Fotografie

Die Kamera als Werkzeug

 |  © Rebecca Sampson

Was bewegt junge Fotografen? Wie nähern sie sich dem Medium? Die Ausstellung gute aussichten zeigt jedes Jahr eine Auswahl zeitgenössischer Fotografien. Ein vorherrschendes Thema in diesem Jahr ist die Konstruktion und Inszenierung von Bildern.

Jan Paul Evers Serie Modernismus fängt zu Hause an zeigt faszinierende Einzelstücke, die in Handarbeit in seiner Dunkelkammer entstanden sind. Die Kamera ist für den jungen Fotografen vor allem ein Arbeitsinstrument. Alles weitere ist Handarbeit und ein allmählicher Bildfindungsprozess. Ebenfalls ganz am Objekt und seiner Entstehung orientiert sich Samuel Henne. Er konstruiert aus Utensilien wie Klammern, Hülsen, Schrauben, Plastikteilen, Papier, Filz und anderen Gebrauchsschnipseln filigrane Skulpturen und wunderliche Nonsense-Objekte. Einen sehr formalen Ansatz haben auch André Hemstedt und Tine Reimer. Sie inszenieren in Konstruktion von Bewegung Menschen in verschiedenen Stadien der Bewegung – nach der in der Literatur entlehnten Unterteilung in Prolog, Hauptteil und Epilog. 

Rebecca Sampson wählt dagegen einen sehr persönlicheren Zugang. Sie zeigt in ihrem Bilderzyklus Aussehnsucht Menschen mit Essstörungen (Bild links). Helena Schätzle wiederum folgte den Spuren ihres Großvaters, der 1946 aus russischer Gefangenschaft floh, in ihrer Serie: Die Zeit dazwischen – 2621 Kilometer Erinnerung

Die Ausstellung "Gute Aussichten" ist bis zum 27. Februar in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen