Architekt Bjarke Ingels"Wir fragen, wie Nachhaltigkeit Spaß machen kann"

Der dänische Architekt Bjarke Ingels will beweisen, das soziale Verantwortung und Spieltrieb zusammen gehen. Im Interview erzählt er von seinem neuen Projekt: einem Müllheizkraftwerk in Gestalt eines Skibergs. von 

ZEIT ONLINE: Herr Ingels, Ihr Architekturbüro hat mit seinem Entwurf gerade einen Wettbewerb in Kopenhagen gewonnen. Sie wollen ein Müllheizkraftwerk in Form eines Skibergs konstruieren. Wie soll das funktionieren?

Bjarke Ingels:
Es handelt sich um eine Fabrik, die Müll in Wärme und Energie umwandelt. Wir machen sie zu einem Skiberg, indem wir das Dach des Kraftwerks in eine Piste verwandeln: Ein Aufzug bringt die Leute bis zum "Gipfel" der Fabrik. Von dort fahren die Besucher wahlweise über eine grüne, blaue oder schwarze Piste ab. Es soll sogar eine Buckelpiste geben. Mit 100 Metern Höhe wird das Gebäude eines der größten in Kopenhagen sein.

ZEIT ONLINE: Wie kamen Sie gerade auf einen Skiberg?

Ingels: Dem Entwurf liegt die Idee zugrunde, dass sich Kopenhagen klimatisch zwar fürs Skifahren eignet – wir haben vier Monate lang Nachtfrost und es schneit viel – der Stadt jedoch die entsprechende Topographie fehlt. Wir wollen mit dem Gebäude eine neue Landschaft prägen.

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ZEIT ONLINE: In Ihrem Vortrag zum Thema Science / Fiction Urbanism auf der Konferenz DLD haben Sie Ihren Ansatz als "hedonistische Nachhaltigkeit" bezeichnet – was verstehen Sie darunter?

Bjarke Ingels

Bjarke Ingels wurde 1974 in Kopenhagen geboren, wo er 1999 seinen Abschluss an der The Royal Danish Academy for Art and Architecture machte.
2001 gründet er mit Julien de Smedt PLOT Architects. Für ihren Entwurf einer Konzerthalle in Stavanger erhalten sie den Goldenen Löwen der Architekturbiennale in Venedig. 2006 trennen sich die Partner und Ingels gründet das Architekturbüro BIG. Das Team realisiert unter anderem den dänischen Pavillon auf der Expo 2010. Nebenbei unterrichtete Ingels als Gastdozent an der Rice Universität, der Columbia und Harvard. Im Januar 2011 gewinnt BIG den Wettbewerb für das neue Müllheizkraftwerk der kommunalen Abfall- und Energiefirma Kopenhagen Amagerforbraending. Es soll 2016 fertig gestellt sein.
 

Ingels: Wir wollten die Idee widerlegen, dass Nachhaltigkeit zwingend mit einem Verlust von Lebensqualität einhergeht. Es gibt so eine Art protestantische Einstellung, wonach es schmerzen muss Gutes zu tun. Wir fragen, wie Nachhaltigkeit die Lebensqualität verbessern und Spaß machen kann.

Unser Müllheizkraftwerk lohnt sich nicht nur aus ökonomischer und ökologischer Perspektive, weil es Müll in Wärme und Energie verwandelt, sondern auch in sozialer Hinsicht: Noch reisen viele Kopenhagener zum Skifahren acht Stunden lang mit dem Bus nach Branäs, einem kleinen Skigebiet im Süden von Schweden. Mit unserem Skiberg werden sie erstmals mitten in der Stadt Ski fahren können.

Leserkommentare
    • skycop
    • 07. Februar 2011 15:17 Uhr

    Nunja,wenn das alles ist, was Bjarke zum Thema nachhaltiger Architektur einfällt, dann grüß Gott.Immerhin denkt er ein bisschen um und kann sich nicht ganz dem aktuellen Zeitgeist verschließen.
    Was hat denn bitte schön eine skulpturale Müllverbrennungsanlage mti nachhaltiger Architektur zu tun? Schön, dass er sich Gedanken um die Industriearchitektur macht, gar keine Frage. Es führt aber am eigentlichen Thema vorbei. Und ob die Architektur auch so für die Verbrennungsanlage funktioniert, warten wir es ab. Ehrlich gesagt, wenn es solche Montren von Industriegebäuden geben muss, dann soll man auch wissen, was Industriearchitektur wirklich bedeutet. Und wenn ich mir diesen "kleinen weißen Vulkan" so angucke, wäre er besser in die Erde gebuddelt worden. Da gewinnt man wenigstens oberirdisch Nutzfläche. Und wenn wir von Skifahren an sich reden, dann ist das einer der naturzerstörenden Sportarten, noch schlimmer ist nur Motorsport.PS: Nachhaltigkeit soll nicht Spaß machen, sie soll was bringen!

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    • W4YN3
    • 07. Februar 2011 17:30 Uhr

    Ski fahren zerstört die Natur, richtig. Hier fährt man dann aber nicht in der Natur Ski, sondern auf einem Haus, also zählt das Argument nicht.

    Wenn die sich so einen hässlichen Klotz in ihre Stadt stellen wollen, bitte. Vermutlich gibts aber bereits genug Protest dagegen.

  1. Höhe der Müllgebühren interessieren, weil der Firlefanz
    finanziert werden muss.

    • Crest
    • 07. Februar 2011 16:21 Uhr

    jetzt kommt dann doch einmal ein Artikel, der zeigt, wie man auch potenzielle Sternenjäger mit 'Nachhaltigkeit' "hinter dem Ofen hervorlocken kann".

    Und dann sowas. :-)

    Herzlichst Crest

  2. Wenn ich das zweite Bild richtig anschaue sehe ich halbnackte Ladies und im Hintergund grüne Wiesen (Sommer/Frühling?)Um so Schnee zu erzeugen bräuchte man gigantische Enrgiemengen, und das Projekt wäre alles andere als Nachhaltig.
    Wer weiß, ich kann mich auch irren. Vielleicht haben die nur hautfarbene Jacken mit aufgedruckten Bikinis an.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    des Müllverbrennungsanlagen-Gebäudes herrschen
    Temperaturen von + 50-60 °C.

  3. des Müllverbrennungsanlagen-Gebäudes herrschen
    Temperaturen von + 50-60 °C.

    Antwort auf "Nachhaltigkeit?"
    • W4YN3
    • 07. Februar 2011 17:30 Uhr
    6. Natur?

    Ski fahren zerstört die Natur, richtig. Hier fährt man dann aber nicht in der Natur Ski, sondern auf einem Haus, also zählt das Argument nicht.

    Wenn die sich so einen hässlichen Klotz in ihre Stadt stellen wollen, bitte. Vermutlich gibts aber bereits genug Protest dagegen.

  4. 7. Kosten

    Natürlich sind die Kosten entscheidend. Dennoch darf man das Thema Umweltschutz nicht nur aus der Brille von Kosteneffizienz betrachten. Die nordeuropäischen Staaten sind da schon weiter als Deutschland.

    • HeHe
    • 17. Februar 2011 14:22 Uhr

    Warum muss die Werbung und das Marketing immer sofort alles zu einem hässlichen Brei verschrotten:

    Mehr Info: http://hehe.org2.free.fr/...

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  • Schlagworte Architekt | Nachhaltigkeit | Berg | CO2 | Fabrik | Gebäude
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