Theater Christoph Schlingensief ist tot

Der Regisseur und Künstler Christoph Schlingensief ist gestorben. Der große Provokateur erlag im Alter von 49 Jahren seinem Krebsleiden.

Christoph Schlingensief im Januar 2010

Christoph Schlingensief im Januar 2010

Der Theater- und Filmregisseur Christoph Schlingensief ist tot. Er starb im Alter von 49 Jahren in Berlin, wie seine Ehefrau Aino mitteilte. Schlingensief gehörte zu den bedeutendsten Regisseuren der Gegenwart und hat wie nur wenige die deutschsprachige Film- und Theaterwelt beeinflusst. Er war Anfang 2008 an Lungenkrebs erkrankt. Nach einer Operation ging es ihm zunächst wieder besser, sodass er noch einige große Kunstprojekte realisieren konnte.

Im September 2008 feierte Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir bei der Ruhrtriennale Premiere. In dem Werk setzte sich Schlingensief grundsätzlich mit seiner Krankheit auseinander und nahm sogar die Situation seines Todes vorweg. Das Leiden war auch zentrales Thema in seinem Tagebuch einer Krebserkrankung , das unter dem Titel So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein 2009 erschien.

Im selben Jahr saß der Regisseur in der Jury der Internationalen Filmfestspiele in Berlin. Außerdem arbeitete er an seinem Projekt Festspielhaus Afrika . Im Februar 2010 wurde in Ouagadougou, Burkina Faso, der Grundstein seines Operndorfes gelegt.

Im Mai 2010 inszenierte er in Brüssel das Opernprojekt Via Intolleranza II nach Luigi Nono. Für den kommenden Oktober war eine Inszenierung zur Wiedereröffnung des Berliner Schillertheaters als Ausweichspielstätte von Daniel Barenboims Staatsoper geplant.



In den neunziger Jahren gehörte Schlingensief zu Frank Castorfs Hausregisseuren an der Berliner Volksbühne. Bekannt wurde Schlingensief vor allem mit seinen frühen Filmen Das deutsche Kettensägenmassaker (1990), Terror 2000 – Intensivstation Deutschland (1992) und der  Talkshow 2000 sowie mit seinen Theaterinszenierungen, Kunstperformances und Installationen wie 100 Jahre CDU , Rocky Dutschke 68 , Passion Impossible – 7 Tage Notruf für Deutschland und Hamlet . Im Jahr 2004 gab er sein spektakuläres Debüt als Opernregisseur bei den Bayreuther Festspielen mit Richard Wagners Parsifal .

Im Mai 2010 sagte Schlingensief in einem Interview, er wisse seit einigen Monaten, dass er neue Metastasen habe. Durch den Krebs sei "alles in den Boden gerissen worden". Erst vor einem Jahr hatte Schlingensief seine langjährige Lebensgefährtin, die Kostümbildnerin Aino Laberenz, geheiratet.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Schade

    Schade, er war ein weitblickender fähiger Mann

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    Hoffen wir, dass mit seinem Tod nicht auch sein Projekt »Festspielhaus Afrika« stirbt.
    Hoffen wir, dass sein Tod diesem Projekt nicht den Wind aus den Segeln nimmt und trotzdem eine so wichtige interkulturelle Brücke zwischen Afrika und Europa entstehen kann.

    Hoffen wir, dass mit seinem Tod nicht auch sein Projekt »Festspielhaus Afrika« stirbt.
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    [...]

    deutschland hat einen bedeutenden künstler verloren, einen mutigen und starken menschen, der ein großes künstlerisches und soziales werk hinterlässt. ein mensch, der nicht weggeschaut hat, der spielerisch und voller phantasie auf missstände aufmerksam gemacht hat und eine eigene meinung hatte. wir brauchen mehr dieser künstler, mehr mutige menschen, die nicht gefallen wollen, sondern verändern wollen und dies auch tatkräftig tun.

    christoph schlingensief wird eine große lücke hinterlassen.

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    christoph schlingensief wird eine große lücke hinterlassen.

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  3. Mein Mitgefühl den Angehörigen. Schlingensief war ein fabelhafter, spannender Künstler und ein toller Mensch.

  4. Hoffen wir, dass mit seinem Tod nicht auch sein Projekt »Festspielhaus Afrika« stirbt.
    Hoffen wir, dass sein Tod diesem Projekt nicht den Wind aus den Segeln nimmt und trotzdem eine so wichtige interkulturelle Brücke zwischen Afrika und Europa entstehen kann.

    Antwort auf "Schade"
  5. ... ich finde es so schade, dass er seinen mit Vehemenz geführten Kampf verloren hat.

    Wirklich schlimm finde ich aber, dass nun Rauchgegner aus den Löchern kriecchen und noch einmal nachtreten. Ruft man einem Verkehrstoten auch nach "...hätte er mal nicht den Wagen genommen!"? Ich glaube das verbietet die Pietät. Beim Rauchen scheint es keine Grenzen zu geben und das finde ich mittlerweile mehr als stillos.

    Für mich war er ein großer Künstler und ich hätte ihm gern mehr Zeit ohne Krankheit gewünscht.

  6. Diese Nachricht macht mich betroffen. Ich habe immer viel Freude an Schlingensiefs Ideenreichtum und seinen an Anarchie grenzenden Inszenierungen gehabt und er schien mir auch menschlich unglaublich spannend und faszinierend gewesen zu sein. Er ist viel zu früh von uns gegangen und ich werde ihn aufrichtig vermissen. Seinen Hinterbliebenen wünsche ich nun alles Gute für die kommenden schweren Wochen und Monate.

    • ilot
    • 21.08.2010 um 18:47 Uhr

    Ich werde Christoph Schlingensief vermissen! Wenige fallen mir ein, die so direkt und kompromisslos den Teppich der Scheinheiligkeit wegziehen und den ganzen Dreck darunter sichtbar machen. Nein, nein, er war kein duckmäuserischer Angepasster; er hat sein Ding durchgezogen - konsequent, authentisch! Vielleicht wäre da noch Klaus Kinski als bekannter Vertreter dieser Gegenöffentlichkeit zu nennen. Ich glaube, Schlingensief wäre über diesen Verlgeich nicht erbost.

    Ein Zitat von ihm:
    "Harald Schmidt ist zynisch, Stefan Raab ist zynisch. Das ist zynische Fernsehkultur. Das ist staatstabilisierend!"

    Ein Ausschnitt von Schlingensiefs Projekt 'U3000', Drehort: Berlin.

    Ein Verlust für uns alle!

  7. Irgendwie wartet man darauf, dass er gleich irgendwo auftaucht und noch eine Einschätzung abgibt. So als wäre es der letzte Akt eines Theaterstückes, der irgendwann kommen musste. Diesmal war es nur leider wirklich sein eigenes. Nur man hätte einfach noch so gerne ein paar Worte von ihm dazu gehört.

    Es ist einfach so traurig.
    Mach es gut, lieber Christoph!

    @dummefragen: christoph schlingensief hat nie geraucht. es gibt eine art von lungenkrebs die durch ein virus ausgelöst wird. auch bei nichtrauchern.

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    Hab in der Familie mehrere Angehörige durch Lungenkrebs verloren, alles Raucher, bin deswegen etwas übersensibel...
    Christoph wird auf jeden Fall ein großes Loch hinterlassen, das nicht leicht zu stopfen sein wird...

    Hab in der Familie mehrere Angehörige durch Lungenkrebs verloren, alles Raucher, bin deswegen etwas übersensibel...
    Christoph wird auf jeden Fall ein großes Loch hinterlassen, das nicht leicht zu stopfen sein wird...

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