Mit der ewigen Ruhe ist es für die Überreste einer keltischen Fürstin erst einmal vorbei. Ihr 2500 Jahre altes Grab wurde auf dem Gebiet der antiken Siedlung Heuneburg ausgehoben. Zwei riesige Kräne bugsierten 80 Tonnen Erdmasse auf einen Tieflader, auf dem die kleine archäologische Sensation in ein Labor nach Ludwigsburg geschickt wurde.

"Das wird die Wissenschaft über die Keltenzeit verändern", sagte Grabungsleiter Dirk Krausse. Denn zum einen ist das Grab sehr wahrscheinlich nie geplündert worden – und daher noch voll mit Schmuck. Außerdem seien die Holzwände des Grabes wegen des feuchten Bodens nahe einem Bach noch sehr gut erhalten. Dadurch sei eine genaue Jahresbestimmung des Begräbnisses möglich, sagte Krausse.

In der Keltenforschung sei eine exakte Datierung eine Seltenheit, erklärte der Archäologe. Denn die Kelten hinterließen kaum Schriften, ihre Häuser waren zumeist aus Holz und Lehm gebaut und sind bis heute längst verrottet. "Jetzt können wir sagen, der Schmuck war in dem Jahr in der Heuneburg", sagte Krausse. "Das wird europaweit Wissenschaftler beschäftigen."

Ein Fünftel des Fürstengrabes wurde bereits freigelegt, dabei wurde Schmuck aus Gold und Bernstein gefunden. Nach der Auswertung des Grabinhalts könne man viel genauer einschätzen, wie stark der phönizische und griechische Einfluss in dem Jahr X vor Christus im heutigen Süddeutschland gewesen sei. Es sei der wichtigste Fund aus der Zeit der Kelten in Baden-Württemberg seit 32 Jahren, sagte Krausse. "Das Grab ist ein Meilenstein für die Rekonstruktion der Sozialgeschichte der Kelten."

Die Heuneburg an der Donau gilt als die älteste frühstädtische Siedlung nördlich der Alpen. Warum das Grab mit seinem prunkvollen Inhalt nicht wie alle anderen Gräber im Gebiet der Heuneburg geplündert wurde, kann Krausse nicht genau sagen. "Vermutlich stürzten die Holzwände der Kammer sechs Meter unter der Erde schnell ein, dadurch konnten antike Grabräuber nicht so leicht hineingelangen." Fast hätte der Pflug das Grab doch noch zerstört – im Laufe der Jahrhunderte wurde der Grabhügel abgetragen, zuletzt seien es nur wenige Zentimeter bis zur Maisfeld-Oberfläche gewesen.

2005 hatten Archäologen ganz in der Nähe ein Kindergrab entdeckt. Erst in diesem Jahr stellte sich heraus, dass dies nur ein Nebengrab war und dass in der Hauptkammer möglicherweise die Eltern liegen. Unter großer Geheimhaltung legten Krausse und sein Team die Graboberfläche frei – in Sorge, Grabräuber könnten mit 2500 Jahren Verspätung doch noch ihr Zerstörungswerk verrichten. Ob neben der Fürstin auch ihr Mann mit seinem Schwert als Machtsymbol liegt, ist unsicher. Die Grabfunde sollen 2012 in einer Kelten-Ausstellung in Stuttgart zu sehen sein.