Sprache Mehr Netto von Goethe

Guido Westerwelle startet eine neue Kampagne: "Deutsch – Sprache der Ideen". Seine Lieblingswörter verrät er auch. Eine Glosse

Guido Westerwelle wirbt für die schöne deutsche Sprache und meint damit vermutlich auch, dass alle wieder mehr lesen sollten

Guido Westerwelle wirbt für die schöne deutsche Sprache und meint damit vermutlich auch, dass alle wieder mehr lesen sollten

Wer die deutsche Sprache lernt, lernt zuerst den Plural. Unser Deutsch, so viele Wörter! Wissenschaftler haben ehedem mal nachgezählt, im Halbdunkel der Universitätskeller, denen sie erst nach Jahren hungrig und bleich entstiegen sind mit einer ungefähren Zahl: 500.000. Davon kannte Johann Wolfgang Goethe geschätzte 90.000. Anders gesagt, hatte er mehr Netto vom Sprachbrutto als wir, die wir gemeinhin nur 9000 kennen, was man ein Zehntel nennen könnte oder doch wohl die Höhe.

Aber bevor jetzt jemand schreit: Goethe hat dafür geschuftet! Nie hat er die Tage vor der Playstation verjuxt, war weder faul noch findig. Auch in der Sprache gilt, wer arbeitet, soll mehr haben, als der, der ..., halt, nun hat Guido Westerwelle den Saal betreten. Was sagt er dazu? "Deutsch ist eine wunderschöne Sprache!" Sie sei selbstbewusst und weltorientiert, aus dem Herzen Europas.

Dem gibt es soweit nichts hinzuzufügen, hier im Radialsystem in Berlin-Mitte, zum Auftakt einer neuen Initiative des Auswärtigen Amts. Der Außenminister hat geladen, um vor Diplomaten, Exzellenzen, Journalisten, über das eine zu reden: "Deutsch – Sprache der Ideen". Eine Imagekampagne, eine, das sagt der Minister so, Hommage.

Tolle Sache. Wer wäre für sie besser geeignet als Guido Westerwelle, der schon zum Amtsantritt klare Verhältnisse schuf. Einer englischen Journalistenfrage antwortete er selbstbewusst und weltorientiert: Es ist Deutschland hier. Gemeinsam mit dem Goethe-Institut bringt er seine Sprache nun dahin, wo nicht Deutschlandhier ist. Dort haben sie vor fünf Jahren 17 Millionen Menschen gelernt, heute nur noch 14 Millionen. Eine Sprache, die unsere "Fantasie spielen" lasse, lobt Westerwelle und schwärmt von den herrlichen Wörtern: "Abendrot, Morgenstern, Blütenstaub oder Alpengrün."

Leser-Kommentare
  1. Wenn ich so etwas lese, ist es mir nur noch peinlich, dazu gezählt zu werden. Für so etwas hat dieser Mensch Zeit? Hat der nichts zu tun? Wenn Horst Köhler das täte, wäre es gleich in der richtigen Schublade, aber bei Herrn W. kann ich es gar nicht einordnen. Er ist und bleibt ein unwichtiger Wichtigtuer. Dabei hätte er so viele Chancen, sich zu profilieren, vertut sie aber. Mit all seinen Aktionen leistet er Politikverdrossenheit Vorschub.

  2. warum sollte nicht auch für die deutsche sprache gelten: nicht die quantität, sondern die qualität ist entscheidend.

    für verbale weichspülung braucht's keinen goethe, die kann auch mit 9000 wörtern spielen erreicht werden ;)

    frohes fabulieren!

  3. hihihihi, sehr witziger beitrag...und hier (www.thebluesmaker.com) kann der liebe Herr westerwelle dann einen abgesang auf die deutsche sprache komponieren und gleichzeitig ein paar brocken english lernen ;)

    • Buker
    • 26.02.2010 um 10:59 Uhr

    Ist es eine Generationenfrage, ob man sich der deutschen Sprache so verbunden fühlt wie Westerwilli?
    Eigentlich ist der doch noch gar nicht so alt. Warum spricht er da eigentlich kein Englisch?
    Und was soll diese Initiative für die deutsche Sprache im Ausland? Die Sprache der Wissenschaft ist heute schon Englisch, auch in der Wirtschaft kommt man ohne diese Sprache nicht weiter. Nur in der Politik hält er sich eisern, der Sprachnationalismus. Wozu noch Deutsch lernen, wenn alle Welt Englisch spricht???

    Lieber Westerwilli,
    lern' einfach Englisch, finde Dich damit ab, dass auch Sprachgewohnheiten globalisiert werden! Bist sonst doch auch so für Globalisierung und Flexibilisierung! Wozu also dieser Treppenwitz???

  4. " Leben ist nur 5 Buchstaben lang, Krankenversicherung hingegen hat 19." LOL! Danke für den lustigen Artikel!
    Nicht umsonst wird Westerwelle auch Schwätzerwelle genannt..;)

  5. Wenn wir Glück haben, hören wir von Westerwelle vielleicht auch mal was zum Thema Außenpolitik. Oder ist da inzwischen jemand anderes ressortverantwortlich und er versucht nur, diesen Umstand mit kindlichem Eifer zu überspielen, damit es niemand merkt? Ich meine, "Außenpolitik" hat immerhin zwölf Buchstaben, müsste also relativ wichtig sein. Ich finde, Westerwelle sollte sich mal auf seine vier Buchstaben setzen und endlich mal Außenpolitik machen.

  6. ...ist es ja durchaus, den Diplomaten aus anderen Ländern mal zu zeigen, wie toll unsere Sprache ist. Und schließlich hat der Satz "Am Deutschen Wesen soll die ganze Welt genesen" ja auch lange Tradition im vernebelten wirtschaftsglobalisierten und doch gerne patriotischen Deutschland, und Traditionen pflegt unser Außenminister, seit er sein Amt hat, ja auch gerne...

  7. Herr Westerwelle wird selbstverständlich etwas Englisch können, zwar nicht verhandlungssicher, aber so, dass er etwas zu essen bekommt und nicht totgeschlagen wird.
    Mit seinem aktiven Wortschatz sollte er allerdings in der Lage sein, in seiner Muttersprache einen britischen Journalisten charmant und freundlich auf internationale Gepflogenheiten zu verweisen. Das geht - aber nur, wenn man die Vielfalt seiner Muttersprache beherrscht.

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