Berlinale-Chef Kosslick "Wenn alles schiefgeht, mache ich Yoga"
Papa-Bär Dieter Kosslick: Der Berlinale-Chef spricht über seine Anfänge vor zehn Jahren und wie er immer wieder aufs Neue versucht, unmögliche Sachen möglich zu machen.
Frage: Herr Kosslick, warum feiert die Berlinale ausgerechnet ihr 60. Jahr? Ist ja ein eher krummes Datum.
Dieter Kosslick: Wir feiern doch gar nicht so groß.
Frage: Aber da ist die Retrospektive in eigener Sache, das gab es nicht mal zum Fünfzigsten.
Kosslick: Wir dachten, die zehnte Kosslick-Berlinale feiern, das wirkt ein bisschen übertrieben. Also machen wir lieber die 60. Berlinale draus (lacht).
Frage: Womit sind Sie vor zehn Jahren angetreten, was haben Sie geändert?
Kosslick: Ich war seit 1984 immer auf der Berlinale und saß meist im Foyer des Grand Hotel Esplanade, habe dort meine Termine gemacht, bin aber selten zum Festival gegangen. Entweder war man ein Raucher-Versuchsobjekt im Festivalzentrum im Bikini-Haus an der Budapester Straße, oder man wurde vergiftet. Ich übertreibe, aber das Essen war so schlecht wie die Luft: Zigaretten, Alkohol und Ausdünstungen in hoher Konzentration – das fand ich einfach nicht sehr angenehm.
Frage: Sie wollten nicht das Programm ändern, nur das Ambiente?

Dieter Kosslick (61), geboren in Pforzheim, ist seit 2001 Leiter der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Zuvor war Leiter der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen und Geschäftsführer des Hamburger Filmbüros. Kosslick arbeitete als Redenschreiber für den Hamburger Bürgermeister, Pressesprecher der Leitstelle für die Gleichstellung der Frau und Redakteur der Zeitschrift Konkret.
Kosslick: Zum Glück war das Umfeld ja schon geändert. Der Umzug zum Potsdamer Platz ging bereits 2000 über die Bühne. Im Tagesspiegel hatte ich damals auf die Frage, wie ich mir die Berlinale vorstelle, geantwortet: "Ein bisschen wie der Potsdamer Platz, der Hamburger Hafen, der Viktualien-Markt in München, die Thomaskirche in Leipzig, die Maultaschen in Stuttgart und der Karneval in Köln.“ Genauso ist die Berlinale geworden.
Frage: Was war der kniffligste Moment in diesen zehn Jahren?
Kosslick: Die Tücke eines Festivals liegt im Detail. Als Berlinale-Direktor ist man ständig bemüht, unmögliche Sachen möglich zu machen. Vieles klappt dann trotzdem nicht, entweder der Film kommt nicht oder der Star kommt nicht. Das ist frustrierend. Als 2008 die Rolling Stones zur Eröffnung kamen und ihr Auftritt nachmittags um halb vier zu platzen drohte, habe ich meine alte Schreibmaschine genommen, die in meinem Büro steht, und eine Seite reingehackt. Ein Wutschreiben, um wieder atmen zu können. Dann ging doch alles gut: Am Anfang war es ein Film, am Ende eine tolle Popveranstaltung. Wenn alles nichts mehr nützt, mache ich Yoga. "Der große Hund“ heißt die Figur, und es geht mir wieder gut.
- Datum 04.02.2010 - 11:51 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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