Urteil zum Berliner Stadtschloss Jetzt ist Schloss!
Nun ist Architekt Franco Stella also doch durchgekommen mit seinen undurchsichtigen Plänen, unterstützt vom Staat. Egal. Es interessiert sowieso niemanden.
Franco Stella ist ein Sonntagskind. Was er auch tut, er kommt durch. Ob er die Kollegen der Großbüros gmp und Hilmer/Sattler in seinem Namen das Berliner Schloss planen lässt, ob er die Mitarbeiter seines Bruders zur Aufstockung seiner Mini-Architekturfirma auflistet, egal.
Das Schloss, sein Schloss wird gebaut, mit dem Humboldt-Forum darin. Die Verträge sind atypisch, aber es kann nachgebessert werden, sagt das Düsseldorfer Oberlandesgericht, das die Öffentlichkeit mit einem blitzschnellen Urteil überrascht hat.
Das Bundesbauministerium sorgte durch laxe Handhabung für Verwirrung und Verzögerung, nun macht die Justiz dem Projekt Beine. Sie nimmt nicht nur Stellung zur strittigen Verfahrens- und Vergabefrage, sondern macht eine klare Ansage zur Sache selbst. Nun baut endlich, und zwar schleunigst – jetzt ist bitte Schluss mit dem Schloss-Streit!
Seltsam. Das Humboldt-Forum, das bedeutendste (und teuerste) Bauprojekt der Republik, braucht ein klares Bekenntnis nicht nur seiner Nutzer, sondern auch der Berliner, der Deutschen, der Demokratie als Bauherr. Ein Jahr nach Stellas Wettbewerbssieg herrscht jedoch weitgehend Desinteresse.
Leidenschaft? Fehlanzeige. Außer bei den Richtern in Düsseldorf.
- Datum 03.12.2009 - 09:29 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 28
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Warum sollte plötzlich ein einzelnes Bauvorhaben ein klares Bekenntnis von uns benötigen?
Die Politik macht doch sonst auch was sie will und spuckt den Bürgern zunehmend unverfroren ins Gesicht.
Die Politik steht auf dem Standpunkt: "Wir sind gewählt, wir bestimmen den Willen des Volkes." Und davon wird sie auch nichts abbringen.
Mir ist es allemal lieber, sie verprassen ungefragt weitere Steuermilliarden für ein Schloß, als wenn sie das Geld für Bankiers verjubeln oder in Afghanistan vergraben.
Zitat: "Leidenschaft? Fehlanzeige."
Leidenschaft für was?
Für einen öden Kasten aus Stein?
Da wüsste ich garantiert bessere und vergnüglichere Sachen.
Dieses Schloss wieder aufzubauen ist ein Anachronismus. Gezielt wird architektonisch und gesellschaftliche Bedeutungslosigkeit produziert, indem man ein Gebäude baut, welches in seinem Aussehen und seinem Konzept nicht im 21. Jahrhundert angekommen ist. Bedeutung erhält man nicht indem man historisches kopiert.
Nicht betonierter Rückschritt, sondern ein mutiger Entwurf für die Zukunft hätte diese Stelle gehört.
"Ach ja, die gute alte Zeit..." sie kann mir gestohlen bleiben. Postkarten-Architektur.
Ganz Deutschland muss sparen - na in Berlin nicht. Hier werden Museen, Denkmäler, U-Bahnen und auch ein Humboldt-Forum gebaut. Kulturförderung findet praktisch nur noch in Berlin statt. Von einheitlichen Lebensverhälthissen kann man nicht sprechen: Berlin wird gehätschelt und feiert weiter seine Parties. Warum wird ein Ballet in Berlin vom Bund bezahlt? Warum ein Dirigen? Warum die Renovierung einer Oper? Warum diverse Museen? Warum nicht auch in Hamburg oder Köln?
...weil es die deutsche Hauptstadt ist
...weil die meisten Deutschen ihre Hauptstadt sehr schätzen und lieben
...weil diese Hauptstadt in unvergleichlichem Maße unter der deutschen Teilung gelitten hat.
Fahren Sie mal nach Paris.
...weil es die deutsche Hauptstadt ist
...weil die meisten Deutschen ihre Hauptstadt sehr schätzen und lieben
...weil diese Hauptstadt in unvergleichlichem Maße unter der deutschen Teilung gelitten hat.
Fahren Sie mal nach Paris.
In Berlin wird vor allem deshalb so viel gebaut, weil es einen Irrsinns-Nachholbedarf hat. Berlin hat einen unglaublichen Investitionsstau, der aus der völlig einzigartigen Situation bis Ende 1990 resultierte: Der Insellage mitten in der DDR!
Und alle, die der Kiosten wegen gegen das Schloss wettern: Es geht nicht um eine halbe Mrd.!!! Kapiert es endlich!!! Wenn man nicht mitten in Berlin eine grüne Wiese behalten will, muss dort etwas hingebaut werden!!! Und das kostet ebenso eine halb Mrd., allerdings minus Kosten für die historische Schlossfassade. Ich kann die Kosten für reine Fassade (Stuck usw.) nicht genau beurteilen, aber wenn das mehr als 50 Mio. sind, fress ich 'nen Besen!. Und auch der Erhalt des alten Palastes der Republik hätte hunderte von Mio. verschlungen!!! Also: Liebe Leute, hört auf, das Stadtschloss wegen der Kosten zu "denunzieren". Es geht allenfalls um die Mehrkosten für ein historisierendes Gebäude - und diese Kosten sind völlig marginal!
matbhm schrieb:
"Kapiert es endlich!!! Wenn man nicht mitten in Berlin eine grüne Wiese behalten will, muss dort etwas hingebaut werden!!!
"
Ok, habe verstanden. Aber eigentlich gefällt mir die grüne Wiese von allen Möglichkeiten am besten.
matbhm schrieb:
"Kapiert es endlich!!! Wenn man nicht mitten in Berlin eine grüne Wiese behalten will, muss dort etwas hingebaut werden!!!
"
Ok, habe verstanden. Aber eigentlich gefällt mir die grüne Wiese von allen Möglichkeiten am besten.
...weil es die deutsche Hauptstadt ist
...weil die meisten Deutschen ihre Hauptstadt sehr schätzen und lieben
...weil diese Hauptstadt in unvergleichlichem Maße unter der deutschen Teilung gelitten hat.
Fahren Sie mal nach Paris.
autsch, bleiben sie bitte auf dem teppich.
grade französische verhältnisse sind nicht erwünscht, sprich eine hauptstadt in der sich alles ballt. dazu hat berlin auch gar nicht die qualität. berlin ist eine fantastische stadt, keine frage, aber die "liebe" der deutschen geht beiweitem nicht soweit die hauptstadt zu feiern und den rest des landes brach liegen zu lassen....
autsch, bleiben sie bitte auf dem teppich.
grade französische verhältnisse sind nicht erwünscht, sprich eine hauptstadt in der sich alles ballt. dazu hat berlin auch gar nicht die qualität. berlin ist eine fantastische stadt, keine frage, aber die "liebe" der deutschen geht beiweitem nicht soweit die hauptstadt zu feiern und den rest des landes brach liegen zu lassen....
Insbesondere die Beschwerden derjeniger Mitbürger, die sich über mangelnde demokratische Legitimation dieses Bauvorhabens beschweren, kann ich durchaus verstehen, aber andererseits hat man sich, wenn man Demokratie verlangt, mit Deutschland das falsche Heimatland gewählt.
Was das Bauvorhaben an sich angeht, so freue ich mich trotz allem darüber. Dies allerdings hängt vielleicht damit zusammen, dass ich mir irgendwie schon immer mehr barocke Architektur in deutschen Städten gewünscht habe. Alte Bilder zeigen immer wieder, wie schön es in den Städten dieses Landes vor dem letzten Krieg einmal ausgesehen hat und wecken, zumindest bei mir, einen leichten Wunsch danach, diese Stadtbilder wiederauferstehen zu lassen.
Wenn es nur nicht so teuer wäre...
Sind nicht die Gefühle noch viel UNBEDINGTER frei, als die Gedanken? Wie soll ich "Leidenschaft empfinden" für Berlin als immergleichen Rationalistenort, als ewige Behauptungsstadt, diesen, die neualten gernegroßen Steinhaufen dort? Wie soll das gehen? Wie genau gerade für diesen merkwürdigen Kompromiss aus altem, dass man irgendwie will, aber eben nicht sein will und neuem, dass man nicht ist? Und auch nicht wird. Ich lebe in der Alten Bundesrepublik, schätze, will diese, hab Jazz, Rock 'n' Roll, Krautrock im Ohr, wenn ich dran denke... liebe Hamburg und Köln, respektiere/toleriere München und Frankfurt, schätzte Konrad Adenauer, gut, in gewisser Weise auch Willi Brandt oder Helmut Schmidt, eben all das, was auch Millionen von Ostdeutschen wollten, nach wie vor im Millionenmaßstab mit den Füßen wollen. Ich kenne hingegen keinen der Kohl-Merkels Wiedervereinigung will. Auch keinen Ostdeutschen. Und ich kenne niemanden, der Berlin oder seinen Punk & Protzi-Bauten ECHTE, ehrliche, also nicht geheuchelte Gefühle entgegebringt. Ich meine Gefühle, nicht Beeindruckung. Mir scheint das deutlich übertrieben, jetzt auch noch unter Liebeszwang stehen zu sollen. Das ist einfach zu viel verlangt. Die Neubundesbehaupter mögen es nicht weiter übertreiben bitte: Desinteresse ist nur die freundliche Form des Nichteinverstandenseins.
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