Gegenüber der Orchestrion-CD wirkt die Welt, die Metheny hier zwischen Pattern-Musik im Stil von Steve Reich und Fusionjazz errichtet hat, deutlich mechanischer. Die minimale Verzögerung zwischen Impuls und Ton macht aber auch den Charme des Imperfekten aus. Und wenn einige Perkussionsgenossen im Gebälk dieser auf Präzision geeichten Maschinerie ziemlich unkontrolliert herumzucken, zeigt sich, wie sehr das Orchestrion bei allem Drive, den es entwickelt, ein zirzensisches Abenteuer ist, das im Übrigen gar nicht leugnet, dass es ganz anders ausgehen würde, wenn ein lebendiger Schlagzeuger wie Antonio Sanchez Metheny jagen würde.

Ein Abenteuer aber ist es, vor allem wenn Metheny mit dem Zauberstab seiner Gitarre noch einmal frei improvisierend an die Maschinerie rührt. "Mr. Fingercymbals is my liaison with the rest of the cats", sagt er. Tatsächlich geben die winzigen, in Bodennähe vor sich hinklappernden Becken allen anderen Instrumenten den Takt vor, während er Schicht um Schicht von der Gitarre diktierte Loops im Orchestrion übereinanderlegt.

Als Rausschmeißer nach über zweieinhalb Stunden erwacht darin Methenys Sueño con Mexico von seiner Solo-CD New Chautauqua (1978) zu neuem Leben. Es soll dies, darauf legt Metheny wert, nicht die Zukunft der Musik sein. Nehmen wir es deshalb schlicht als ein Stück wunderlich erfüllter Gegenwart.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 4. März 2010)