Klassik trifft Pop Der Laptop spielt die erste GeigeSeite 2/2

Da trifft es sich gut, dass Universal als Hüter des klassischen Repertoires der Deutschen Grammophon ein riesiges Archiv voller Melodien besitzt und bereit ist, es für elektronische Experimente zu öffnen. Nach früheren Replay-, Remix- und Recompose-Editionen, an denen auch die Emanzipation des Elektro vom bloßen Sampling und von Dekonstruktionsverfahren ablesbar ist, geht man nun mit Reflections einen Schritt weiter. 16 Vertreter der Klub- Avantgarde, die von der Klassik beeinflusst worden sind, darunter Takeo Toyama, Wolfgang Voigt alias Gas und Max Richter, steigen hier in den Rang vollwertiger Komponisten auf.

Zwar ergibt sich aus der CD kein vollständiges Bild des Trends und seiner ästhetischen Stoßrichtung, aber es ist aufschlussreich, wie Klassik offenbar erst vom bürgerlichen Ennui befreit werden muss, um in den Klub zu passen. Von dem, was Klassik im historischen Kontext ausmacht, bleibt jedenfalls wenig übrig. Im Filterungsprozess der elektronischen "Reflektion" gehen Dramatik und Konfliktbewusstsein verloren, wie sie in der Sonatenform überliefert sind. Übrig bleiben oft wabernde Flächen, in die sich der Computer als Impulsgeber und Zerhäcksler einschreibt.

Trotzdem ist das die Musik der Zukunft. Sie hat nur noch keinen Namen. Aber dass sie einmal in der Lage sein wird, uns die Gegenwart zu erklären, daran besteht kein Zweifel. Denn in dem wechselseitigen Bedürfnis von Klassik und Klubmusik nach Puls und Melodie, schwingt auch die Sehnsucht nach einer Musik mit, die nur für sich selbst da ist.

Das Festival C3 – Club Contemporary Classical läuft noch bis 10. September im Berghain in Berlin.

 
Leser-Kommentare
  1. ...artikel. bin begeistert!

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