Junge Dirigenten Dynamisch, sportlich, gutSeite 2/2
Diese kleine Liste ließe sich ohne Mühe verlängern: Um den Briten Daniel Harding beispielsweise, 34, derzeit beim Mahler Chamber Orchestra sowie in Stockholm tätig, den man gerne unter die etwas Älteren zählt, einfach weil es seine ruppigen Klangvorstellungen in der Branche schon so lange gibt. Oder um Alan Gilbert, der mit 42 Jahren in der Tat schon älter ist und nach Jahren beim NDR in Hamburg erst jetzt so recht auf sich aufmerksam macht, als Nachfolger von Lorin Maazel bei den mimosenhaften New Yorker Philharmonikern (mit denen er Ende Januar auch in Deutschland zu hören sein wird).
Und Kirill Petrenko, 37, dem sicher Großes bevorsteht, ebenso wenig zu vergessen wie den sportiven Kanadier Yannick Nézet-Séguin, 34, der 2008 bei den Salzburger Festspielen seinen Durchbruch feierte, oder den jüngsten Spross der Järvi-Dynastie, good looking Kristjan, Jahrgang 1972. Das weibliche Geschlecht übrigens in Gestalt der Estin Anu Tali, 37, oder der 40-jährigen Susanna Mälkki aus Finnland liegt, was Karriere und Positionen betrifft, nach wie vor böse im Hintertreffen.
Sie alle mögen so unterschiedlich sein wie Celibidache, Sanderling & Co. es waren. Mal mehr, mal weniger fotogen, mal einsilbiger, mal eloquenter, scheuer oder arbeitswütiger. Was sie eint und interessant macht, ist der Blick zurück in die ökonomisch saturierte, ideologisch aufgeladene zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Karajanesker Luxussound hier, aufführungspraktisches Körnermahlen mit Nikolaus Harnoncourt da: Die Früchte dieses letztlich bis Furtwängler und Toscanini, ach was, bis Wagner und Mendelssohn zurückreichenden ästhetischen Antagonismus hat man genossen – und spätestens im Krisenjahr 2010 restlos verdaut.
Dass junge Dirigenten wieder gerne musizieren und dafür weder Mehlschwitze brauchen noch archäologische Doktorgrade, lässt hoffen. Auf persönliche Klugheit und Zeitfühligkeit, auf eine Generation, die, wenn es hart auf hart kommt, sehr wohl existenziell sein kann, wach, bescheiden und, ja, einfach. Und die so auratische Figuren wie den erst 26-jährigen Londoner Robin Ticciati hervorbringt, Geiger, Pianist, Schlagzeuger, Dirigent, gerade zum Leiter des Scottish Chamber Orchestra erkoren und demnächst erster Gast bei den Bamberger Symphonikern. Nicht nur dank Wuschelkopf und Grübchen die perfekte Mischung zwischen Harry Potter, Robinson Crusoe und einem Botticelli-Engel, der verrückterweise vom 21. Jahrhundert träumt. Wenn das kein Trost ist.
(Dieser Artikel ist erschienen im Tagesspiegel vom 8. Januar.)
- Datum 08.01.2010 - 12:33 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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wächst mit den jungen Dirigenten auch ein jüngeres Publikum heran? Ein Herunmschauen in Klassikkonzerte, die kein event sind, ist erschreckend. So wenige erkennbar unter 50 Jahren, dass eigentlich jedes Konzert abgesagt werden müsste, jedes, wenn da nicht die ältere Generation versammelt wäre.
ist schon eine Ironie, da spielen 30jährige für die durchschnittlich 65jährigen Zuhörer.
Ähnliche Gedanken wie die aus dem vorherigen Kommentar hatte ich (38 Jahre) vor kurzem auch bei einem Besuch im Gewandhaus. Nach einem brillianten und intensiven Konzert mit Bach und Bruckner wollte ich stehend applaudieren, tat dies, blickte mich um und wunderte mich zunächst, dass ich als einziger in meinem Block stand; die anderen quasi allesamt weißhaarigen Zuhörer konnten einfach nicht so recht - bzw. so schnell - stehend applaudieren ;-)
Ähnliche Gedanken wie die aus dem vorherigen Kommentar hatte ich (38 Jahre) vor kurzem auch bei einem Besuch im Gewandhaus. Nach einem brillianten und intensiven Konzert mit Bach und Bruckner wollte ich stehend applaudieren, tat dies, blickte mich um und wunderte mich zunächst, dass ich als einziger in meinem Block stand; die anderen quasi allesamt weißhaarigen Zuhörer konnten einfach nicht so recht - bzw. so schnell - stehend applaudieren ;-)
Ähnliche Gedanken wie die aus dem vorherigen Kommentar hatte ich (38 Jahre) vor kurzem auch bei einem Besuch im Gewandhaus. Nach einem brillianten und intensiven Konzert mit Bach und Bruckner wollte ich stehend applaudieren, tat dies, blickte mich um und wunderte mich zunächst, dass ich als einziger in meinem Block stand; die anderen quasi allesamt weißhaarigen Zuhörer konnten einfach nicht so recht - bzw. so schnell - stehend applaudieren ;-)
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