Ballett John Neumeier wettert gegen "Black Swan"
Der Ballett-Thriller "Black Swan" wird von vielen Kritikern gelobt. Zu Unrecht, meint der Starchoreograf John Neumeier. Der Film bediene falsche, billige Klischees.
Der Choreograf John Neumeier ist schockiert über Darren Aronofskys Ballett-Thriller Black Swan, der gerade in den deutschen Kinos angelaufen ist. "Die ganze Ballettwelt wird als eine Welt von Kranken dargestellt, in der monströse Menschen junge Mädchen ausnutzen, die natürlich alle magersüchtig sind. Das stimmt doch alles nicht", sagte der Intendant des Hamburg Ballett dem Hamburger Abendblatt.
Der Hollywoodfilm zeige eine Fantasiewelt, die ein Ballettklischee nach dem anderen bediene. "Wenn man eine fremde, unbekannte Welt wie das Ballett in dieser ungesunden, negativen Art zeigt, bleibt nur Schlechtes von dieser Kunst hängen", sagte der renommierte Choreograf.
In Black Swan spielt Natalie Portman eine besessene Balletttänzerin, die unter dem Leistungs- und Konkurrenzdruck in ihrer Compagnie zerbricht. Portman hat für ihre Darstellung bereits einen Golden Globe gewonnen und gilt als Anwärterin auf einen Oscar. Sie hat sich ein Jahr lang einem harten Balletttraining unterzogen und großes Lob für ihre tänzerischen Fähigkeiten geerntet. Neumeier hingegen sagt: "Sie spielt gut. Bis zu dem Moment, wo sie tanzen soll. Da genügt mir keine Großaufnahme mit wackelnden Armen."
Der Film tue so, als würde er Einblicke in die Welt des Balletts liefern – und zeige krankhaften Ehrgeiz. "Einem Sportler wirft man hingegen nie vor, wenn er Leistung bringen soll." Natürlich brauche Ballett Hingabe. "Aber was ist daran schlecht?", fragte Neumeier, "Leidenschaft und Engagement für eine Sache sind doch etwas Schönes." Auf die Frage, welche Bedeutung Hungern in diesem Beruf habe, antwortete er: "Magersucht ist eine Krankheit. Mit einer Krankheit ist diese Kunst nicht zu machen."
- Datum 20.01.2011 - 14:39 Uhr
- Quelle dpa
- Kommentare 21
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Black Swan ist doch kein Dokumentarfilm, sondern Fiktion und Kunst. Wieso muss das denn ein realistisches Bild der Ballettwelt bieten?
Wir sollten Dankbar sein, dass im aktuelle großen Kinohighlight Black Swan ausnahmsweise mal nicht die Welt gerettet werden muss. Und auch, dass hier nicht Action, 3D, und Special Effects statt einer richtig guten Story geliefert wird.
Black Swan ist anders, besser und tiefgründiger als Durchschnittskost.
Ich verstehe aber John Neumeier sehr gut. Für jemanden der sich in einer Welt (wie dem Ballett) so ausgesprochen gut auskennt muss jede fictionale Verfilmung ein Reinfall sein.
Denn der Film an sich wäre sicher langweilig wenn wir ihm alles das rauben würden was John Neumeier daran kritisiert. Dann wäre der Film wohl nur für 100&ige Ballett Liebhaber ein Hingucker - und selbst die würden einen Abend im echten Ballett dem Film vorziehen.
Ich habe den Film bislang nicht gesehen, will mir zu der Darstellung also kein Urteil erlauben. Ich weiß auch nicht, was beim Ballett so alles hinter den Kulissen abläuft, ob der Film also übertreibt oder Herr Neumeier beschönigt.
Ich möchte aber Ihrem zentralen Argument, man dürfe einen Film einfach nicht als Abbild der Realität zeigen, widersprechen.
Filme haben einen unterschiedlichen Anspruch. Beim typischen Action-Streifen wird nicht der Anspruch erhoben, die Realität abzubilden, und folglich wird dies auch jedem klar.
Dieser Film scheint mir aber mehr den Anspruch zu haben, die Realität darzustellen. Vielleicht nicht eine typische aber doch zumindest eine mögliche. Ein solcher Film muss sich daran dann auch messen lassen.
Jemandem, der dieser Welt angehört, die der Film darzustellen versucht, muss dann auch kommentieren dürfen, wie der Film einzuordnen ist.
Ich habe den Film bislang nicht gesehen, will mir zu der Darstellung also kein Urteil erlauben. Ich weiß auch nicht, was beim Ballett so alles hinter den Kulissen abläuft, ob der Film also übertreibt oder Herr Neumeier beschönigt.
Ich möchte aber Ihrem zentralen Argument, man dürfe einen Film einfach nicht als Abbild der Realität zeigen, widersprechen.
Filme haben einen unterschiedlichen Anspruch. Beim typischen Action-Streifen wird nicht der Anspruch erhoben, die Realität abzubilden, und folglich wird dies auch jedem klar.
Dieser Film scheint mir aber mehr den Anspruch zu haben, die Realität darzustellen. Vielleicht nicht eine typische aber doch zumindest eine mögliche. Ein solcher Film muss sich daran dann auch messen lassen.
Jemandem, der dieser Welt angehört, die der Film darzustellen versucht, muss dann auch kommentieren dürfen, wie der Film einzuordnen ist.
Aber ich glaube zu wissen, was Neumeier meint. Man erkennt an der Körperhaltung von N. Portman sofort, dass sie keine ausgebildete Ballerina ist. Schwer zu erklären; ist aber so. Dennoch ein paar Gummipunkte für den ambitionierten Körpereinsatz!
john neumeier zu dem film zu befragen ist, als würden sie einen vegetarier über eine dokumentation in einem schlachthof befragen. überflüssig.
und nebenbei, die welt des balletts ist krank, menschen die sich den ganzen tag, wochen, monate, jahre ausschließlich mit ihren körper beschäftigen, können kaum ein gesundes verhältnis zu sich und ihrer umwelt haben. von den unnatürlichen bewegungen ganz zu schweigen. die blutigen zehen im film, sind blutige realität im ballettalltag.
Diese Meinung ist keineswegs "überflüssig" wie sie in Ihrem Beitrag angemerkt haben.
Der Film (aus Hollywood vermutlich?) wurde mit einer ganz speziellen Intention gedreht...
...und da zählt nicht die Wirklichkeit, sondern das, was am besten, das, wo die Kasse am lautesten klingelt, möglichst mit Globen-Globe- und Oscar-Getute vorher.
Den Film werden sehr viel Menschen sehen, sehr viel mehr als Menschen jemals eine Ballettaufführung sehen werden.
Schade eigentlich.
Da darf Herrn Neumeier doch gestattet werden (als Ballett-Fachmann) sich zu äußern, auch aus seiner ganz subjektiven Sicht:
" Natürlich brauche Ballett Hingabe." . . ."Aber was ist daran schlecht?"
"Leidenschaft und Engagement für eine Sache sind doch etwas Schönes."
"Magersucht ist eine Krankheit. Mit einer Krankheit ist diese Kunst nicht zu machen."
Also ich kann diese Zitate von ihm auch so unterschreiben.
Gruß Max Stockhaus
Diese Meinung ist keineswegs "überflüssig" wie sie in Ihrem Beitrag angemerkt haben.
Der Film (aus Hollywood vermutlich?) wurde mit einer ganz speziellen Intention gedreht...
...und da zählt nicht die Wirklichkeit, sondern das, was am besten, das, wo die Kasse am lautesten klingelt, möglichst mit Globen-Globe- und Oscar-Getute vorher.
Den Film werden sehr viel Menschen sehen, sehr viel mehr als Menschen jemals eine Ballettaufführung sehen werden.
Schade eigentlich.
Da darf Herrn Neumeier doch gestattet werden (als Ballett-Fachmann) sich zu äußern, auch aus seiner ganz subjektiven Sicht:
" Natürlich brauche Ballett Hingabe." . . ."Aber was ist daran schlecht?"
"Leidenschaft und Engagement für eine Sache sind doch etwas Schönes."
"Magersucht ist eine Krankheit. Mit einer Krankheit ist diese Kunst nicht zu machen."
Also ich kann diese Zitate von ihm auch so unterschreiben.
Gruß Max Stockhaus
gerade gestern wurde auf BR Klassik ein Interview mit einer ehemaligen Tänzerin geführt, die von säuerlichen Gerüchen in den Toiletten und "Zwischenmahlzeiten", bestehend aus Butter und Zucker, sprach. Es wurde die Einschätzung geäußert, dass ca. 25% der Tänzerinnen eine Essstörung haben. Ob nun Magersucht, Bulimie oder körperdysmorphe Störung, die hohen Anforderungen an einen schlanken, beweglichen und gleichzeitig kräftigen und muskulösen Körper werden sicherlich ihren Tribut fordern. Herr Neumeier verschließt hier die Augen vor den Problemen und möchte wohl keinen schwarzen Fleck auf seiner heilen Ballettwelt. Und natürlich wirft hier niemand einer Tänzerin die Leistung vor. Es geht doch einzig darum, dass das Erbringen dieser Leistung krank machen kann. Wäre ja so, als ob man im Sport dann auch nicht mehr über Doping reden dürfte. Hier hinkt der Vergleich von Herrn N. doch gewaltig.
Nur weil z.B. in The Basketball Diaries die Spieler von ihrem Coach sexuell belästigt werden und Heroin nehmen, glaubt ja auch keiner, dass das in diesem Sport normal wäre.
Der Herr sorgt sich wahrscheinlich über das Ansehen des Balletts, aber intelligente Menschen können doch wohl sofort erahnen, dass hier ein Extremfall dargestellt wird. Sowas ist doch auch die Regel in Hollywood, man könnte nur schwer einen Film über einen ganz normalen Alltag drehen...
Ich denke, dass gerade Herr Neumeier als Kunstschaffender mit dem Thema "künstlerische Freiheit" ein wenig entspannter umgehen sollte. Das ist ja fast so, als würde man bei einer Aufführung von "Schwanensee" eine getanzte Einführung in die wunderbare Welt der Ornithologie erwarten.
Diese Meinung ist keineswegs "überflüssig" wie sie in Ihrem Beitrag angemerkt haben.
Der Film (aus Hollywood vermutlich?) wurde mit einer ganz speziellen Intention gedreht...
...und da zählt nicht die Wirklichkeit, sondern das, was am besten, das, wo die Kasse am lautesten klingelt, möglichst mit Globen-Globe- und Oscar-Getute vorher.
Den Film werden sehr viel Menschen sehen, sehr viel mehr als Menschen jemals eine Ballettaufführung sehen werden.
Schade eigentlich.
Da darf Herrn Neumeier doch gestattet werden (als Ballett-Fachmann) sich zu äußern, auch aus seiner ganz subjektiven Sicht:
" Natürlich brauche Ballett Hingabe." . . ."Aber was ist daran schlecht?"
"Leidenschaft und Engagement für eine Sache sind doch etwas Schönes."
"Magersucht ist eine Krankheit. Mit einer Krankheit ist diese Kunst nicht zu machen."
Also ich kann diese Zitate von ihm auch so unterschreiben.
Gruß Max Stockhaus
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