Das freiwillige kulturelle Jahr Ein Jahr in Dachau
Die Diskussion um Wehrpflicht und Zivildienst hat das Freiwillige Soziale Jahr in den Fokus gerückt. Sinnvolles für die Gesellschaft tun, kann man auch in der Kultur. Heute starten wieder viele in ihr FSJK.
© Frank Leonhardt/dpa

Lagerstraße der KZ-Gedenkstätte in Dachau
Wird die Wehrpflicht tatsächlich abgeschafft, fällt auch der Zivildienst. Mit der Diskussion darum rückte das Freiwillige Soziale Jahr wieder in den Fokus der Politiker und Berichterstatter. Doch sich freiwillig engagieren kann man nicht nur im sozialen, sondern auch im kulturellen Bereich. Heute, am ersten September, beginnt wieder das Freiwillige Soziale Jahr Kultur (FSJK), wie es offiziell heißt.

Staatsoper Hannover
"Das Beste ist sicherlich, nicht nur zu sehen, was auf der Bühne passiert, sondern auch dahinter." Svenja Horn arbeitet während ihres FSJK an der Staatsoper in Hannover. Momentan müsse sie etwas in der Bibliothek zum Thema Tod recherchieren – „auch Lustiges, damit es unterhaltsam ist“ – denn sie erstellt das Begleitheft zum Liederabend "Wenn ich einmal tot bin ...". Noch schaue Svenja bei den Proben viel zu, weil sie erst ein paar Wochen hier sei, sagt Maike Kreilkamp, Dramaturgieassistentin an der Staatsoper und Betreuerin der zwei FSJKler. Doch Teilnehmer sollten auch möglichst eigene Projekte erstellen und "richtig eingebunden" sein.
Die Plätze für ein FSJK sind begrenzt, Bewerber gibt es viele für das Programm, das die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) 2001 ins Leben gerufen hat. 6800 16- bis 26-jährige Interessenten kommen hier auf nur 1100 Plätze bundesweit. Die allermeisten Teilnehmer sind weiblich, eine Tendenz, die jedoch mit Anerkennung des Wehrersatzes abnimmt, eben weil rund ein Viertel der Plätze Kriegsdienstverweigerern vorbehalten ist.
- Freiwilligendienste
Junge Menschen haben zwischen Schule und Beruf verschiedene Möglichkeiten, einen Dienst abzuleisten. Generell unterscheidet man den Wehrdienst und den Zivildienst, der als Ersatz für den Wehrdienst abzuleisten ist, von freiwilligen Diensten wie etwa dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), das in sozialen Einrichtungen, aber auch als Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) zum Beispiel bei Umwelteinrichtungen, Freiwilliges Kulturelles Jahr (FKJ) in kulturellen Einrichtungen oder als FSJ im Bereich Sport abgeleistet werden kann.
- Pflichtdienste
Wehr- und Zividienst sind staatliche Pflichtdienste für Männer, die 6 Monate lang dauern. Etwa 80.000 werden pro Jahr einberufen.
- Freiwilligendienst
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Ein Freiwilligendienst kann von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 16 und 27 Jahren absolviert werden und zwischen 6 bis 18 Monaten dauern. Die FSJler arbeiten in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, Behinderteneinrichtungen, Kindergärten und Kinderheimen, in der Jugendarbeit oder im Sozialdienst oder eben in einer kulturellen Einrichtung. Sie werden dort als zusätzliche Hilfskräfte eingesetzt. Es gibt freie und öffentliche Träger für ein FSJ, bei denen sich die jungen Menschen für den Dienst bewerben. Während des Jahres werden die Freiwilligen durch Seminare zusätzlich pädagogisch begleitet.
Sie erhalten außerdem ein Taschengeld und sind sozialversichert, teilweise bekommen sie Unterkunft und Verpflegung. Während des Dienstes besteht Anspruch auf Kindergeldzahlung nach dem Bundeskindergeldgesetz.
Mit Krieg und dessen schrecklichen Folgen muss sich Benjamin Weirich dennoch auseinandersetzen. Er sowie ein zweiter junger Mann verbringen ihr FSJK in der KZ-Gedenkstätte Dachau. Benjamin wollte sich intensiver mit diesem Stück deutscher Geschichte und mit seiner Umgebung – er stammt ganz aus der Nähe – auseinandersetzen: "In der Schule lernt man darüber einiges, aber hier wird es detaillierter." Am meisten interessiert ihn, wie man das Wissen weitergibt. Dafür kommen Zeitzeugen nach Dachau wie der 82-jährige Abba Naor, der regelmäßig von Israel nach Deutschland reist, um seine Geschichte zu erzählen. Solche Menschen seien sehr offen, sagt Benjamin, der Umgang sei beinahe freundschaftlich. Nachdem er ein Jahr im Archiv, in der pädagogischen Abteilung und der Verwaltung gearbeitet hat, ist er heute ein Referent der Institution. Zwar reiche die Anstellung nur als Nebenverdienst, doch jetzt dürfe er ganz offiziell Besucher durch die Gedenkstätte führen.
Höchstens 300 Euro erhält man bei einem FSJK monatlich, einen Teil davon zahlt der Bund, den Rest die Länder. Wie hoch deren Beteiligung ist, schwankt von Land zu Land.
Die 20-jährige Annika Schäder aus Gotha bekommt 280 Euro im Monat. Sie ist damit und mit ihrer Arbeit beim Wartburgradio zufrieden. Sie empfinde gerade die Gespräche und die Zusammenarbeit mit den Radiomachern als spannend. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liegt im journalistischen Bereich. Sie unterstützt aber auch organisatorisch eine Aktion gegen Rechtsextremismus. "Vielfalt tut gut". Annika konnte mit dieser Tätigkeit viele ihrer Interessen abdecken. Die Auswertung ihrer Bewerbung hatte ihr eindeutig den Bereich Radio bescheinigt. In drei Redaktionen hatte sie sich daher schon beworben, bevor sie bei dem Sender in Eisenach genommen wurde. Letzten Endes entscheiden nämlich die Einsatzstellen, ob sie jemanden für ein Jahr beschäftigen oder nicht. Da kommt es dann auf die Qualifikation an.
Der Nachteil dieses Verfahrens ist, dass sich im FSJK kaum Real- oder Hauptschulabgänger finden. Ein Ziel des Vorsitzenden der BKJ Gerd Taube ist es daher, das zu ändern. Er sucht gezielt Einsatzstellen, die auch geringer Qualifizierte einstellen.
- Datum 02.09.2010 - 13:08 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Ist man geringer qualifiziert wenn man "nur" ein Haupt-oder Realabschluss hat?
Ich denke nicht, die Politiker nein das Schulsystem, müssten sich mehr dafür engagieren um den "geringeren Qualifizierten" die Möglichkeit zu geben ein Jahr in der Kultur zu absolvieren. Anstatt die Realschüler und Hauptschüler auf eine Ausbildung vorzubereiten könne man sie genauso gut unterrichten über ihre Vielzahl von Möglichkeiten, die sie doch haben. Aber dies geschieht leider nicht.
Ich bin der Meinung, dass es für junge Leute eine gute Alternative gegenüber das Freiwillige soziale Jahr ist. Und es sollte für alle zugänglich sein.
...ist nichts einzuwenden - wenn es wirklich vollständig freiwillig ist! Und junge Menschen weder ausbeutet noch indirekten Zwang verursacht - durch dubiose Versprechungen auf beispielsweise einen schnelleren Studienplatz oder ähnliches.
...die sind doch nicht ganz bei Trost. Und wer sich darauf einlässt ist selbst schuld. Das ist schlimmste Ausbeutung - ich habe kein Verständnis, daß man so etwas propagiert.
Ein freiwilliges soziales Jahr sollte auch den Gedanken des Dienstes an der Gesellschaft beinhalten. Dieses ist sicherlich bei der Arbeit an einer Gedenkstätte, im Pflegeheim oder im Museum gegeben.
Bei den genannten Beispielen Wartburgradio oder Staatsoper habe ich da meine Bedenken. Das sind doch schlecht bezahlte Plätze eines berufsvorbereitenden Praktikums in der Verpackung des sozialen Jahres.
@ribera
warum dient denn ein museum mehr der gemeinschaft als die staatsoper? gerade an theatern werden aktuelle themen der gesellschaft behandelt und verarbeitet. im übrigen gibt es im kulturbereich nahezu keine bezahlten praktikumsplätze mehr, weil die institutionen längst finanziell ausgeblutet sind. das fsj kultur ist im vergleich zu anderen praktik in dem bereich sehr gut bezahlt!
@ribera
warum dient denn ein museum mehr der gemeinschaft als die staatsoper? gerade an theatern werden aktuelle themen der gesellschaft behandelt und verarbeitet. im übrigen gibt es im kulturbereich nahezu keine bezahlten praktikumsplätze mehr, weil die institutionen längst finanziell ausgeblutet sind. das fsj kultur ist im vergleich zu anderen praktik in dem bereich sehr gut bezahlt!
@ribera
warum dient denn ein museum mehr der gemeinschaft als die staatsoper? gerade an theatern werden aktuelle themen der gesellschaft behandelt und verarbeitet. im übrigen gibt es im kulturbereich nahezu keine bezahlten praktikumsplätze mehr, weil die institutionen längst finanziell ausgeblutet sind. das fsj kultur ist im vergleich zu anderen praktik in dem bereich sehr gut bezahlt!
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