeden tag aufs neue schaffen, keinen [insert-random-stranger] umgebracht zu haben.

    für ein funktionierendes gewissen braucht es mehr, als immer nur stumpfsinnig die geschichte neu herunterzubeten.

  6. wieso man "Harald Schmidt" überhaupt ernst nimmt. Ich habe es nie verstanden.

  7. denn sein Witz erschöpft sich, soweit ich das beobachtet habe, in Zynimus, Schadenfreude, Zoten u.a.

    wirklicher Witz ist etwas anderes, er hätte zumindest ein klein wenig Selbsterkenntnis, eine gewisse Distanz und Zweifel am eigenen Selbst wenn nicht geäußert aber angedeutet.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Welken
    • 07.12.2009 um 8:52 Uhr

    Wer dem Herrn Schmidt vorwirft nicht selbstironisch zu sein oder nicht mit dem Veräppeln der eigenen Intellektualität zu kokettieren, muss wirklich ne Menge verpasst haben...

    Sie halten sich für furchtbar schlau und korrekt, oder? Haben sie sich schon überlegt wie es bei ihnen mit dem gesunden die-eigenen-Gedanken-und-Ansichten-bitteschön-nicht-zu-ernst-nehmen bestellt ist?

    Überhaupt drängt sich einem ein Gefühl auf das Schmidtboy-bashing sei das hobby der Möchtegern-intellektuellen - bzw, ein totsicheres Indiz für das vorherrschen einer selbstgerechten und neunmalklugen Denke, die im Endeffekt auch nichts weiter als typisch durchschnittlich und berechenbar menschlich wirkt.

    Merke: Den eigenen Kopf ständig im eigenen Popo zu haben macht einen noch nicht weise, hihi.(oder irgendwie sowas).

    • Welken
    • 07.12.2009 um 8:52 Uhr

    Wer dem Herrn Schmidt vorwirft nicht selbstironisch zu sein oder nicht mit dem Veräppeln der eigenen Intellektualität zu kokettieren, muss wirklich ne Menge verpasst haben...

    Sie halten sich für furchtbar schlau und korrekt, oder? Haben sie sich schon überlegt wie es bei ihnen mit dem gesunden die-eigenen-Gedanken-und-Ansichten-bitteschön-nicht-zu-ernst-nehmen bestellt ist?

    Überhaupt drängt sich einem ein Gefühl auf das Schmidtboy-bashing sei das hobby der Möchtegern-intellektuellen - bzw, ein totsicheres Indiz für das vorherrschen einer selbstgerechten und neunmalklugen Denke, die im Endeffekt auch nichts weiter als typisch durchschnittlich und berechenbar menschlich wirkt.

    Merke: Den eigenen Kopf ständig im eigenen Popo zu haben macht einen noch nicht weise, hihi.(oder irgendwie sowas).

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service