Wir suchen, Google findet. Millionenfach, Tag für Tag. Und schön daran ist nicht nur, dass es leidlich funktioniert, sondern dass alle Suchanfragen zusammengenommen eine hübsche Statistik abgeben, die Google ebenso akribisch sammelt wie alles andere auch – und zwar weltweit wie regional. ZEIT ONLINE fasst einige der häufigsten Suchbegriffe als kleine Geschichten zusammen.

Sarrazin . Wer sonst. Der Mann, den die Bundesbank gern loswerden will, ist der große Aufsteiger der vergangenen Tage in den Google-Rankings. Ganz Deutschland hämmert den Namen des Provokateurs ins Suchfeld wie nix. Ganz Deutschland? Nein! Bloß Westdeutsche und Sachsen sind anscheinend vom "Sarrazin-Virus" ( Spiegel ) infiziert.

Die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen lässt der Hype ganz offensichtlich kalt. Das ist auch eine Erkenntnis. Bloß warum ist das so? Weil es dort nur vietnamesische Einwanderer gibt? Weil's für national befreite Zonen keinen Sarrazin mehr braucht? Weil's kein DSL gibt? Google schweigt dazu.

Was der Suchkoloss immerhin andeutet: Für Integration interessiert sich nach wie vor keine Sau. Das war so vor Sarrazins abstruser Offenbarung und so ist es danach. Selbst das Wort Islam wird nun nicht häufiger gegoogelt als früher. Offenbar irrt der Sarrazin-Fan, wenn er glaubt, nun sei die überfällige Integrations-Debatte endlich angestoßen. Nun würde endlich Tacheles geredet. Stattdessen: bloß Hype um den Hype – hatten wir uns schon gedacht.

Google verrät auch Schönes. Zum Beispiel über die islamophoben Wirrköpfe von " Pro Deutschland ". Die hatten vor ein paar Tagen stolz verkündet, dass sie dank des Herrn Sarrazin einen Mitgliederanstieg wie nie verzeichneten. Im Netz: Pustekuchen. Keine verstärkten Suchanfragen nach den Rechtsradikalen. Auch die NPD dümpelt im Google-Ranking weit unten vor sich hin.

Wie wird es weitergehen mit dem Sarrazin-Gewese? Andere Suchbegriffe drängen mit Macht nach oben. Schon zählt Google die Begriffe " sarrazin sprüche " und " sarrazin juden " nicht mehr zu den Aufsteigern der Woche. Auch im Nachrichtenbereich der Suchmaschine wird’s schwieriger für den streitbaren Noch-Bundesbanker. Über zwei Möchtegern-Großprojekte wollen die Menschen inzwischen mehr wissen als über Sarrazin – über Stuttgart 21 und Schalke 04. Letzteres übrigens interessiert erstaunlicherweise sogar die Bayern brennend. Um 150 Prozent sind dort die Suchanfragen nach dem Magath-Klub gestiegen. Angst vor der vermeintlichen Konkurrenz?

Gar keine Angst haben laut Google-Karte übrigens einmal mehr die Ostdeutschen abzüglich Sachsen. Zumindest suchen sie nicht nach ihr. Irgendwas ist dort faul. Aber auch das war schon vor Sarrazin so.