Suchmaschinen-Remix Googles Todsünden
Wir suchen, Google findet. Dieses Mal wird's in unserer Kolumne gar biblisch: Neid, Wollust, Hochmut, Völlerei, na ja – und der arme Michael Ballack.

Neid und Missgunst sind nicht schön, aber weit verbreitet - auch unter Internetnutzern
Wir suchen, Google findet. Millionenfach, Tag für Tag. Und schön daran ist nicht nur, dass es leidlich funktioniert, sondern dass alle Suchanfragen zusammengenommen eine hübsche Statistik abgeben, die Google ebenso akribisch sammelt wie alles andere auch – und zwar weltweit wie regional. ZEIT ONLINE fasst einige der häufigsten Suchbegriffe als kleine Geschichten zusammen.
Google halten einige dieser Tage für ziemlich böse, Firmenphilosophie hin oder her. Moralisch nicht vertretbar sei es, den immobilen Besitz der Menschen für alle sicht- und suchbar zu machen. Nun ist Moral eine große Sache, man gerät leicht ins Diskursive. Versuchen wir, uns mit wissenschaftlichen Methoden zu nähern. Dem Neid zum Beispiel. Googles Algorithmen belegen, dass er zurzeit einen signifikanten Anstieg an Suchanfragen erlebt. Nach den Vorkommnissen in ihrem Urlaub, so scheint es, interessieren sich die Leute für die Sünde.
Das Phänomen tritt so zuverlässig im Spätsommer auf, dass Google sogar eine Prognose wagt, nach der auch dieses Jahr der Neid zunehmen wird. Armer Michael Ballack. Der muss zurzeit besonders unter der Missgunst der Tugendhaften leiden. Auch Ballack wird periodisch gesucht, am meisten jedoch schon im Frühsommer, wenn die Fußballsaison endet. Aus Google darf er nun Trost saugen. Denn die Google-Kurve belegt , dass das Interesse an ihm noch viel viel größer war, als Boateng ihm in die Hacken trat.
Geiz indes ist von nahezu gleichbleibendem Interesse. Doch man beachte regionale Unterschiede. Derzeit treibt es die Nordrhein-Westfalen nennenswert häufiger um als andere Bundesbürger. Warum denn das? Weil eine Schnellrestaurantkette einen McGeiz aufgelegt hat? Danach wird in NRW gesucht. Und tatsächlich: Hier gibt es die meisten McDonald-Restaurants. Das kann man ganz rasch auf einer Karte überprüfen, die das Fast-Food-Unternehmen auf seiner Website – dank Google – zur Verfügung stellt. Doch nein, die hatten nie einen "McGeiz" im Angebot. Dafür gibt es Mäc Geiz, was irgendwie das Gegenteil ist, nämlich eine Non-Food-Kette. Die ging im Frühjahr Pleite. Die Filialen bestehen weiter – und zwar vor allem in NRW.
Faulheit , auch so eine Sünde. Schlimm, schlimm. Eltern kämpfen gegen sie an, wenn ihre Kinder herumpubertieren. Virulent wird das Problem besonders zu Schuljahresbeginn, also jetzt. Zugegeben, das ist nur eine Hypothese. Doch sie wird von Google gestützt, denn die Top-Verbindung, nach der zurzeit im Zusammenhang mit "Faulheit" gesucht wird, ist "gegen Faulheit".
Da fügen sich auch die für heute letzten Erkenntnisse aufs Schönste ein: Weder nach Hochmut noch nach Völlerei wurden in Deutschland jüngst gesucht. Hier besteht offensichtlich kein Aufklärungs- oder Handlungsbedarf, auch nicht von Seiten der Bayern. Die Wollust hingegen verzeichnet in ihren Suchanfragen jenseits von akuten Häufungen (siehe Ballack) seit Längerem einen stetigen Anstieg in ganz Deutschland: 250 Prozent über die vergangenen fünf Jahre. Doch bislang sucht keiner, also nicht mal Eltern, "gegen" sie. Wir leben in entspannten Zeiten. Wie schön. Doch sei gemahnt: Auch die Suchanfragen nach Wolllust sind gestiegen.
- Datum 27.08.2010 - 06:49 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 1
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:









WollLust kommt von Schaf und verspricht lange Häkelabende - der Winter steht ja im Prinzip schon vor der Tür…
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren