Kunstforschung "Was ist das Gegenteil vom Frosch?"

Die Künstlerin Ursula Bertram bringt Kunst- und Wissenschaftsstudenten bei, die Denkprozesse der anderen zu erlernen. Damit zeigt sie, dass künstlerisches Denken Innovationen ermöglicht.

Am Freitag findet in Stuttgart das Symposion "Artistic Research als Ästhetische Wissenschaft?" statt. Eine der Vortragenden ist die Künstlerin Ursula Bertram. Im Interview mit ZEIT Online spricht sie darüber, wie sich die Wissenschaft von ihrer Linearität lösen kann und warum die Welt künstlerische Kompetenzen braucht.

ZEIT ONLINE: Sind Wissenschaft und Kunst ein Gegensatz?

Ursula Bertram: Sie sind nicht kompatibel. Im wissenschaftlichen Prozess geht es um Analyse, Falsifizierung und Verifizierung, das Arbeiten ist linearisiert. Es geht darum, die eigene Person hinauszunehmen. Der Künstler stellt hingegen die eigene Person in den Mittelpunkt. Es geht ihm weniger um klar definierte Ergebnisse, als um Prozesse, die das Ergebnis hervorbringen.

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ZEIT ONLINE: Einerseits sagen Sie, die Konzepte seien gegensätzlich, andererseits sagen sie, man müsse sie zusammenbringen – das verstehe ich nicht.

Bertram: Zusammenbringen ja, aber nicht vermixen. Wissenschaft und Kunst sind wie Wasser und Öl, sie sind vermischbar, werden sich aber immer wieder trennen.

ZEIT ONLINE: Wie lassen sich die Disziplinen denn nun zusammenbringen?

Ursula Bertram
Ursula Bertram

Die Künstlerin Ursula Bertram hat in Deutschland und Frankreich studiert. Seit 1994 ist die 58-Jährige Professorin im Fach Plastik und interdisziplinäres Arbeiten an der TU Dortmund. Zudem hatte sie Gastprofessuren in Venezuela und in den USA.

Bertram: Unsere Jugend sollte zweisprachig ausgebildet werden. Die eine Sprache ist die Wissenschaft und die andere ist die künstlerische Sprache. Diese sollte am besten so gelernt werden, dass künstlerischen Denken auch in außerkünstlerischen Feldern wirksam wird.. Es müsste eine Basislehre von non-linearen Vorgängen geben, von der aus Wissenschaftler und Künstler weiter ausgebildet werden. Der Kunstunterricht, wie er jetzt ist, ist deshalb nicht optimal.

ZEIT ONLINE: Was wäre denn die Alternative?

Bertram: Mehr Erfinderwerkstätten. Hier erzeugt man künstlerische Kompetenz, ohne dass das Ergebnis wie Kunst aussehen muss.

ZEIT ONLINE: Erfinderwerkstätten, wie die an der TU Dortmund. Sie leiten die dortige ID-Factory des Zentrums für Kunsttransfer. Was kann man sich darunter vorstellen?

Bertram: In dieser Querdenkerfabrik werden Denkprozesse durchlebt, die durch theoretisches Wissen nicht zu vermitteln sind. Hier sitzen Orientalisten neben Chemikern und Wirtschaftswissenschaftler neben Maschinenbauern.

ZEIT ONLINE: Was machen Sie dort?

Bertram: Wir machen wahrnehmungs- und persönlichkeitsbildende Experimente. Die Studierenden lernen voneinander zu lernen – vor allem weil sie ganz unterschiedlich argumentieren. Sie sehen plötzlich, dass die verschiedenen Fächer anders konditioniert sind. Und sie merken, dass niemand Recht hat.

ZEIT ONLINE: Wie sieht solch ein Experiment aus?

Bertram: Es gibt zum Beispiel die Turn-Around -Methode. Hier springen wir ständig zwischen Bild und Wort und einem Objekt und seinem Gegenteil. Ich fordere die Studenten auf, einen Begriff mit fünf Wörtern zu beschreiben. In der nächsten Übung müssen diese fünf Wörter in Bilder gefasst werden. Dann werden diese an den nächsten weitergereicht und er soll aus den Bildern Wörter extrahieren und dann erneut ein Gegenteil bilden.

Leser-Kommentare
  1. Das Gegenteil von einem Frosch zu bestimmen ist keine künstlerische Aufgabe, dies lässt sich ganz rational bestimmen. Als erstes müsste geklärt werden, was die Fragende mit dem Gegenteil überhaupt meinte. Man macht dann vielleicht eine Bedeutungsanalyse des Begriffs Gegenteil und kommt dann dazu, dass man Eigenschaften von Fröschen bestimmt, wobei dann zu jeder Eigenschaft ein Gegenteil existiert. Zusätzlich zu den Eigenschaften wäre eine Analyse der Relevanz der Eigenschaften möglich. Auch dieses ließe sich analytisch erörtern. Man käme daraufhin zur Frage der Kriterien der Relevanz, was eine weitere Analyse nach sich zöge, usw. Alles nichts künstlerisches, alles reine rationale Begriffsanalyse bzw. Bedeutungsanalyse. Wo soll da der Nutzen liegen.

  2. den das Gegenteil von Kunst ist Engstirnigkeit. Meistens.

  3. Je grüner desto quakt es

  4. Also lässt sich die Aussage "Ich bin ein Künstler" für den Laien übersetzen in "Ich bin NICHT engstirnig". Gut! Äh, gut zu wissen... Und ich bin ein Frosch.

  5. Ist die Existenz eines Gegenteils nicht mehr oder weniger ausschliesslich Adjektiven und Adverbien vorbehalten?

    heiss - kalt, schnell - langsam..

    Oder fällt hier irgendjemandem spontan ein Beispiel eines Nomens ein, für das es ein Gegenteil gibt, auf das sich alle sofort einigen würden?
    Mir gerade nicht...

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    • narrot
    • 24.09.2010 um 15:53 Uhr

    ... "Krieg" und "Frieden"? Allerdings fällt mir für Gegenständliches auch kein Beispiel ein.

    Die als didaktische Erweiterung dargebotene Methode entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Fehler in der Logik. Die Frage nach dem Gegensätzlichen zum Frosch kann nicht beantwortet werden. Holz ist zum Beispiel keine Opposition zum Frosch, da es auch tote Frösche gibt. Ebenso gibt es Frösche, die so grau wie Elefanten sind und beide können nicht fliegen.

    Ich weis, ich bin engstirnig.

    • narrot
    • 24.09.2010 um 15:53 Uhr

    ... "Krieg" und "Frieden"? Allerdings fällt mir für Gegenständliches auch kein Beispiel ein.

    Die als didaktische Erweiterung dargebotene Methode entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Fehler in der Logik. Die Frage nach dem Gegensätzlichen zum Frosch kann nicht beantwortet werden. Holz ist zum Beispiel keine Opposition zum Frosch, da es auch tote Frösche gibt. Ebenso gibt es Frösche, die so grau wie Elefanten sind und beide können nicht fliegen.

    Ich weis, ich bin engstirnig.

    • narrot
    • 24.09.2010 um 15:53 Uhr

    ... "Krieg" und "Frieden"? Allerdings fällt mir für Gegenständliches auch kein Beispiel ein.

    Antwort auf "Gegenteil"
  6. Die als didaktische Erweiterung dargebotene Methode entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Fehler in der Logik. Die Frage nach dem Gegensätzlichen zum Frosch kann nicht beantwortet werden. Holz ist zum Beispiel keine Opposition zum Frosch, da es auch tote Frösche gibt. Ebenso gibt es Frösche, die so grau wie Elefanten sind und beide können nicht fliegen.

    Ich weis, ich bin engstirnig.

    Antwort auf "Gegenteil"
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    dass man weiß mit ß schreibt.

    dass man weiß mit ß schreibt.

  7. dass man weiß mit ß schreibt.

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