Comics Schlägerei im FührerbunkerSeite 2/2
In Wirklichkeit halfen Comics eher dabei, Leben zu retten. Zum Beispiel im Berlin der Blockade-Zeit. Dorthin brachten amerikanische Rosinenbomber-Piloten neben Care-Paketen auch "Shmoos", blasenförmige Luftballons in der Gestalt einer Comicfigur des jüdischen Zeichners Al Capp. "Piloten der Luftbrücke werfen laufend Tausende solcher Fabelwesen über den Westsektoren Berlins ab. Wer Glück hat, findet in seinem Shmoo einen Gutschein über 10 Pfund Schmalz", heißt es auf dem Cover des Aufwärts, das einen blonden, glücklich lächelnden Berliner Jungen mit Shmoo und Schmalzkiste präsentiert. Das war 1948 – drei Jahre nach dem Ende des Holocausts.
Am deutlichsten wird der Zusammenhang zwischen der Populärkultur der Comics und den jüdischen Bilderwelten bei den Superhelden, die Ende der dreißiger Jahre entstanden, zu einer Zeit, in der das Böse weltweit auf dem Vormarsch war. Superman, Batman, Captain America und The Spirit setzen mit ihren Abenteuern das fort, was David im Kampf gegen Goliath vorexerziert hatte: wie man das scheinbar Unbesiegbare doch niederringen kann. Sie sind sich dabei auch keineswegs zu schade, ins politische Tagesgeschäft einzugreifen.
Captain America verprügelt Hitler in seinem Führerbunker, Superman saust – "Ist es ein Flugzeug? Ist es ein Blitz? Nein, es ist Superman!" – durch die Lüfte nach Europa, verbiegt Kanonenrohre und schnappt sich Hitler und Stalin, um sie vor Gericht zu stellen. Diese Episode schafft es 1940 sogar ins SS-Blatt Das schwarze Korps, versehen allerdings mit antisemitischen Schmähungen gegen den Zeichner Jerry Siegel. Die Superhelden knüpfen an die Tradition des Golem an, ganz offenkundig wird das in der zweiten Superhelden-Generation des sogenannten "Silver Age" der fünfziger Jahre, als Monster wie das giftgrüne Ungetüm Hulk oder The Thing, das Backsteingeschöpf der Fantastic Four, dem jüdischen Mythenwesen auch körperlich immer ähnlicher werden. Sie sind naiv und unberechenbar, auch darin gleichen sie dem Golem. Vom Beschützer verwandeln sie sich blitzschnell in den Berserker.
Superman und Batman, das demonstriert die enzyklopädisch ausgreifende, stringent argumentierende Ausstellung, haben gegen Hitler und Stalin gewonnen. Die Popkultur siegte, das Böse wurde zurückgeschlagen. Nur vor dem Jüdischen Museum steckt jetzt Superman im Boden, kopfüber festgerammt in der Erde. Auch Helden haben schlechte Tage, heißt die Skulptur von Marcus Wittmers.
Jüdisches Museum Berlin, bis 8. August, tägl. 10-20, Mo 10-22 Uhr, Katalog 19,80 €
(Erschienen im Tagesspiegel)
- Datum 03.05.2010 - 10:16 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Comics werden in der Regel zur Vermittlung eines schlichten Gut-Böse-Weltbildes und damit zur Verblödung von Kinderseelen hergestellt. (Auf Ausnahmen wie Gerhard Seyfried gehe ich hier nicht ein.) Dennoch versuchen sich Zeitungskritiker seit Jahren an einer Aufwertung dieser Erzeugnisse. Christian Schröder instrumentalisiert hierzu die neue Ausstellung im Jüdischen Museum von Berlin.
Bezeichnenderweise unternimmt Schröder nicht einmal im Ansatz den Versuch, Comics vom künstlerischen Standpunkt aus zu bewerten.
Er beläßt es dabei, für uns Leser eine chronologische Auswahl der geistig anspruchslosen Handlungsverläufe in den Comics aufzulisten.
Fazit: Mit der Popkultur siegt das Blöde über das Böse.
wenn Comics nur Gut und Böse kennen: ist Onkel Dagobert gut oder böse? und wie sieht es mit seinem Neffen Donald aus?
Wo erkennen Sie ein Gut-Böse-Schema bei Charly Brown und seinen Freunden?
Klassische Märchen ja, die laufen nach einem Gut und Böse Schema.
"Les Tuniques Bleues" von Lambil und Cauvin zum Beispiel hat den Amerikanischen Bürgerkrieg zum Hintergrund. Es handelt sich eindeutig nicht um tiefsinnige Literatur, aber eine einseitige Verurteilung einer der beiden Seiten sucht man vergeblich, und man findet stattdessen eine allgemeine Ablehnung kriegerischer Auseinandersetzungen vor, in denen es keine "gute" und keine "böse" Seite, keine Partei ohne Fehl und Tadel geben kann.
Ob ein Comic die von Ihnen zu Recht kritisierte Weltsicht vermittelt, hängt vom jeweiligen Autor ab und kann nicht auf das Genre an sich zurückgeführt werden. Dass die Vermittlung einer schwarz-weißen Weltsicht vorherrscht, hat sowohl historische als auch kommerzielle Gründe, die darzustellen den Rahmen hier sprengen würde.
Ich weiß nicht, was sie alles an Comics sowohl gelesen als auch verstanden haben, aber Ihr vernichtendes Urteil sagt mir, dass Ihre Leseerfahrung in dem Bereich noch deutlich erweiterbar ist, bevor ich persönlich Ihnen ein umfassendes Urteil zugestehe - sofern Sie es fertigbringen, ein solches Werk unvoreingenommen in die Hand zu nehmen und nicht bereits verurteilen, bevor Sie die erste Seite aufgeschlagen haben.
wenn Comics nur Gut und Böse kennen: ist Onkel Dagobert gut oder böse? und wie sieht es mit seinem Neffen Donald aus?
Wo erkennen Sie ein Gut-Böse-Schema bei Charly Brown und seinen Freunden?
Klassische Märchen ja, die laufen nach einem Gut und Böse Schema.
"Les Tuniques Bleues" von Lambil und Cauvin zum Beispiel hat den Amerikanischen Bürgerkrieg zum Hintergrund. Es handelt sich eindeutig nicht um tiefsinnige Literatur, aber eine einseitige Verurteilung einer der beiden Seiten sucht man vergeblich, und man findet stattdessen eine allgemeine Ablehnung kriegerischer Auseinandersetzungen vor, in denen es keine "gute" und keine "böse" Seite, keine Partei ohne Fehl und Tadel geben kann.
Ob ein Comic die von Ihnen zu Recht kritisierte Weltsicht vermittelt, hängt vom jeweiligen Autor ab und kann nicht auf das Genre an sich zurückgeführt werden. Dass die Vermittlung einer schwarz-weißen Weltsicht vorherrscht, hat sowohl historische als auch kommerzielle Gründe, die darzustellen den Rahmen hier sprengen würde.
Ich weiß nicht, was sie alles an Comics sowohl gelesen als auch verstanden haben, aber Ihr vernichtendes Urteil sagt mir, dass Ihre Leseerfahrung in dem Bereich noch deutlich erweiterbar ist, bevor ich persönlich Ihnen ein umfassendes Urteil zugestehe - sofern Sie es fertigbringen, ein solches Werk unvoreingenommen in die Hand zu nehmen und nicht bereits verurteilen, bevor Sie die erste Seite aufgeschlagen haben.
wenn Comics nur Gut und Böse kennen: ist Onkel Dagobert gut oder böse? und wie sieht es mit seinem Neffen Donald aus?
Wo erkennen Sie ein Gut-Böse-Schema bei Charly Brown und seinen Freunden?
Klassische Märchen ja, die laufen nach einem Gut und Böse Schema.
@Partylöwe
Schön, daß Sie über ein gefestigtes Weltbild verfügen.
Für alle anderen, die sich von der "geheimen" Sprache der sequentiellen Kunst verführen lassen möchten, empfehle ich Scott McCloud: "Comics richtig lesen".
eine schöne Woche
Bitteschön.
http://ia351441.us.archiv...
Hm - ich wundere mich gerade. Ich habe als Kind/Jugendlicher oft Donald-Duck-Geschichten gelesen. Trotzdem habe ich Abitur gemacht und sogar ein Studium abgeschlossen.
Wie geht das - wo man doch "verblödet", wenn man Comics liest?
„Hm - ich wundere mich gerade. Ich habe als Kind/Jugendlicher oft Donald-Duck-Geschichten gelesen. Trotzdem habe ich Abitur gemacht und sogar ein Studium abgeschlossen. Wie geht das - wo man doch "verblödet", wenn man Comics liest?“
Das muß am Bildungssystem liegen.
Mit Ihrem ersten Satz, den Sie mit einem völlig überflüssigen „Hm“ einleiten, bestätigen Sie, daß Comics einen schlechten Einfluß auf die sprachliche Entwicklung haben.
„Hm - ich wundere mich gerade. Ich habe als Kind/Jugendlicher oft Donald-Duck-Geschichten gelesen. Trotzdem habe ich Abitur gemacht und sogar ein Studium abgeschlossen. Wie geht das - wo man doch "verblödet", wenn man Comics liest?“
Das muß am Bildungssystem liegen.
Mit Ihrem ersten Satz, den Sie mit einem völlig überflüssigen „Hm“ einleiten, bestätigen Sie, daß Comics einen schlechten Einfluß auf die sprachliche Entwicklung haben.
„Hm - ich wundere mich gerade. Ich habe als Kind/Jugendlicher oft Donald-Duck-Geschichten gelesen. Trotzdem habe ich Abitur gemacht und sogar ein Studium abgeschlossen. Wie geht das - wo man doch "verblödet", wenn man Comics liest?“
Das muß am Bildungssystem liegen.
Mit Ihrem ersten Satz, den Sie mit einem völlig überflüssigen „Hm“ einleiten, bestätigen Sie, daß Comics einen schlechten Einfluß auf die sprachliche Entwicklung haben.
"Les Tuniques Bleues" von Lambil und Cauvin zum Beispiel hat den Amerikanischen Bürgerkrieg zum Hintergrund. Es handelt sich eindeutig nicht um tiefsinnige Literatur, aber eine einseitige Verurteilung einer der beiden Seiten sucht man vergeblich, und man findet stattdessen eine allgemeine Ablehnung kriegerischer Auseinandersetzungen vor, in denen es keine "gute" und keine "böse" Seite, keine Partei ohne Fehl und Tadel geben kann.
Ob ein Comic die von Ihnen zu Recht kritisierte Weltsicht vermittelt, hängt vom jeweiligen Autor ab und kann nicht auf das Genre an sich zurückgeführt werden. Dass die Vermittlung einer schwarz-weißen Weltsicht vorherrscht, hat sowohl historische als auch kommerzielle Gründe, die darzustellen den Rahmen hier sprengen würde.
Ich weiß nicht, was sie alles an Comics sowohl gelesen als auch verstanden haben, aber Ihr vernichtendes Urteil sagt mir, dass Ihre Leseerfahrung in dem Bereich noch deutlich erweiterbar ist, bevor ich persönlich Ihnen ein umfassendes Urteil zugestehe - sofern Sie es fertigbringen, ein solches Werk unvoreingenommen in die Hand zu nehmen und nicht bereits verurteilen, bevor Sie die erste Seite aufgeschlagen haben.
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