ZEIT ONLINE: Herr Ingels, Ihr Architekturbüro hat mit seinem Entwurf gerade einen Wettbewerb in Kopenhagen gewonnen. Sie wollen ein Müllheizkraftwerk in Form eines Skibergs konstruieren. Wie soll das funktionieren?

Bjarke Ingels:
Es handelt sich um eine Fabrik, die Müll in Wärme und Energie umwandelt. Wir machen sie zu einem Skiberg, indem wir das Dach des Kraftwerks in eine Piste verwandeln: Ein Aufzug bringt die Leute bis zum "Gipfel" der Fabrik. Von dort fahren die Besucher wahlweise über eine grüne, blaue oder schwarze Piste ab. Es soll sogar eine Buckelpiste geben. Mit 100 Metern Höhe wird das Gebäude eines der größten in Kopenhagen sein.

ZEIT ONLINE: Wie kamen Sie gerade auf einen Skiberg?

Ingels: Dem Entwurf liegt die Idee zugrunde, dass sich Kopenhagen klimatisch zwar fürs Skifahren eignet – wir haben vier Monate lang Nachtfrost und es schneit viel – der Stadt jedoch die entsprechende Topographie fehlt. Wir wollen mit dem Gebäude eine neue Landschaft prägen.

ZEIT ONLINE: In Ihrem Vortrag zum Thema Science / Fiction Urbanism auf der Konferenz DLD haben Sie Ihren Ansatz als "hedonistische Nachhaltigkeit" bezeichnet – was verstehen Sie darunter?

Ingels: Wir wollten die Idee widerlegen, dass Nachhaltigkeit zwingend mit einem Verlust von Lebensqualität einhergeht. Es gibt so eine Art protestantische Einstellung, wonach es schmerzen muss Gutes zu tun. Wir fragen, wie Nachhaltigkeit die Lebensqualität verbessern und Spaß machen kann.

Unser Müllheizkraftwerk lohnt sich nicht nur aus ökonomischer und ökologischer Perspektive, weil es Müll in Wärme und Energie verwandelt, sondern auch in sozialer Hinsicht: Noch reisen viele Kopenhagener zum Skifahren acht Stunden lang mit dem Bus nach Branäs, einem kleinen Skigebiet im Süden von Schweden. Mit unserem Skiberg werden sie erstmals mitten in der Stadt Ski fahren können.