Trauerfall Architekt Günter Behnisch ist tot
Er plante das berühmte Zeltdach des Münchner Olympiastadions und baute den Bonner Abgeordneten einen neuen Plenarsaal. Nun ist Günter Behnisch gestorben.
Der renommierte Architekt Günter Behnisch ist tot. Er sei am Montagmorgen im Alter von 88 Jahren gestorben, teilte sein Sohn Stefan mit. Behnisch galt als einer der führenden deutschen Architekten der Moderne, unter anderem bekam er mehrfach den Deutschen Architekturpreis.
Weltweite Bekanntheit erlangte Behnisch 1972 durch den Bau des Münchner Olympiastadions. Das viel diskutierte Zeltdach aus Glas sollte ein Zeichen setzen für ein demokratisches Deutschland, das den Geist der Nationalsozialisten überstrahlen sollte.
Behnisch, in Dresden geboren, bekam die Folgen der NS-Herrschaft selbst als Kriegsgefangener in England zu spüren. 1947 kehrte er nach Deutschland zurück und studierte an der Technischen Hochschule in Stuttgart. Anfang der Fünfziger gründete er mit zwei Mitarbeitern sein eigenes Büro.
Nicht nur München, auch andernorts setzte Behnisch auf Glas. Der transparente Baustoff dominiert auch das Hysolar-Institutsgebäude in Stuttgart aus dem Jahr 1987 sowie den Bonner Plenarsaal des früheren Bundestages von 1992.
Behnisch lebte bis zu seinem Tod in Stuttgart. Er sei zu Hause gestorben, wo ihn seine Frau in den vergangenen Jahren gepflegt habe, sagte Stefan Behnisch. Nach mehreren Schlaganfällen sei sein Vater halbseitig gelähmt und auf Hilfe angewiesen gewesen. Man habe jedoch bis zum Schluss mit ihm sprechen können. "Er hatte ein langes, erfülltes Leben", sagte sein Sohn.
- Datum 12.07.2010 - 19:37 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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«Baumeister des demokratischen Deutschland» wird er allenthalben genannt. Nun, was war demokratisch an seiner Architektur? Das viele Glas, dieser Bausstoff, der eigentlich nur nichts sein will - ist Nichtssein demokratisch?
Der 1922 geborene Behnisch war von Krieg und NS-Herrschaft traumatisiert. Verständlich. Jetzt sollte alles anders werden. So musste es statt Granit und Sandstein Beton und Glas sein. Aber macht das Anders auch gleich gute Architektur?! Ich finde, nicht. Behnischs Bauten sind m.E. Ausdruck einer ökonomisch-technokratischen Gesinnung, deren Werte Geschossbruttoflächen und Materialkosten sind. So gesehen ist Behnischs Architektur ebenso menschenfeindlich wie das Bauen im NS-Staat. Nur eben anders.
Das berühmte Zeltdach des Münchner Olympiastadions wurde übrigens nicht von Behnisch sondern von seinem damaligen Partner Frei Otto erschaffen. Ich empfehle daher, die Überschrift zu diesem Artikel entsprechend zu ändern.
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