Vom Glück des Nichtwissens
Der große Satz, der in diesem schönen Buch des Hamburger Fotografen Jo Röttger steht, heißt: "Wenn du weißt, was du tust, dann tu es nicht." Anders gesagt: Nur der Schritt ins Unbekannte lohnt den Aufwand. Jo Röttger, der Reportagefotograf, hat diesen Schritt getan, indem er sich, über mehrere Jahre hin, in den Kosmos des amerikanischen Theaterregisseurs, Künstlers, Darstellers, Filmemachers Robert Wilson begeben hat.
So hat sich etwas entwickelt, was der Theaterwissenschaftler Andrzej T. Wirth in einem einführenden Essay die Beziehung zwischen dem "Freischütz" (dem zielenden Mann hinter der Kamera) und dem "Nachtvogel" (dem Regisseur im ewigen Dunkel des Theatersaals) nennt. Von Wilson stammt natürlich auch der oben zitierte Satz vom Glück des Nichtwissens, und Jo Röttger dokumentiert und teilt dieses Glück: Er sieht Wilson mit der Kamera dabei zu, wie der feierlich und öffentlich tut, was er nicht weiß – wie er nämlich "Kunst“ macht.
Im Watermill Center auf Long Island. An diesem Ort, der, wie Andrzej Wirth sagt, Hospital, Gefängnis und „Aida“-Grabmal in einem sei, versammelt Robert Wilson seit 1999 Studenten, junge Künstler, freundliche Werkspione, und führt sie während seiner legendären Summer-Workshops ein in die Kunst des produktiven "Nichtwissens".
- Datum 25.02.2010 - 17:14 Uhr
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