JahresausblickWas macht die Kunst 2011?Seite 2/2

Zum Konzept gehört ein breites Spektrum von etablierten bis hin zu kleineren Avantgarde-Galerien, die Ende Januar zum Gegenbesuch nach Paris reisen. Mit Motto aus Berlin und der Pariser Librairie Yvon Lambert nehmen zum ersten Mal Buchhandlungen bzw. Verlage teil. Als Konstanten darf man inzwischen Galerien wie Mehdi Chouakri oder Konrad Fischer sehen, die seit dem ersten, von der Französischen Botschaft initiierten Austausch "Berlin-Paris" mit stets denselben Partnern dabei sind.

Einen echten Neuzugang markiert schließlich ein Wort: Metamodernism. Auf der Suche nach einem Begriff, der die jüngsten Strömungen in der Kunst methodisch fassbar macht, sind die beiden Kulturtheoretiker Timotheus Vermeulen und Robin van den Akker auf diese Schöpfung gekommen. Was sich damit beschreiben ließe, haben Vermeulen und van den Akker kurz vor Weihnachten in der Galerie Tanja Wagner vor Publikum diskutiert. Im Rahmen der Ausstellung von Paula Doepfner, die ihrerseits zwischen Bergen aus Reisig, einem geschmolzenen Eisblock und Bleistiftzeichnungen nach einer individuellen Haltung forscht.

Zynischer als Jeff Koons können die Endzwanziger nicht mehr werden, konzeptueller als Martin Creed geht es kaum und der feine Spott eines Martin Kippenberger ist nur wenigen gegeben. Was also tun mit dem künstlerischen Erbe, der Moderne mit ihrem Anspruch auf absolute Wahrheit und der daraus resultierenden Vielstimmigkeit der Postmoderne? Einen neuen Diskurs anstoßen.

Und zwar auf jener Metaebene, die im paradoxen Wissen darum reflektiert, dass man selbst Teil der Betrachtung ist. Solche Tendenzen hat das Duo in der bildenden Kunst wie der Architektur und im Theater ausgemacht und Theoretiker aller Disziplinen eingeladen, an einem Buch mitzuschreiben, das Mitte des Jahres erscheinen wird.

Aus dem Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. "Einen echten Neuzugang markiert schließlich ein Wort: Metamodernism".

    Finde das eher postmodern. Höchstens postpostmodern. Oder nein. Vielleicht eher Hypermodern? Irgendwie aber auch gar nicht modern. Auch nicht postmodern oder metamodern. Irgendwie sogar unmodern. Vielleicht sogar alt oder fast schon tradionell? So zwischen den Bergen eben. Eingefroren.

    Ich freue mich schon, wenn es wieder Frühling wird.

    • engelx4
    • 05. Januar 2011 10:45 Uhr

    denken sie interessiert dieses geschwafel über überdrüber postmodern bla, bla, bla? versteckt zwischen den zeilen ist lesbar das kunst, und der kunstbetieb, leider, immer mehr zu einem investment fonds verkommt. ob ein "hype-künstler" wirklich kunstwerke herstellt, bestimmt nicht mehr seine kunstfertigkeit, sondern der markt. künstler werden von verschiedensten interessenverbänden gemacht! es ist unter reichen "in" in kunst zu investieren, um damit einem bestimmten kreis anzugehören. gerhard richter hat in einem interview gesagt, er schäme sich für die unfassbaren summen welche seine werke auf dem kunstmarkt erzielen. er, ist übrigens wirklich ein künstler.

  2. Freier Autor

    Sehr geehrte Amanda Donata,

    herzlichen Dank für Ihre Ausführungen zu Mao Zedong. Ich denke, über den Politiker Mao hat die Weltgeschichte längst ihr Urteil gefällt und insofeern haben Sie mit all dem, was Sie schreiben, natürlich recht. Aber: Wenn Sie schreiben, die Warhols Werk sei "ein kleines Unglück in der Kunstgeschichte" und "ein Kunstfehler, der nie hätte sein dürfen", dann begeben Sie sich auf sehr dünnes Eis. Denn Warhols ging es in seiner Kunst nicht, wie Sie implizit andeuten, darum dass seine Kunst möglichst "farbenfroh und effektvoll" sein solle, sondern darum eben die Ikonenhaftigkeit bestimmter Personen der Zeitgeschichte herauszustreichen. Im Übrigen, wie Sie sicher wissen, nicht nur im Fall von Mao. Dass dies künstlerisch legitim ist und dass Kunst nicht moralisch integer sein muss, ist hoffentlich unstrittig.

    Mit freundlichem Gruß
    Daniel Erk

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